Urbaner Gartenbau sowie Schulgärten


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Eine sinnvolle Ergänzung zur Landwirtschaft

Manchmal kann man schon zusammenzucken, wenn uns Kinder begegnen, die nicht wissen, wie Erbsen wachsen, keinen Mangold oder Quitten kennen, noch nie Beeren geerntet haben. In einer Zeit des Fastfoods, einer deutlichen Zunahme der Fettleibigkeit, wo gleichzeitig beide Elternteile arbeiten müssen, um zu überleben, verbleibt weder Raum noch entsprechende Möglichkeiten, den Heranwachsenden unsere Natur näherzubringen.

Um so wichtiger, dem Survival (Überleben) eine höhere Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Die Notwendigkeit des Urbanen Gartenbaus sowie des Schulgartens erfährt einen wesentlich höheren Stellenwert, nicht nur weil die Preise ohnehin zu schnell steigen.

Was Platon schon anlegte, setzte Julius Hecker in Berlin fort

Während bereits bei den alten Griechen Platon mit seinen Schülern extra Gärten anlegte, die der Inspiration dienen sollten, in mittelalterlichen Klostergärten Mönchen das Wissen um der Pflanzenkunde vermittelt wurde, Hildegard von Bingen gar in ihrem Werk Physica (Naturheilkunde) mehr als ein halbes Tausend Pflanzen akribisch beschrieb, entstand um 1750 im preußischen Berlin der erste Schulgarten.

Der Theologe und Pädagoge Johann Julius Hecker ließ diesen errichten, nachdem er bereits zuvor von seinem Lehrer August Hermann Francke erste Erfahrungen mit dem angelegten Schulgarten auf einem Gelände der zuvor ins Leben gerufenen Franckeschen-Stiftungen in Halle sammeln konnte.

Inbesondere in der alten DDR besann man sich des Schulgartens, war dort dessen Unterricht fester Bestandteil der ersten vier Grundschuljahre. Müssen wir davon ausgehen, daß jenes Schulfach Schulgarten verschwindet? Nicht ganz, in Thüringen gibt es noch dieses Schulfach. Die vor 17 Jahren gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten, kurz BAGs, setzt alles daran, um dieses förderliche Schulfach am Leben zu erhalten, entwickelt sowohl pädagogische Konzepte als auch Fortbildungsmöglichkeiten, so entand z.B. das Gartentheater mit Tier- und Pflanzenfiguren. Noch sind es nicht viele Schulgärten, aber ein wachsendes Interesse darf man erfreulicherweise dennoch beobachten.

Urbaner Gartenbau erhält neuen Stellenwert

Der Mensch hat schon immer ein Bedürfnis gehabt, sich mittels Bepflanzung selbst zu versorgen, ob im Kleinen wie im Großen, zumindest seit dem er über genügend Kenntnisse verfügt. Das gilt daher genauso für den städtischen Bereich. Was zunächst sich am Rande von Klein- oder Großstädten an landwirtschaftlicher Nutzung abspielte, denken wir dabei an Schrebergärten, erhält inzwischen viel mehr Bedeutung in den Städten selbst, wie man in Andernach längst beobachten kann.

Nicht nur, weil früher in Kriegszeiten die Bevölkerung aufgefordert wurde, überall wo möglich Nutzgärten anzulegen, selbst nach Naturkastrophen wie dem Hurrikan Katrina 2005, wo innerhalb von drei Tagen Engpäße der Versorgung mit Lebensmitteln eintraten, sondern erst recht als wichtiger Bestandteil werden urbane Gärten in naher Zukunft das Überleben in Ballungsgebieten garantieren. Man könnte jetzt spitz formuliert und angedacht einer sozialrassistischen Politik nahelegen, dies viel mehr zu fördern, damit eine verarmende Bevölkerung sich wenigstens selbst versorgen mag. Jedoch scheitern solche Überlegungen sofortigst, wenn man sich die Miet- und Pachtflächenverträge betrachtet, die in Städten zunehmend teurer werden. Hier hat die Politik gefälligst ihre Hausaufgaben zu machen und dafür Sorge zu tragen, daß erst kein soziales Gefälle entstehen kann!

Bewahren wir unser letztes Stück Natur

Und zwar bevor es zu spät ist. Schlimm genug, daß Mensch sich dem Profitdiktat zu Lasten eigener Gesundheit beugt. Ein gesundmachender Ausgleich: Schulgärten und urbaner Gartenbau. Mögen solche praxisnahen Ideen wieder viel mehr Zulauf erhalten, dienen sie nicht nur einer besseren Ernährung, sondern gleichzeitig einer mindestens genauso wichtigen Kommunikation untereinander.

„Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht. Würde der Städter kennen, was er frißt, er würde umgehend Bauer werden.“ (Oliver Hassencamp)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Urbaner Gartenbau sowie Schulgärten

  1. Habnix schreibt:

    Die beste Demo gegen Kernkraft ist, wenn man sich den Strom mit Solar oder/und Wind oder Bachlauf, wenn möglich, selbst macht. Der beste Widerstand gegen eine Diktatur ist es, wenn man sich so viel wie möglich das nötige zum Leben selbst macht.

    Udo Meurer

    Gefällt 1 Person

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