Schmeiß den Motor an, wir müssen fliehen


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Alles halb so schlimm, oder?

Wenn gar nichts mehr geht, mag Flucht eine Option sein. Denkste. Was glaubst du eigentlich, was dann geschieht? Es sei dir mitgeteilt, am besten auf silbernem Tablett. Du nimmst all deine beschissenen Probleme mit. Und nun?

Gerade zum Trotz bist du längst unterwegs gen Süden. Warum eigentlich immer in den Süden? Sowohl real zur Urlaubszeit oder in schnulzigen Komödien? Stets der Run nach Sonne, Strand und weiß der Geier was, manch Rockzipfel, wohl eher Bikini. Das lassen wir mal besser außen vor. Hier geht es zwar schon um nackte Tatsachen, aber halt keine sexuellen oder erotischen.

Nun denn, dann fährst du einfach mal zur Abwechslung gen Westen, äußerste Landbegrenzung der Atlantik. Auf der anderen Seite diese Amis, im Südwesten Brasilien und die anderen lateinamerikanischen Staaten, wo ein Leben weniger wert als sonstwo. Wie das gemeint ist? Wortwörtlich, stammt noch aus Zeiten der Eroberer, hauptsächlich den iberischen. Aber rühren wir besser nicht in der Geschichte, verbleiben hautnah in der Gegenwart.

Genau, Haut, Erotik und Nacktheit, so die Präsenz einer Realität, die kaum jemand in all ihren Facetten wahrhaben möchte. Dann lieber hinzu- oder wegdichten. Das läßt das bißchen Restleben angenehmer erscheinen. Ach, tatsächlich? Und manch Albtraum, der dich doch des nachts erinnert, was schief gelaufen? Per Drogen kriegste das nie und nimmer in den Griff, Ablenkung hilft auch nicht, schon gleich gar keine Flucht.

Doch die Karre flitzt mit 220 km/h über die Autobahn, das in Frankreich, aufpassen, bevor Flics dir erwischen, die wollen och nur leben, ein wenig kassieren. Doch du hast jetzt mal Glück, keine Ablenkung, raus mit der Sprache, wieso du fliehst!

Unendlich tief gewachsene Trauer also? Aha. Wir verstehen, nicht um den Verlust eines lieben Menschen, sondern wegen den verpaßten Gelegenheiten, die Mensch zuließ. Soso. Das Artensterben sollte niemand unterschätzen, der Kreislauf der Natur ist ein Heiligtum gemessen am Pomp der Kirchen. Umweltbelastung mit daraus resultierendem Klimawandel, sicher, alles menschengemacht, erst recht jener Rüstungswahn. Weltschmerz nimmt dich ein, eine Kurzschlußreaktion, diese Flucht? Ganz genau, du begreifst es selbst.

Langsam überholen dich andere Verkehrsteilnehmer, ebenso ein Polizeiwagen ohne Blaulicht und herausgehaltener Kelle aus offenem Fenster. Du steuerst einen Rastplatz an. Mal tief durchschnaufen, die Augen schließen, beim Stehen mit laufendem Motor. Schnippst dabei die fast heruntergebrannte Kippe weg.

„He, Sie da, das ist ein Parkplatz, kein Aschenbecher! Heben Sie mal schnellstens den Glimmstengel auf, haben Sie verstanden!“, schreit eine Mittfünfzigerin dich entrüstet an. Wortlos steigst du aus, sammelst sie auf, die Kippe, nicht die Frau, entsorgst sie im Aschenbecher deines Autos, verneigst dich entschuldigend und fährst wieder gen Osten, zurück ins Leben voller Probleme, aber deine biste nicht losgeworden. Schwamm drüber.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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