Ostern fällt flach


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Hasen haben es nicht leicht an Ostern, jenes ständige Eier verstecken nervt einfach alljährig, erst recht im fortgeschrittenen April, wenn man viel eher mit seinen Liebsten herumtollen möchte ob des sonnig-milden Frühlingserwachens, überall zartes Grün Mutter Natur zu neuem Leben erwecken läßt. Nur diese Wesen auf zwei Beinen, Menschen eben, trampeln mit ihrer Rücksichtslosigkeit alles platt, vom Osterfestfeiern mal ganz zu schweigen.

Mark putzte sich ausführlich seine langen Ohren, dabei mit einer Pfote nach unten gerichtet, während die Zunge einem Waschlappen gleich die Lehm-, Wurm- und gar Spinnenspuren wegleckte. Was meint Ihr wohl, wieviel Spinnennetze er jeden Tag streift? Unzählige, dabei haften jene Fäden ganz besonders zäh im Fell. Einerlei, gehört zum Tagesgeschäft. Heute ist erneut Eieranmalen angesagt, wie nervig, schießt es Mark durch den Kopf. Oder etwa doch nicht? Wäre doch mal gelacht, am besten Ostern ausfallen lassen. Schon wetzt er los zum Bau Königslinde, wo Melanie haust.

„Einen wunderschönen guten Morgen, holde Mel, na, ausgeschlafen?“, begrüßte er sie mit steil nach oben gerichteten Ohren, die im Sonnenlicht noch feucht glänzten. Melanie schaute ihm verduzt entgegen, weil beide doch gestern noch heftig gestritten hatten. Mal wieder typisch, fiel ihr ein, der Herr vergißt noch mal seinen Kopf.

„Sag mal, solltest du nicht bei Frieda sein, die Eier rufen längst, ich kann es sehr deutlich hören“, erwiderte seine Klassenkameradin brüsk.

„Nö, keineswegs, ich hab’s mir anders überlegt, Ostern fällt dieses Jahr aus für unsere Familien, basta!“ Mark grinste sie keck an, während Mel ihn verwundert ansah.

„Wie bitte?! Das kannst du doch nicht machen! Das gibt mächtig Ärger, sollte dir allerdings klar sein“, rief sie und stampfte mit Nachdruck mit beiden Vorderpfoten auf, was bei Mark nur ein müdes Lächeln hervorrief. Eine Amsel flog laut plärrend davon, die letzten weißen Wölkchen hatten inzwischen sich in Luft aufgelöst, der strahlend hellblaue Himmel entlockte allen Genugtuung auf einen vielversprechend angenehmen Tag.

„Weißt du, Mel, ich hab mir das sehr genau überlegt. Ich mach diesen ganzen Konsumrummel nicht mehr mit. Hinzu kommt, neulich lauschte ich bei einer FFF-Demo, wobei mir bewußt wurde, daß auch wir selbst mit dazu beitragen können, den Klimawandel zumindest zu verlangsamen. Jenes Osterfest kostet nur unnötig viel Energie, ein NoGo!“

Das saß. Melanie war ziemlich perplex. Auf eine solche Idee wäre sie nicht gekommen. Voller Anerkennung nickte sie Mark freundlich zu.

„Wow, eine grandiose Idee!“, entfuhr es ihr. „Hat natürlich nur Sinn, wenn möglichst viele mitmachen, ach, was sag ich, am besten alle. Komm, wir verkünden es ihnen“, forderte sie ihn auf. Das ließ er sich nicht zweimal sagen, schon stürmten beide los.

In Windeseile hatte sich Marks Vorschlag herumgesprochen, es wurde sofort eine große Versammlung einberufen, Konrad, der älteste Hase, verkündete, daß Ostern jetzt ausfallen würde, der Natur, den Menschen, allen zuliebe. Natürlich stimmten auch die Hennen zu, endlich brüten ohne jenem lästigen Eierklau.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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