Salvini wirft Flüchtlingen Piraterie vor


Tanker „El Hiblu 1“ hat 108 Menschen aus Seenot gerettet

Genau das wird dem unter türkischer Flagge fahrenden Tanker zum Verhängnis, weil sein Kapitän nämlich nicht Tripolis Aufforderung folgte, sondern nach heftigen Protesten seitens der Flüchtlinge Kurs gen Norden Richtung Malta bzw.Lampedusa nahm.

Italiens Innenminister Matteo Salvini folgt seiner harten Linie, Schiffsflüchtlinge nicht mehr an Land aufzunehmen, Malta fügt sich gleichwohl dem rechtspopulistischen Weg. Das Dilemma betrifft auch die Entscheidung der EU, den Marineeinsatz zur Rettung von Flüchtlingen einzustellen, eine Bankrotterklärung der Menschlichkeit. Das bleibt nicht folgenlos.

Wer Tripolis Folterlager entkommen will, wird einfach kriminalisiert

Salvinis Behauptung, die betroffenen Flüchtlinge an Bord des Tankers El Hiblu 1 seien Piraten, es handle sich um „organisierte Kriminalität“, ist an Bösartigkeit kaum noch zu toppen, zumal Italiens Vize-Premier nur zu genau weiß, daß die Betroffenen in Tripolis Folter, Vergewaltigung und Versklavung erwartet.

Mit dem Erbe der fragwürdigen UN-Resolution 173, die eben jene militärischen Schläge seitens der Nato und ihren Verbündeten nach sich gezogen hatten, verbleibt eine ungewisse Zukunft in Libyen, die Kämpfe der verfeindeten Milizen in Tripolis eskalieren, mittendrin Migranten, die zu Recht für sich in Anspruch nehmen, eben keine Tiere zu sein. Selbst wenn der Vergleich hinkt, Tiere behandelt man gefälligst ebenso nicht derart brutal. An den Zuständen hat sich bisherig nichts geändert, das Leid nimmt seinen Lauf.

Beherzte Aktionen verpuffen angesichts Italiens harscher Haltung

Noch im Januar verdeutlichte Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando, was er von Salvinis Einwanderungspolitik hält, zeigte ihm beherzt die rote Karte. Das nützt nur den betroffenen ins Seenot geratenen Flüchtlingen nicht viel, selbst wenn sie an Bord genommen vorerst gerettet, wie man anhand des jüngsten Beispiels beim Tanker El Hiblu 1 leider feststellen muß, dessen Reise ungewiß, ob weiter gen Norden oder gar anderem Ziel, im tragischsten Fall zurück gen Libyen.

Das Ganze beinhaltet nicht nur seine menschenverachtende Tragik, sondern verdeutlicht gleichzeitig, wie unerschrocken Europa und die Welt dies hinnimmt, ohne wirkliche Lösungen anzubieten im Sinne von konstruktiver Hilfe. Man beugt sich letztlich dem bösartig rassistischen Kurs jener Rechtspopulisten.

„Das Drama aller Zeiten hat eigentlich nur ein einziges Thema gehabt: die Unfähigkeit der Menschen, miteinander zu leben.“ (Gerhard Bronner)

Und Milliarden unserer Spezies versuchen es auch heute noch. Geben wir dieser Unfähigkeit keinen Raum mehr, um das Drama endlich zu Ende zu führen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Eine Antwort zu Salvini wirft Flüchtlingen Piraterie vor

  1. fufu schreibt:

    Keine Frage, Schiffbruechige muessen gerettet werden und ich gehe in diesem Fall nicht davon aus, dass der Kapitaen sich als Schlepper betaetigt hat. Aber warum muss es Italien oder Malta sein ? Naheliegend faende ich in diesem Fall die Tuerkei.

    Liken

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