Eine Kinderseele klagt an


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Wer hat Mama und Papa manipuliert?

Jeder Mensch auf Erden wurde irgendwann geboren, wuchs heran im Bauch seiner Mama, wobei Papas Spermien nicht unbeteiligt waren, auf welche Weise auch immer, denken wir an eine künstliche Befruchtung. Die Schöpfung möchte Leben entstehen lassen, das sich entfalten möge im Kreis seiner Familie, all jenen Menschen begegnen solle und sich austauschen, um entsprechend kosmischer Inspiration Spuren zu hinterlassen, milliardenfach einem Meer von Gefühlen, Gedanken und Ideen folgend.

Aber jetzt sei unser Gehör einer Kinderseele gewidmet, die wiederum anklagt: Wer oder was hat da denn Mama und Papa manipuliert?

Man war das schön und kuschelig, vor allem warm und geborgen, wenn auch manchmal ein wenig zu laut, wenn Mama mal wieder die Mucke auf volle Lautstärke aufdrehte und abrockte. Obwohl mir die gefallen hat, vor allem die Songs von Queen oder den Den Toten Hosen gingen mir gar sehr unter die Haut. Na klar doch, konnte ich nicht wissen, deren Namen, aber im nachhinein von Erzählungen meiner Mama später schon.

Ich möchte Euch jetzt aber nicht mit Musik langweilen, die sowieso Geschmacksache ist. Nee, nee, mir geht es viel mehr um was anderes. Wir Kinder haben auch eine Seele, Augen, die sehen, Ohren, die hören und vor allem Verstand, der begreift, von Intuition ganz zu schweigen. Und was ich da alles in meinen Kinderjahren erleben durfte, wie es Mama und Papa ergangen, dazu reicht die Zeit gar nicht, um es Euch zu erzählen. Dennoch möchte ich manches hier mal loswerden. Hm, wie beginne ich denn mal, ach ja…

Am besten von vorne natürlich. Was haben die beiden sich gefreut, als ich auf die Welt kam, naß, fast blind, aber in angenehm schummrigen Licht, darauf hatten die bestanden, wollten mir keinen grell erleuchteten Kreissaal zumuten. Ein paar Stunden später war ich schon zu hause und hatte dort gleich mein erstes streßiges Erlebnis. Papas Kumpels mußten ja unbedingt anstoßen, konnten sich dabei nicht beherrschen und tranken ein wenig zuviel vom Bier, einer baggerte sogar Mama an, es kam zu einer Rangelei. Und mittendrin ich, der natürlich schrie, konnte ja noch nicht wissen, was da geschah!

Gleich mit ’nem halben Jahr blieb Mama nichts anderes übrig, als mich zu meiner Pflegemutter abzugeben, die zu Beginn noch ganz lieb war, weil Papas Job nicht genug Geld einbrachte, uns ein halbwegs verträgliches Leben zu gönnen als Verkäufer in einem Baumarkt. Und meine Pflegemama hatte auch nur Sorgen und war restlos überfordert mit zwei anderen Pflegekindern und der eigenen Tochter. Davon wollen aber die Lehrer, die Nachbarn und die Politiker im Fernsehen nichts wissen, die tun alle so, als ob wir Familien das schon hinkriegen müßten, irgendwie. Manche sagen dann gern, woanders auf der Welt gibt es dafür Hungersnöte und Blechhütten, uns würde es doch noch gutgehen.

Als ich in den Kindergarten kam, durfte ich bei vielen Ausflügen nicht dabei sein, weil Mama und Papa die hohen Geldsummen nicht bezahlen konnten, dann blieb ich notfalls bei den Nachbarn, die hatten Glück, weil dort deren Oma aushalf. Ich sah mal im Fernsehen, und ich darf viel gucken, weil dann immer die Erwachsenen ihre Ruhe vor uns Kindern haben, ganz komische Bilder von Wasserüberschwemmungen und unserer Bundeskanzlerin, der Angela Merkel, so heißt die, glaub ich, die sogar einen Sandsack getragen hat in einer Menschenkette. Toll, oder? Doch Papa hat dann plötzlich den Fernseher ausgemacht und rumgeschrien, die wisse doch gar nicht, was Arbeit und Unglück bedeute.

Das habe ich nicht vergessen, sein Brüllen. Und konnte tagelang abends nicht einschlafen. Hab mir so meine Gedanken gemacht, weil doch neulich auch ein Arbeitskumpel vom Papa hier war. Die beiden sprachen von den Wahlen, die jetzt bald sein werden. Man könne gar keine Partei wählen, weil die sowieso nur das machen, was sie wollen, aber nicht für die Bürger. Da hab ich mich sogar getraut und gefragt, wen man dann wählen könne. Als die beiden sich halbtot gelacht hatten, meinte Manne, Papas Kumpel, am besten erst gar nicht wählen. Und Papa stimmte zu. Mama, die gerade vorbeilief, meinte nur, dann lieber die kleinen Parteien wählen. Und schon stritten die drei. Da ging ich schnell in mein Kinderzimmer spielen und zwar mit der neuen Brio-Bahn, die ich zum letzten Geburtstag bekommen hatte.

Und jetzt bin sieben Jahre alt, gehe noch in die erste Klasse, aber komme im Spätsommer nach den Ferien in die zweite. Doch Schule macht mir gar keinen Spaß. Weil die Lehrer sind oft zu laut, mit 25 Kindern in der Klasse sind wir viel zu viele und auf dem Schulhof wird viel geschubst und gerangelt. Manche spucken mir ins Gesicht beim Vorbeigehen, einfach so aus Spaß. Ne ne, gefällt mir alles nicht. Im letzten Winter wäre fast ein Junge gestorben, weil drei größere einfach auf ihn eingetreten hatten, und das nur, weil er ihnen nicht sein Handy geben wollte.

Jetzt fragt Ihr Euch, wieso ich behaupte, Mama und Papa würden manipuliert werden. Das Wort hat mir mein Onkel ganz genau erklärt, das bedeutet nämlich nichts anderes, als daß sie etwas machen sollen, was sie eigentlich nicht wollen, aber sich dagegen nicht wehren können, weil sie es auch nicht merken. Und Mama und Papa merken vieles nicht, sind mittendrin in einer „Tretmühle“, wie Onkel Bernd immer sagt, und sollen einfach „funktionieren“. Doch das können die gar nicht bei so viel teuren Sachen, die sie sich nicht leisten können, obwohl beide arbeiten!

So, das soll für heute mal reichen, was ich Euch zu erzählen habe. Wenn mir noch was einfällt, dann melde ich mal wieder, wenn ich darf. Tschüs, Ihr alle da draußen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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