Stierkampf: Wenn aus Tradition blutiger ernst wird


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Gegner nicht nur beim Tierschutz vertreten

Da steht er nun, der Matador, siegessicher, wissend, daß die Spitzen der massigen Stierhörner abgeschliffen, das Volk tobt, weil die ersten Todesstöße erfolgten, bis Helfer am Ende dem blutenden Tier den Garaus machen. Nach der Faena hat das Abschlachten, das qualvolle Leiden des Kampfstieres endlich zu dessen befreiten Tod geführt.

Wenn aus Tradition blutiger ernst wird, dann finden vor allem in Spanien etwa 2.000 Stierkämpfe statt, wobei zugleich die Frage aufkommt, was denn die Menschen dazu bewegt, ein solch brutales Schauspiel sich anzuschauen. Darin obendrein eine Kunstform zu interpretieren, vermag sich auch nur Mensch auszudenken, der sich mal wieder über alle Lebewesen erhebt.

Ein ungleicher Kampf verdeutlicht die simple Absicht

Die da lautet, den Stier vor den Augen aller Zuschauer zu töten. Dabei hat dieser keinerlei Chance, bedenken wir, daß neben dem Matador noch die Picadores, zwei Lanzenreiter mit in der Arena sich befinden, die dem Tier mit ihren Lanzen dessen Nackenbereich verwunden. Stellen Sie sich dies mal für einen Moment selbst vor, kein Wunder, daß angesichts der Schmerzen der Kopf sich automatisch nach vorne neigt.

So auch beim Stier, die bewußt gewollte Körperhaltung dient dem grausamen Schauspiel, später gleichwohl, den Todesstoß zu versetzen. Wenn dann beim zweiten Teil des Stierkampfes die Banderilleros auftreten, um ihre mit bunten Bändern bestückten Spieße in den Rücken des immer wilder werdenden Tieres zu rammen, erreicht die schreckliche Show einen ihrer Höhepunkte vor dem letzten Teil.

Zugleich dürfen diese „feigen“ Banderilleros sich hinter einer extra bereitgestellten hölzernen Barriere schützen, während das hilflose Tier dem Spott der Zuschauer und weiteren verletzenden Stichen ausgesetzt leidet. Das Ganze wird beim Faena noch mit dem Tanz des Paso Dobles abgerundet sowie ganz gewissen Bewegungsabläufen und „Figuren“, die dem Kampf die Note einer Kunstrichtung verpassen.

Abschaffung dieser Stierkämpfe und erneut Schwerverletzte

Es waren die Kanarischen Inseln, die als erstes innerhalb Spaniens den Stierkampf verboten, seit 30. April 1991 regelt dies das entsprechend verabschiedete Tierschutzgesetz. Nach einer jahrelangen Bemühung schloß sich ebenso Katalonien an, ab 01. Januar 2012 greift das Verbot. Nach neuem Balearen-Gesetz dürfen Stiere auf Mallorca nicht mehr getötet werden. Das spanische Fernsehen überträgt nach zwischenzeitlichen Bedenken längst wieder Stierkämpfe.

Das letzte Mal vor 40 Jahren mußte in der spanischen Stierkampf-Hochburg, in der Arena von Madrid, ein Stierkampf abgebrochen werden, so wie vor fünf Jahren, weil alle Matadore aufgespießt wurden. Das Mitleid von Tierschützern dürfte sich hierbei in Grenzen gehalten haben, bedenken wir, welchem Leid die sogenannten Kampfstiere alljährlich ausgesetzt werden, nur damit Mensch seinen Spaßfaktor ausleben darf.

Dieses spanische Sprichwort sollte man schon neu überdenken, weil es nur zu deutlich aufzeigt, diese Tiere eben nicht verstanden zu haben:

„Um Stierkämpfer zu werden, muß man erst lernen, Stier zu sein.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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2 Antworten zu Stierkampf: Wenn aus Tradition blutiger ernst wird

  1. Andreas Habicht schreibt:

    Eine Tradition, mit der ich mich auch nach mehr als 11 Jahren, in denen ich nun in Spanien lebe, nicht anfreunden kann… Man sollte vielleicht dem Artikel noch ergänzen, dass unsere drei Besorgnis erregenden spanischen Parteien (allen voran die faschistische „VOX“, aber auch „Populares“ und „Ciudadanos“) in Andalusien dieses widerliche Spektakel im „37 Punkteplan“ zur Unterstützung der Regierung als „Traditionspflege“ verankert haben. Die „VOX“ legte darauf grossen Wert, damit ihre Abgeordneten für den Regierungspräsidenten Andalusiens stimmten. Die „Ciudadanos“ reden sich damit heraus, dass der „37 Punkteplan“ nur zwischen „VOX“ und „Populares“ geschlossen wurde. Aber wir sollten und dürfen auch nicht vergessen, dass diese Partei zusammen mit den „Populares“ eine Koalitionsregierung bildet- aus diesem Grunde muss sie sich eben auch eine (zumindest geistige) Nähe zu den anderen beiden Rechten vorwerfen lassen.

    Gefällt 1 Person

    • hraban57 schreibt:

      Vielen Dank für den informativ ergänzenden Kommentar zum Thema. Er bestätigt das menschenverachtende Gedankengut jener rechtsradikalen Parteien und deren Sympathiesanten.

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