Jugend: Denn sie wissen nicht, was sie tun?


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Rebellion vs. angepaßter Demut

Wer einen Blick auf Jugendliche wirft, sie beobachtet, sieht genau das, was sie stets schon immer ausmachte, den grenzenlosen, unbeugsamen Willen, alles besser zu machen, was die Alten versäumten. Das unterscheidet Jugendliche von heute keineswegs zu sämtlichen Vorgängergenerationen.

Obwohl der im Jahre 1955 erschienene US-amerikanischen Kultfilm „Rebel Without a Cause“, viel eher bekannt unter dem Titel „…denn sie wissen nicht, was sie tun“, in dem James Dean den rebellischen Jugendlichen verkörperte, der die vorgelebten gesellschaftlichen Normen der Eltern heftig anging, durchaus als Inbegriff und filmisch gelungenes Beispiel einer aufmüpfigen Jugend gelten mag, darf man das Fragezeichen imaginär im Raume stehend setzen.

Einerseits wissen sie es ganz genau, was sie tun, stellen zu Recht alles in Frage, andererseits schwingt da noch mächtig die hormongesteuerte, neue Erfahrung im sexuellen Umgang miteinander, was eben in Einklang zu bringen versucht wird. Hat es Jugend heute leichter oder schwerer als gestern?

Was braucht, will und kann Jugend eigentlich?

Das Zeitfenster der Jugend spielt sich in genau vier Jahren ab. Mit dem 14. Geburtstag beginnt sie und endet mit der deutschen Volljährigkeit zum 18. Geburtstag, auch wenn etliche bei 12-Jährigen schon von Jugendlichen sprechen, zumal ältere Generationen unschwer den Unterschied, besonders bei Mädchen, zwischen 12 und 14 Jahren ausmachen können, die äußerlich erscheinende „Reife“ offenbart ein ziemlich trügerisches Bild, wer nicht die klaren Entwicklungsunterschiede kennt.

Jede Jugend braucht und lebt von ihren Vorbildern oder Idolen. Das muß nicht automatisch der Popstar, eine Band sein, sondern spielt sich meist sehr differenziert ab, wobei noch zwischen dem, was Jugend nach außen vertritt und dem, was sie lieber für sich behält, unterschieden werden sollte. Innerhalb von Gruppen, das Gruppenzugehörigkeitsgefühl mag eine wichtige, zentrale Rolle spielen, um eben nicht als Außenseiter geltend es viel schwerer zu haben, gibt man sich halt angepaßt, ganz im homogenen Sinne des Friedens willen. Allerdings verbirgt sich genau an diesem Punkt eine Gratwanderung, die genügend Zündstoff liefert, wenn Gruppenverhalten und eigene Ziele nicht mehr im Einklang stehen. Jugendliche beginnen exakt das zu suchen, entsprechend dann auch zu wollen, was ihnen weiterhilft bei ihrer Entwicklung.

Zielorientiert wird dieser Weg weiterverfolgt, wenn keine andere Ablenkung dies zunichte macht, sei es durch „falsche Freunde“ oder das Ausprobieren neuer, eher kontraproduktive Kreise, denken wir an Drogenkonsum, Anschluß zur rechtsradikalen Szene, bis hin zur Beschaffungskriminalität, die ebenso unter Jugendlichen vorherrscht. Aber Jugend kann eigentlich alles, weil die Aufgabe des Menschen darin besteht, in erster Linie sich selbst zu finden, seine Stärken und Schwächen, seine Begabungen und Grenzen.

Spiegel der Gesellschaft – eindeutiges Indiz des Ist-Zustandes

Wer es schon nicht vermag, die Zeichen der Zeit zu deuten, welche sich klar ersichtlich offenbaren, in den Straßen, der Infrastruktur, im alltäglichen Austausch untereinander, in den Bildungsstätten, in den Familien selbst, immer dort, wo Menschen sich zusammenfinden, aber auch im Zerfall der Häuser, der Arbeitswelt, vor allem einer kaltschnäuzigeren Politik und deren Folgen, der gesetzlich legitimierten Staatsgewalt, dem weltweiten Ausbeutungsprozedere, der kann und wird, wenn er denn will, spätestens bei der Jugend beobachten, was dabei abgeht.

Sie war schon immer ein Spiegel der Gesellschaft selbst, ein eindeutiges Indiz des Ist-Zustandes. Woran sollte sie sich denn auch orientieren, wenn nicht an dem, was ihr gegeben, was wir ihnen überlassen an Möglichkeiten? Und hier schaut es nach wie vor düster aus! Es beginnt schon in der emotionalen Verwahrlosung während der frühesten Kindheit, denken wir an die Babykrippen und Kindergärten, damit Eltern in wirtschaftliche Abhängigkeit geraten, ihren kargen Lohn zum Überleben verdienen müssen.

So wächst der Mensch heran, lieblos aufgehoben, um später in einem völlig desolaten Schulsystem orientierungslos sich finden zu müssen, weil Faktor Zeit anmahnend ständig sämtliche Neigungen und Begabungen unterdrückt, Hauptsache man funktioniert nach genormten, systemrelevanten Gesetzmäßigkeiten, in denen kein Raum vorhanden für Kreativität, Muße, Harmonie und Menschlichkeit. Alles ordnet sich dem Diktat einer selbstgefälligen Wirtschaftsvorgabe unter. Genau das bremst auch die heutige Jugend aus, sind exakt die Hürden, denen sämtliche Generationen zuvor ebenso gegenüberstanden.

Düstere Prognosen und Chancenungleichheit

Was winkt bzw. erwartet die jungen Menschen? Wer noch keine Ausbildung oder Studienplatz hat, der blickt auf eine anhaltende Jugendarbeitslosigkeit. Denn nicht jeder schafft den Sprung ins Gymnasium, ganz abgesehen davon, daß die Talentförderung oftmals vom Geldbeutel der Eltern abhängig ist bzw. sogar den Seilschaften in ländlichen Gegenden hierzulande, welches Kind ins „Gymi“ kommt oder nicht auf Empfehlung mancher Lehrer, die auch privat mit einigen Eltern kungeln, somit eine neutrale Haltung eben nicht gegeben Anwendung findet.

Ein ganz anderer Aspekt sei hier noch erwähnt: unsere älter werdende Gesellschaft und der sinkende Kindernachwuchs. Dazwischen eine Jugend, die sich oftmals alleingelassen empfinden wird, ganz besonders durch die Verlockungen der Konsumwelt, dem Mediengeschacher einer nimmersatten Werbeindustrie, die alle nur eines im Sinn, abzocken um jeden Preis.

Ziemlich zutreffend bemerkte George Bernhard Shaw mal:
„Warum bekommt der Mensch die Jugend in einem Alter, in dem er nichts davon hat?“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Jugend: Denn sie wissen nicht, was sie tun?

  1. balkansurfer schreibt:

    Die Smartphone, facebook, twitter Jugend wird mit System verblödet, wenn man sieht das das Justiz und Aussenministerium, schon Spionage facebook, twitter Murks von Website Optimieren aufschwatzen liess, an diese Betrugs US Consults auch noch Milliarden bezahlt. Das Bildungs, Agar, Renten und Gesundheits System ist mehr wie krank, wo Nachbar Länder es viel besser machen.

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