Wohnungsmarkt außer Rand und Band


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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Wenn es dir nicht paßt, dann zieh doch einfach aus. Was den Job anbelangt ohnehin kein Problem darstellen sollte, schließlich pendeln etliche zum Arbeitslatz, sei er noch so weit, Hauptsache Geld verdienen für nimmersatte Vermieter, die auch nur Menschen sind. Tatsächlich? Mit Blick zu steigenden Preisen auf dem Wohnungsmarkt kann davon wohl nicht die Rede sein.

Dann lieber einen Fair-Mieter. Sie haben richtig gelesen, das Wort existiert und bedeutet, was man sofort assoziiert mittels einfacher Englischkenntnisse, obwohl „fair“ längst eingedeutscht ist, es seit 1915 im deutschen Rechtschreibduden steht. Gerechte Mieten, gibt es noch sowas? Nicht München ist die teuerste Stadt hierzulande, sondern inzwischen die Gemeinde Karlsfeld, laut Mietspiegelauswertung. Man könnte in Versuchung geraten, kleinlich die Bedeutung anzuführen, Karlsfeld sei ja keine Stadt. Mumpitz, die Menschen vor Ort sind betroffen, eine Nettokaltmiete von 10,62 Euro pro Quadratmeter sind kein Pappenstil.

Vor einem knappen Jahr machte der „Karneval der Kulturen“ mit erneuten Hausbesetzungen auf Wohungsnot und Hausleerstand in Berlin aufmerksam. Die Politik reagiert viel zu träge, packt das brisante Thema eben nicht mit der gebotenen Eile an, nach wie vor herrscht ein Mangel an Mietwohungen begleitet von enormen Mietpreiserhöhungen, von oftmals mafiösen Gepflogenheiten seitens mancher Vermieter.

Verständlich, wenn wütende Mieter durch Berlin ziehen, mal wieder exemplarisch, daß die Polizei eine wesentlich niedrigere Anzahl von Protesteilnehmern angibt, sie spielt im Sinne der Staatsmacht berechtigte Einwände einfach herunter. Natürlich kann es mit Verdrängung nicht getan sein, die Menschen können schlicht und ergreifend die überzogenen Mieten nicht mehr bezahlen. Das taxiert einen Bundespolitiker wohl kaum, mit einem Gehalt eines Richters lebt es sich vergleichsweise entspannter.

Es mag nett und solidarisch klingen, aber helfen wird es nicht wirklich, wenn Grünen-Chef Robert Habeck notfalls Enteignungen für denkbar hält, Andrea Nahles hat nicht ganz unrecht mit ihrem Argument, daß eine Enteignung Jahre dauere, keine „einzige Wohnung schaffe“. Vermieter setzen Anwaltskanzleien ein, da werden die meisten Mieter eher kapitulieren.

Insofern kann man nur bestätigen, Wohnrecht ist ein Menschenrecht – genau wie aufs Klo gehen. Daß jene Entwicklung kein alleinig deutsches Problem sein kann, zeigen parallel stattfindende Demos in Belgien, den Niederlanden, Kanada und auf Zypern. Faire Mieten sind längst ein globaler Mißstand in einer Welt, in der stets der Profit zählt, wie man unschwer als häßlichste Erscheinung bei Kriegen sieht, in Friedenszeiten wird einfach die Bevölkerung geschröpft.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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