Ostermärsche kein Übrigbleibsel der Friedensbewegung


Der Ruf wird lauter: „70 Jahre Nato sind genug“

Es waren pazifistische Gruppen, die der Mitbegründer des Aktionskreises für Gewaltlosigkeit, Konrad Tempel, dazu aufrief, sich in den Städten Bremen, Braunschweig, Hannover und Hamburg einzufinden, an einem Sternmarsch zu Ostern zu beteiligen, der am Ostermontag 1960 beim Truppenübungsplatz Bergen-Hohne mit ungefähr 1.200 Teilnehmern endete.

Mit diesem Beginn der anschließend stattfindenden Ostermärsche, die auch aus der „Kampf-dem-Atomtod-Bewegung“ entstanden, war eine neue außerparlamentarische Opposition und soziale Bewegung in der noch „bürgerlich-schlafenden“ BRD hervorgegangen, die den Weg zur weiterentwickelnden Friedensbewegung ebnete. Die Ostermärsche haben bis heute ihre Unabhängigkeit bewahrt und sollten nicht als ein Übrigbleibsel der Friedensbewegung belächelt und betrachtet werden.

Von der Protestkultur zur Vermarktung ganzer Bewegungen

Jede Entwicklung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, wenn sie es versteht, trotz erheblicher Widerstände ihrem ursprünglichen Idealismus treu zu bleiben und sich vor allem vor keinem parteipolitischen Karren spannen zu lassen. Während aus den vielen Protest- und Bürgerbewegungen unter anderem auch die Partei der Grünen hervorging, und genau anhand ihres Wandels sehr deutlich wurde, wie schnell bestimmte Mächte ihre Ziele erreichen, darf man sich dennoch nicht wundern, warum dies geschah.

Wo viel Geld im Spiel seine bösartige Fratze offenbart, wird mittels entsprechender Vermarktung auch eine gutgemeinte Bewegung ganz bewußt unterwandert und stückweise von ihren ursprünglichen Ideen weggedrängt. Wer es noch rechtzeitig bemerkte, verließ das sinkende Schiff des Verrats, wer nicht, hat sich mit entsprechender Macht und Pöstchengerangel damit abgefunden, seine alten Ideale über Bord geworfen zu haben. Das äußerte sich überdeutlich spätestens mit der Entscheidung zum Afghanistan-Einsatz: Die Befürworter haben damit Friedensbemühungen zu Grabe getragen.

Die atomare Bedrohung durch die Supermächte war noch Hauptanliegen der Ostermärsche von den 1960iger bis hinein in die 1980iger Jahre, doch mit der Wiedervereinigung und dem Fallen des Eisernen Vorhangs entstand auch ein gewisser Wandel innerhalb der Friedensbewegung. Werfen wir nur einen kurzen Blick in die Ostermärsche ab dem Jahre 2000.

Damals wurde noch der Nato-Krieg gegen Jugoslawien, der Krieg Russlands gegen Tschetschenien sowie die generelle Rüstungsexportpolitik angeprangert. Ein Jahre später, also 2001, war der Einsatz der Bundeswehr zum Zwecke kriegerischer Intervention kritisiert worden, damit verbunden die naheliegende Forderung eines Aufbaus zur konstruktiv zivilen Konfliktbearbeitung. 2002 mußte natürlich bei den Ostermärschen eine deutliche Reaktion nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 folgen, der „War On Terror“ wurde als verfehltes Signal gewertet zusammen mit der Bombardierung Afghanistans sowie die sogenannten „Sicherheitsgesetze“.

2003 stand ganz im Zeichen der Protestwelle gegen den Irakkrieg. 2004 waren die Themen gezeichnet von einem friedlichen, sozialen Europa, also keine EU-Militärmacht, Abrüstung statt Sozialkahlschlag. Neben deutlichen Stimmen gegen Neofaschismus, Militarisierung, aber auch dem Vorfeld zur Ratifizierung des EU-Verfassungsvertrags befaßten sich die Kundgebungen im Jahr 2005 mit der Abschaffung sämtlicher Atomwaffen nach 60 Jahren Hiroshima. 2006 verdeutlichten fast 80 Veranstaltungen den Irankonflikt, das Desaster des Irak-Kriegs, sowohl die Rüstungskosten als auch die Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Ablehnung zur bevorstehenden EU-Militärmission im Kongo.

Ein Jahr später gab es bereits die ersten Warnungen vor einem Kriegseinsatz der USA gegen den Iran und der Einsatz der Tornados in Afghanistan beschäftigte die Ostermärsche. Auch 2008 wurde sich den Themen zum „Krieg gegen den Terror“, der Militarisierung im Inneren, aber auch der Repression in Tibet und dem türkisch-kurdischen Konflikt gewidmet. Im darauffolgendem Jahr standen folgende Themen auf der Tagesordnung: Kein Frieden mit der NATO, Stop deutscher Kriegsbeteiligung, Für Frieden und soziale Sicherheit – Gegen Armut, Hunger und Krieg!, Neuer Anlauf für atomare Abrüstung, etc.

2010 standen die Ostermärsche im Zeichen der Abschaffung der Atomwaffen und der Beendigung des Afghanistankrieges. 2011 erhielten die Ostermärsche weitere Unterstützung durch parallel stattgefundene Demonstrationen der Anti-AKW-Bewegung, wo gut 120.000 Teilnehmer zugegen waren, während die Forderungen der Ostermärsche selbst der Stop der militärischen Intervention in Libyen, weiterhin die Abschaffung der Atomwaffen sowie deren Verschrottung beinhaltete als auch das Verbot der Rüstungsexporte und der Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan. Obendrein beschäftigte die Ostermärsche das Atomunglück Japans. Seit 2013 kann man einen Anstieg der Teilnehmer bei den Ostermärschen feststellen, der Export deutscher Waffenhändler wird deutlicher angeprangert, die lautlosen Drohneneinsätze, der Ruf zum Ende dieser Nato nimmt erneut zu.

Diesjährige Ostermärsche besorgt über Einflüsse der „Querfront“

Wie auch die taz völlig zu Recht bemerkt, zitierte im Artikel Mit „Bella Ciao“ gegen Waffen Barbara Majd Amin von der Friko, die vehement betonte, es gäbe keine friedensbewegte Rechte.

Dem können wir uns nur mit Nachdruck anschließen, wie bereits hier geschildert wurde. Einer glaubhaften Friedensbewegung bleibt nichts anderes übrig, als dies zu bemerken, will sie nicht riskieren, vom rechten Mob unterwandert zu werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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