Flashmobs – friedliche Protestform im Reigen starrer Machtverhältnisse


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Moderates Mittel menschlicher Artikulation

Weltweiter Widerstand wächst zunehmend, wer denn erkennen mag, was die Betroffenen bewegt. Dazwischen eine willfährige Politik, die nach den Vorgaben konzernlobbyistischer Wirtschhaftseliten nahezu marionettenhaft reibungslos funktionierend Entscheidungen trifft, die besonders jene Menschen in die Schranken weist, die ohnehin einem täglichen Überlebenskampf ausgesetzt.

Je nach Regierungsform sowie Zustand eines eng verflochtenen Korruptionsmachtgefüges haben die Menschen still zu halten. Flashmobs versuchen mittels dieser friedlichen Protestform im Reigen starrer Machtverhältnisse ihre Leidensgenossen wachzurütteln, setzen jenes moderate Mittel der Artikulation ein, um bei ihnen Denkanstöße zu vermitteln, eventuell das eigene Dasein zu hinterfragen.

Kein tobender Mob – Gruppendynamik erreicht das Publikum

Die Idee des sogenannten Flashmobs, einer kurz oder scheinbar spontan auftretenden Menschenmenge, (flash im Englischen für Blitz und mob für Pöbel) gab es vorher bereits im Zuge der 1968er-Bewegung bei den sogenannten Die-ins, das sich Fallenlassen als symbolische Protestform gegen die Neutronenbombe aufgrund nuklearer Gefahren, Petra Kelly solche spezielle Flashmobs zu Beginn der 1980er Jahre gern mit organisierte.

Erste zaghafte Versuche einer flashmobartigen Darbietung unternahm der niederländische Pantomime und Schauspieler Will Spoor, der zuvor das Pantomime-Theater „Theater Mime Will Track“ gegründet hatte, in den frühen 1990er Jahren mit seinem Projekt „Zebra Fußgängertheater“. Die Öffentlichkeit wurde spontan einer Darbietung ausgesetzt.

Nachdem der Chefredakteur des Harpers Magazines, Bill Wasik, am 17. Juni 2003 den ersten organisierten Flashmob ins Leben gerufen hatte, galt er als Urheber dieser Protestform.   Ungefähr 130 Menschen versammelten sich in Manhattans Kaufhaus Macys um einen teuren Teppich und erklärten kurzerhand ihn als „Liebesteppich“, sie würden generell Entscheidungen nur gemeinsam treffen, inzwischen 200 Personen zusammenkamen, die dann allesamt in der Lobby des Hyatt-Hotels exakt 15 Sekunden applaudierten, anschließend in eine Schuh-Boutique als „Touristen“ sich bezeichnend strömten, schließlich der Flashmop sein Ende fand.

Einfach nur ziviler Ungehorsam?

Alles erhält irgendwann mal eine sich ausbreitend differenzierende Verselbständigung, weil mit jeder Entwicklung, die Mensch durchlebt, sein Innerstes nach außen gestülpt wird in der Erkenntnis dessen, was da geschehen mag bzw. Flashmobs nachhaltig beim passiven Publikum auslösen. Mit dieser neuartigen Gruppendynamik das erstaunte Publikum erreicht wird, weil eben kein tobender Mob auf diese Weise Nähe schafft, anstatt Distanz, somit ein Gefühl der Solidarität hervorruft.

Oder aber sind sie einfach nur ziviler Ungehorsam? Ob nun mittels Musik sich ein Flashmob plötzlich bildet, wie der Bohemian Rhapsody Flashmob, oder aber Lachen, was hier in der Berliner U-Bahn verbindet?

Aus anfangs Aufmerksamkeit erhaschender Idee, die Menschen in ihren bestehenden Alltag ein wenig wachzurütteln, daß da noch Mißstände, aber auch Harmonie herrschen mögen, je nachdem, was wir uns vom Leben vorstellen, lediglich nur umgesetzt werden sollte, riefen Flashmobs zu Beginn in den ersten Wellen einen Ideenwettbewerb hervor, der ganz nett anzuschauen sein mochte.

Inzwischen muß man feststellen, daß sie zwar kaum mehr stattfinden, allerdings angesichts einer weiterhin zunehmenden sozialen Schieflage Menschen durchaus effektive Flashmobideen ersinnen können, die sicherlich beherzte und daher engagierte Teilnehmer finden, wie jüngst im Februar in Barsinghausen zum „Protest gegen Gewalt an Frauen“.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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