Kollaps einer Gesellschaft letztlich vorprogrammiert?


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Viel zu hohe Erwartungen im Alltag

Papier kann äußerst geduldig die komplexesten Abläufe schildern, sie akkurat logisch uns Nahe bringen, in der Praxis versagen all diese schnörkellosen Theorien. Dabei sollten wir nicht vergessen, wie rasend schnell das Wissen uns überrennt, der Mensch selbst gar nicht mithalten kann bei diesem Tempo, dieses alltagstauglich auch noch zu verarbeiten.

Sicherlich gibt es im Vergleich zum letzten Jahrhundert eine wesentlich höhere Bildungschance für alle Menschen hierzulande, blenden wir dabei mal die Pisa-Studien aus, die ohnehin keine wirklich nutzbringende Aussagen haben, gleichzeitig stellt sich aber die Frage, was tun mit all dem Wissen? Hilft uns dies tatsächlich als Vorbereitung fürs Leben oder Berufsleben?

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr

Wenn Redensarten und Sprichwörter Vorurteile bedienen, sollte der aufgeklärte Mensch stets aufhorchen und diesen sehr skeptisch gegenübertreten. Eine nicht unerhebliche Zahl von Kindern durften die Ermahnung ihrer Eltern über sich ergehen lassen, wie wichtig doch die Schule sei, wer jetzt versagen würde, weil der Lernwillen nicht stattfinde, würde nach der Schule gar als Hilfsarbeiter enden.

Über die Intelligenz und die Bereitschaft diese auch zu seinem Vorteil anzuwenden, mögen sich die Geister scheiden. Berühmtes Beispiel eines nicht gerade guten Schülers: Albert Einstein. Was bedeutet diese Herleitung? Etliche Menschen haben es trotz schulischer Schwächen im nachhinein geschafft, über den zweiten Bildungsweg, das verpaßte Abitur nachzuholen oder zusammen mit abgeschlossener Berufsausbildung noch mal auf einer Hochschule einen akademischen Abschluß zu erlangen. Was dabei oftmals nicht so wahrgenommen wird, gerade in einer geregelten, normbehafteten Gesellschaft, ist das Individuum selbst.

Für viele junge Menschen ist die Selbstfindung genau der Stolperstein, das Damokles-Schwert einer hektisch geforderten Berufsorientierung. Manchen gelingt es auf Anhieb, sie entdecken ihre berufliche Erfüllung und andere halt nur über Umwege. Na und? Sollten wir nach dieser nicht zu übersehenden, praktischen Erfahrung nicht die Konsequenzen ziehen, anstatt dieses System über alle junge Menschen zu stülpen? Faktor Zeit als Druckmittel ein Hemmnis zur persönlichen Entfaltung? Wenn wir uns die vielen gescheiterten Existenzen, ganz besonders im Berufsleben betrachten, dann darf dies ruhig behauptet werden.

Wir haben stets zu funktionieren – wenn nicht, was dann?

Wirklich glückliche Menschen haben kaum Sorgen, weil sie in sich ruhend genug Abstand haben, ihr Leben zu reflektieren. Dabei spielt die materielle Absicherung erst recht eine Rolle, aber keine übergeordnete. Schauen Sie sich um in Ihrer Umgebung. Sind die meisten tatsächlich glücklich? Wohl eher nicht. Klar doch, in einer Welt der wohl eher zunehmenden Bedrohung – war dies eigentlich jemals anders? – insbesondere was das Überleben anbelangt, denken wir nur an die real existierende Arbeitslosigkeit, Statistiken entbehren ohnehin jedweder Realität, lebt es sich nicht unbedingt unbefangen, um ein wenig Glück genießen zu können.

Morgen schon können wir selbst vielfach betroffen sein. Was läuft da eigentlich schief mit dem Homo sapiens, der meint, er sei das höchste Wesen auf Erden? Mit solch erhabenem Anspruch müßte doch längst das Schlaraffenland Wirklichkeit sein, oder? Eines wird dabei ersichtlich: Die Menschen, die krank sind, nicht funktionieren im Sinne einer „starken“ Gesellschaft, haben sich unterzuordnen oder haben das Nachsehen. Kein Platz für Schwächen? Doch den gibt es, vielfach, in Flüchtlingslagern, in Kriegsgebieten, in Slums, auch in Problemvierteln, in den Fluren und Räumen der Jobcenter, in Gefängnissen.

Entwickeln wir uns so schnell, daß Verlierer auf der Strecke bleiben?

Was bedeutet eigentlich diese Entwicklung für uns alle? Ganz einfach, wir haben mit ihr zu leben, da wir ein Teil ihrer selbst sind. Gleichzeitig muß die Frage erlaubt sein, ob wir diese überhaupt erkennen. In einer Zeit der Nachrichten- und Medienreizüberflutung hat der Mensch meist kaum die Muße, diese zu verarbeiten, ist er doch im Alltag mit dem Überleben beschäftigt. Wir sind aber keine Maschinen oder Roboter, die einfach gefüttert werden mit Wissen und Aufgaben, sondern haben dabei noch mit unseren Gefühlswelten zu tun. Und genau deshalb entstehen viele Mißverständnisse, werden Probleme einfach mal zwischengeparkt ohne Aussicht auf Verarbeitung. Ganz im Gegenteil, sie stauen sich und können dann zum falschen Zeitpunkt sich unkontrolliert Luft machen in Aggressionsausbrüchen. Jedes Gewaltszenario hat eine Ursache nach einer längeren Kette der Verdrängung.

Anstatt wir wirklich trotz aller entwicklungsbedingten Vorteile, die unser Leben angenehmer gestalten sollten, diese umsetzen und es uns gutgehen lassen, dürfen wir von einem viel größeren Leid ausgehen, wie es sich heute auch offenbart. Daher gilt es, zu hinterfragen, alle Aspekte des Zusammenlebens zu betrachten, soziale Ungerechtigkeiten abzubauen, generell weltweite Schieflagen langfristig zu beseitigen. Verlierer gibt es nur, wenn wir sie dulden, um den Gewinnern einen immer größeren Raum zu bieten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Kollaps einer Gesellschaft letztlich vorprogrammiert?

  1. Sovely Matters schreibt:

    Mir bekannte Gedanken und so treffend auf den Punkt gebracht. Super. Vielen Dank.

    Gefällt 1 Person

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