Schützenvereine im Visier der Kritik


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Traditionelles Schießen und Saufgelage in Bierzeltstimmung

Besonders in kleinen Gemeinden und Dörfern bieten neben sämtlichen anderen Heckenfesten und Anläßen wie Kirmes bishin zum Karneval die inzwischen traditionellen Schützenfeste das wohl einzige kulturelle Ereignis in dem ansonsten brachliegenden Alltag.

Daß außer überlauter Musik und Saufgelage in Bierzeltstimmung noch die Paraden der Schützen mit entsprechender Marschmusik in den rausgeputzten, meist mit sommergrünen Ästen, den Schützenfahnen- und Flaggen umrahmt von vielen Dorfbewohnern applaudierend begleitet werden, vermag den Feierlichkeiten noch einen Rest von Tradition vermitteln, welches auch seinen wichtigsten Höhepunkt erlangt mit der Ermittlung des Schützenkönigs beim Königsschießen. Dennoch eilen dem bürgerlich-biederen Ruf der Schützenvereine die dramatischen Fehltritte durch Amokläufer oder Verzweiflungstätern voraus, die selbst Zugang zu den ansonsten registriert und unter Verschluß gehaltenen Waffen erlangen konnten.

Bürgerwehr und Schützenbruderschaft – Selbstverteidigung und Kriegsgetümmel

Die Menschen schützten sich im Mittelalter vor herumziehenden Plünderbanden, in dem sie bürgerwehrähnliche Vereine gründeten. König Heinrich I. verstand es mit seinem im Jahr 924 erlassenem „Gesetz zur Wehrerfassung der Städte“, jene Bürgerwehren offiziell als Teil der Stadtverteidigung zu integrieren. Verständlicherweise mußten dabei auch während der zu haltenden Übungen geeignete Schützen gefunden und gemustert werden.

Übrigens leitete sich das Wort „Schütze“ zunächst von „Schutz“ ab, das „Schießen“ erhielt erst mit zunehmender Gefahr für Leib und Leben seine Bedeutung. Feierlich begleiteten die Obrigkeiten der Städte und Gemeinden mit den Bürgern das Treiben und Suchen der besten Schützen durch Umzüge, aber auch gegenseitige Einladungen befreundeter Gemeinden festigten diese Tradition.

Was im Mittelalter mit den Schützenfesten zu Beginn beim Verteidigungsfall begann, im Kriegsgetümmel an Bedeutung erst recht gewann, entwickelte sich schließlich zu den ersten Schützenvereinen, die in der Zeit der napoleonischen Kriege ganz besonders eine Opposition mit nationaldemokratischen Charakter einzelnen Fürstentümern gegenüber bildeten. Was zunächst dem Hurra-Patriotismus im Kriegsgetümmel den Schützenvereinen selbst zugute kam, ihre Existenz somit unterstrich, wurde nach dem Ersten Weltkrieg durch harsch agierende Wehrverbände abgelöst, wobei sie sich auch mit dem NS-Regime arrangierten, paßte dessen Gesinnung doch nahtlos zur eigenen nationalen Einstellung.

Übrig bleibt das Spiel mit den Seilschaften und eine Kultur des Saufens

Ein jeder weiß sofort, was es mit dem Wort Vereinsmeierei auf sich hat. Das gilt natürlich erst recht für die eingefleischte Tradition der nahezu 15.000 Schützenvereine in unserem Land. Klar doch steht schon während des Königsschießens der neue Schützenkönig längst fest, zumindest in den größeren Schützenvereinen wissen dessen Namen die wichtigsten Amtsträger.

Ein unbedarfter Schütze könnte ansonsten in erhebliche Probleme geraten, weil mit dem Schützenfest verbundene finanzielle Verpflichtungen sind keineswegs billig. All jene, die solchen Schützenfesten- und vereinen fernbleiben, haben es vielfach schwerer in den Gemeinden, werden dabei auch entsprechende Bande und Seilschaften geknüpft, eine Hand wäscht schließlich die andere, und beim gemeinsamen Saufen läßt es sich viel leichter kumpelhaft näherkommen, willkommener Anlaß zu Schlägereien am Rande inbegriffen.

Schützenvereine auch Garant für weniger Waffen?

Schnell wird der Ruf laut, wenn mal wieder ein Amokschütze, ein Familienvater oder sonst wer bewaffnet um sich schießt, Menschen sterben und verletzt werden, Waffengesetze zu verschärfen. Schützenvereine geraten in die Kritik. Doch was wäre denn eigentlich, wenn morgen sie verboten? Der ohnehin schon nicht zu kontrollierende illegale Waffenhandel hätte einen Zulauf ungeahnten Ausmaßes. Schützenvereine daher viel eher ein Garant für weniger Waffen, da offiziell registriert, unter Verschluß gehalten, gesetzlich geregelt und abgesegnet?

Die Thematik einer waffenfreien Welt kann umfangreicher sich kaum gestalten, da in diesem Kontext die gänzliche Seele, das Sein des Menschen einfließen muß, nach wie vor der Gedanke des Habitus an erster Stelle steht, kein vollzogener Bewußtseinswandel festzustellen ist, viel eher sich gegenseitig belauert wird, falsche Verteilung, Überreichtum und Armut hervorbringt.

Einzig und allein die Tradition setzt sich alljährlich fort, üben und beweisen sich auf Schießständen, feiern sie halt ihre Schützenfeste, erfreuen sich des Anlaßes, gewisse Geschäfte leben ebenso davon, während gleichzeitig die in der Nähe lebenden Betroffenen dem Lärm ausgesetzt, Haustiere hierbei mitzuleiden haben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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3 Antworten zu Schützenvereine im Visier der Kritik

  1. matthias schreibt:

    „Die Menschen schützten sich im Mittelalter vor herumziehenden Plünderbanden…“ Heutzutage ziehen die nicht mehr herum, sondern nennen sich „Ämter“, POLIZEI, „…gericht“ etc. Und haben diese Plünderei quasi legalisiert. Aber: unter Täuschung (im Rechtsverkehr) und Irreführung und eben nicht unter Offenbarung aller Tatsachen abgeschlossene Rechtsgeschäfte sind null und nichtig. Klar stören da die Waffen, wenn das irgendwann einmal auch der letzte in Hintertupfingen begriffen hat…

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  2. wolfgang fubel schreibt:

    Die Schützenvereine waren schon immer ein Dorn im Auge derer, die ein schlechtes Gewissen
    der Bevölkerung gegenüber haben müßten, ob ihrer volksfeindlichen Entscheidungen und Demokratie schädlichen Maßnamen. Da ist bei denen die Sorge groß, dass zu viele Waffen im Volk sind, die sich irgendwann mal gegen sie richten könnten. Eine durchaus berechtigte Angst. Da zieht man alle Register der Argumentation, um das zu verhindern!

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  3. balkansurfer schreibt:

    ist ja wohl weit übertrieben der Artikel, Vereine der Gemeinden sind heute der Hort des normalen Lebens, machen durch Aktion Tage, auch die Wälder, Fischteiche usw.. sauber. Mit herumballern hat das wenig zutun, sondern mit gesundem Gemeinwohl

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