Nur der Hut fehlt


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Gern hätte ich sie mit Hut gesehen, einem mit breiter Krempe,
Katzenaugen spiegelten sich in der frisch gemolkenen Milch,
Gänse warnten vor jedem Wetterwechsel, vor jedem Fremden,
immer roch es nach verdampften Regen in der Sommerwärme,
selbst wenn der Schnee sich bis zum Küchenfenster türmte,
oft zerbrach das Sehende, wenn sie sprach, wenn sie sang,
nicht daß ihre Stimme sich fürchterlich anhörte, nein, nein,
das Bild verlor seine Einmaligkeit, wurde Fetzen, kein Gemälde.

Vogelzwitschern, Hundegebell, lautes Muhen, schnattern,
intensivierten das Geschehen, vergessen der fehlende Hut,
sie ging so majestätisch, am liebsten sah ich sie seitlich von oben,
der Kirschbaum bot genügend Schutz mit seinen vielen Blättern,
ich verbot mir, mich an ihrem hellen Glöckchenlachen zu stören,
wir hatten nie eine kleine Chance, uns persönlich zu begegnen.

Ich springe in keine Pfützen, um Schlammwolken zu versprühen,
die Farbe des Hutes mit breiter Krempe hätte sie aussuchen dürfen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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