Kindererziehung alles andere als leicht


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Vom Irrglauben schlüssiger Erziehungsmodelle

Alle Eltern können eines bestätigen, wenn sie denn neutral und vorbehaltlos ehrlich mit sich selbst ins Gericht gehen, egal, was sie auch anstellten, während ihre Kinder heranwuchsen, es lief manches oder gar vieles verkehrt. Kommt Ihnen auch bekannt vor? Woran das wohl liegen mag?

Natürlich muß man die sogenannte Kindererziehung als eine der wichtigsten Aufgaben betrachten, die den Menschen beschäftigt, steht doch die Zukunft auf dem Spiel der Heranwachsenden, ob sie zurechtkommen mögen im Leben. Doch müssen wir uns zugleich verabschieden vom Irrglauben schlüssiger Erziehungsmodelle, weil es kein Patentrezept geben kann.

Geben und Nehmen im Einklang mit sich und seiner Familie

Das allerwichtigste Merkmal jeder Erziehung versuchte mal der deutsch-österreichische Erziehungswissenschaftler Wolfgang Brezinka zu formulieren, und zwar in seinem Werk „Metatheorie der Erziehung: Eine Einführung in die Grundlagen der Erziehungswissenschaft“:

„Unter Erziehung werden Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll beurteilten Bestandteile zu erhalten oder die Entstehung von Dispositionen, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten.“

Um es auf den Punkt zu bringen: Betrachte den heranwachsenden Menschen, wie er ist und verhindere gewisse Einflüsse von außen, die ihm schaden könnten. Leichter formuliert, als in die Praxis umzusetzen. Es reicht eben nicht aus, solch theoretische Vorhaben zu äußern, in weitreichenden Seminaren sich pädagogische Fähigkeiten anzueignen, was ohnehin dem Großteil der Eltern versagt bleibt, sondern eine harmonische Erziehung kann nur dann fruchten, sie denn diesem Anspruch halbwegs gerecht wird, wenn die äußeren Umstände stimmig sind.

Familien mit großen finanziellen Sorgen haben es vielfach schwerer als abgesicherte, was nicht automatisch ein Garant für ein gutes zwischenmenschliches Miteinander bedeuten mag. Doch ein Kreislauf der Not, der Jobsuche, einer Dauerarbeitslosigkeit, der Verarmung führt eben zu weniger Zeit, Muße und auch Freude im Alltagsgeschehen, hinzu kommt die zunehmende gesellschaftliche Isolierung zusammen mit entsprechend desolat beengten Wohnverhältnissen.

Wer also ein ideales Erziehungsklima fordert, sollte stets die gegebenen Umstände genauer hinterfragen und mit einbeziehen, wobei es durchaus etliche Familien gibt, wo im gegenteiligen Fall die Heranwachsenden zu wenig Beachtung erhalten, weil die gutbetuchten Eltern gänzlich durch die Jobs zu intensiv eingespannt sind. Befindet sich unsere Gesellschaft längst auf einem Weg, im Diskurs zwischen Pisa, Konsum und Kinderrechten?

Supernanny entdeckt Beziehung und erntet Gespött

Menschen, die sich mal im Privatfernsehen verirrten, um beim Sender RTL die „Super Nanny“ erstmalig vor knapp fünfzehn Jahren zu sehen, erinnern sich vielleicht noch an Katharina Saalfeld, die prompt ziemlich zu Recht den „Preis der beleidigten Zuschauer“ erhielt, weil in den Sendungen die Würde der Kinder verletzt und diese vorgeführt wurden, was im übrigen ganz zum Stil des Senders paßt, denken wir an Big Brother, Dschungelcamp und DSDS.

Eine spätere Einsicht ihrerseits veranlaßte sie, dem Sender den Rücken zu kehren. Aber wer einmal im Fokus der Kritik, der hat es nicht ganz so einfach, wie man anhand der Reaktion zu ihrem im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienenem Buch „Du bist ok, so wie du bist“ beobachten kann. Die Reaktion der Kritiker folgte, sie erntete Gespött und die deutliche Ansage, daß Kinder eine starke Hand bräuchten, was immer man darunter auch verstehen mag.

Wer eine stabile Beziehung zwischen Eltern und ihren Sprößlingen wie Frau Saalfeld fordert, sollte mal einen Blick in die realen Chancen da draußen in der Gesellschaft werfen, weil das eine mit dem anderen zusammenhängt. Wir können nicht so tun, als ob eine heile Welt existiere, obwohl eine deutlich sichtbare Gewaltzunahme vorherrscht, die Menschen zwischenmenschlich untereinander verrohen, um gleichzeitig einem Ideal nachzueifern, welches sich nicht umsetzen läßt.

Andererseits muß man ihr zugute halten, daß sie von dem Image einer Supernanny wegkommen möchte, sie zurückfindet auf gezielte Fragestellungen der Erziehung, Kinder nicht einfach ein lästiges Problem darstellen, sondern vielmehr uns allen mehr abfordern, wollen wir sie nicht allein lassen.

Schon Johann Wolfgang von Goethe bemerkte nicht zufällig: „Man könnt‘ erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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