Das Geschäft mit exotischen Tieren blüht


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Heute eine Vogelspinne, morgen einen Alligator

Manche Menschen meinen, sie müßten alles haben, dies führt sogar soweit, daß sie selbst eine unsagbare Tierquälerei in Kauf nehmen, Hauptsache die Anakonda im Terrarium, das Krokodil in der Badewanne oder der Papagei im viel zu kleinen Käfig.

Artgerechte Tierhaltung wird somit völlig ausgeblendet, wenn man bedenkt, daß selbst Zoos diese auch oftmals nicht einhalten können, meist aus Platz- oder Geldmangel. Der Deutsche Tierschutzbund geht von einigen Tausend Krokodilen, über 100.000 Giftschlangen und sogar doppelt so vielen Riesenschlangen aus, die hierzulande ihr Dasein zu fristen haben. Die Zahl der Echsen, Spinnen und anderen exotischen Tiere wird um ein Vielfaches höher liegen.

Die Realität steht im krassen Widerspruch zum CITES

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, welches am 03. März 1973 unterzeichnet wurde, mit der genauen Bezeichnung Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, kurz CITES (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) hat sich als internationale Organisation der Aufgabe verpflichtet, den weltweiten Handel mit Pflanzen und Wildtieren in soweit zu kontrollieren, daß ihr Überleben nicht gefährdet wird.

Das klingt zunächst erst mal ganz nett, wobei es im Abkommen darüber hinaus inzwischen eine Auflistung der vom Aussterben bedrohten und auch gefährdeten Arten gibt, cirka 8.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten stehen somit unter Schutz. Wenn wir die illegalen Einfuhren exotischer Tiere in Deutschland mal außer acht lassen, die Dunkelziffer wird entsprechend hoch sein, wurden noch vor dreizehn Jahren nahezu eine halbe Millionen eingeführt, was wiederum so gar nicht im Sinne des CITES sein kann.

Eine artgerechte Haltung von Exoten, so ließ Tasso-Leiter Philip McCreight verlautbaren, sei mangels Sachkenntnis für den Laien „so gut wie unmöglich“. Und trotzdem wird einfach stillschweigend konsumiert. Manchmal entfliehen sie sogar, denken wir nur an einige spektakuläre Ereignisse, wie sie in regionalen Medien immer mal wieder erörtert wurden oder aber man setzte sie einfach aus. Wie sollte man von Menschen, die dermaßen fahrlässig solche Tiere halten, auch eine umfassende Verantwortung erwarten, sie wird dann erst recht ausgeblendet.

Früher der Hamster und der Wellensittich

Auch diese beiden unterschiedlichen Tiere sind letztlich Exoten und werden bis heute oftmals auch nicht artgerecht gehalten. Hamster in viel zu kleinen Käfigen, ohne Ruhephasen, weil Mensch auf seine Lebensweise natürlich nicht verzichtet, von der Vogelhaltung mal ganz zu schweigen. Was anhand dieser beiden Tierarten fehlschlägt, kann daher nur zu einer Überforderung mit dem Umgang anderer exotischer Tiere führen.

Allein die Zoofachgeschäfte sind auch nicht immer zimperlich, was die Haltung der Tiere anbelangt, haben diese doch nur auf Abruf ein Zwischenleben dort zu fristen. Wesentlich dramatischer geht es darüber hinaus bei Tierbörsen oder gar im Internet zu. Beim Tierhandel, vor allem beim illegalen, sind so gar keine Grenzen gesetzt, fast alles geht, hat halt lediglich seinen Preis. Es stellt sich schon die berechtigte Frage: Was war zuerst da, das Angebot oder die Nachfrage? Wir dürfen davon ausgehen, daß mit den Angeboten im selben Moment die Nachfrage stieg, also auch umgekehrt. Verwundern dürfen wir uns auch nicht, daß bisher die Behörden kaum einschreiten, sie machen es abhängig von Schadensfällen, und diese seien schließlich noch in einem zu geringen Rahmen vorhanden. Was in den Häusern und Wohnungen geschieht, sei wohl Privatsache. Apropos Sache: Sind Tiere nicht Lebewesen, wie auch endlich die Legislative nach sehr langem Kampf einsehen mußte?

Der Gesetzgeber ist mal wieder gefragt, wenn Uneinsicht vorherrscht

Selbst hier offenbart sich der grenzenlose Egoismus mancher Menschen. Sie nehmen eine regelrechte Tierquälerei in Kauf, im Artikel wurde noch mit keiner Silbe über die schrecklichen Transportbedingungen berichtet, Hauptsache sie haben ein exotisches Tier. So liegt es auf der Hand, daß Tierschützer selbstverständlich Einschränkungen bis hin zu Verboten fordern. Vielleicht sollten wir mal zu unseren Nachbarn, den Schweizern, einen Blick wagen. Dort gibt es detaillierte Vorschriften für die Haltung einzelner Arten im neuen Tierschutzgesetz. Zwar hat Bayern bereits bestimmte Verbote und Einschränkungen für die Haltung von Vogelspinnen oder Giftschlangen erlassen, so verbleibt auch bei diesem Thema die fragwürdige Politik des Föderalismus im Raume stehen.

Es bleibt zu hoffen, daß immer strengere Zollkontrollen und auch eine wachsam werdendere Bevölkerung mit dazu beiträgt, solchen „Exotenhaltern“ das Handwerk zu legen. Tiere gehören in Freiheit gelassen, in ihrem gesunden Lebensraum, und der Mensch hat sich gefälligst mit sich selbst zu beschäftigen, anstatt ständig sich hinter seinen Eitelkeiten zu verstecken.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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