Terroranschlag auf Merkels Hubschrauber


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Vom Jäger zum Gejagten

Morgens auf die Lauer legen, welch beglückendes Erlebnis für die Freunde der Jagd, um Tiere einfach zu erschießen, die ahnungslos als freßgierige Frühaufsteher doch auf Lichtungen sich aufhalten, um das zarte Grün sich zu genehmigen. Welch tolle Gelegenheit in solchen Momenten abzudrücken.

Der Knall schallte unüberhörbar durch den morgendlichen Nebel, der sich aufgrund erster Sonnenstrahlen aufzulösen begann. Doch halt, wo befand sich das Reh, welches noch so unerschrocken im Zentrum der jägerischen Begierde stand? Es ward entschwunden. Stattdessen urplötzlich wie aus dem Nichts ein überlautes Geräusch den Jäger nahezu vom Hochstand fallen ließ, er zugleich bemerkte, daß da ein Hubschrauber sich um die eigene Achse drehte und hart zwischen nicht ausweichenden Fichten gen Boden schrappte.

Nein, das konnte niemals das Ziel einer punktgenauen Landung sein. ‚Was war bloß geschehen?‘, dachte der verstörte Jäger. Vergegenwärtigen wir uns die Situation, als dieser noch voller Euphorie das Reh im Fernrohr sah. Dadurch abgelenkt und weil des Nebels Schwaden auch den Lärm der Rotoren des heranfliegenden Hubschraubers einfach dämpfte, er hoch konzentriert den Finger am Abzug hatte, bestand nicht das geringste Interesse, genauer hinzuhören.

Jedoch einer Zielungenauigkeit war es schließlich zu verdanken, daß die Kugel weit daneben flog und eine Stahlplatte traf, die achtlos irgendwelche Umweltsünder auf der Wiese hatten liegen lassen, allerdings auf einem Buchenholzscheit sie lag, welches ausgerechnet einen jähen Winkel gen Himmel zuließ. In hoher Geschwindigkeit traf das Projektil just den Heckrotor. Der Pilot konnte nicht mehr rechtzeitig sofort in die „IDLE“ (Leerlauf) Drehzahl zurückfahren und die Autorotation nutzen – zu spät, er stürzte einfach ab.

Wie der Zufall wollte, saß keine geringere als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Helikopter, was anschließend dem Jäger sofort zum Verhängnis wurde. Mit Müh und Not verließ der Jäger seinen Hochsitz, irgendwie saß der Schock so tief, daß er nur noch zeitlupenmäßig sich zu bewegen vermochte, duckte sich instinktiv und verschwand im nahen Unterholz. Kaum geschehen, tauchten auch schon mehrere Militärfahrzeuge auf, glich der Platz einer lichtdurchfluteten Sportarena. Aufgeregtes Geschrei durchdrang die Szenerie.

Nun war der Jäger selbst der Gejagte, wie ihm unschwer bewußt wurde, er sich zugleich fragte, wieso ein dermaßen militärisches Aufgebot so schnell zur Stelle war. Ein Blick auf sein iPhone mit Zugang zum Internet verriet ihm den Grund. Ein vorwitziges Medium, kein geringeres als das bekannte mit den vier Großbuchstaben, betitetelte bereits per Hauptschlagzeile: „Terroranschlag auf Merkels Hubschrauber“.

Schweißgebadet wachte Hubert auf, wußte im selben Moment, daß alles nur ein böser Albtraum gewesen war, er sich dennoch erinnerte. Am Abend zuvor hatte er einen Artikel über den folgenschweren Querschläger eines Jagdkollegen in einer Regionalzeitung gelesen. Wie dreist doch das Hirn solch Meldungen verarbeitet, er sich dachte und begab sich wankend ins Bad.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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