Bedrohte Tierarten im Konflikt: Wie Mensch die Jagd rechtfertigt


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Haiattacken und Elefant-Trophäe im Widerspruch

Eine enorme Artenvielfalt präsentiert sich auf Erden, von den Pflanzen bis hin zu den Tieren, aber der Mensch meint, er müsse sich vollumfänglich rücksichtslos behaupten, stellt sich an die Spitze sämtlicher Wesen, um über deren Verbleib zu richten. Bedrohte Tierarten stehen ständig im Konflikt, dabei stellt sich die Frage, wie Mensch die Jagd rechtfertigt.

Alles längst nicht mehr dem täglichen Fleischverzehr dient, zumal Homo sapiens angesichts der Massennutztierhaltung ein stetig wachsend hohes Ausmaß mit seiner übereifrigen Ernährungsweise für notwendig hält. Nein, da spielt das jagdgeile Ego eine entscheidende Rolle. Auch zögert er nicht lang, Haiattacken als Kriegserklärung gegen die eigene Spezies zu werten.

Der Minderwertigkeitskomplex des Kleinen Mannes

Sich hervortun, weil man ansonsten kläglich versagen würde im gegenseitigen Kräftemessen. Eine Eigenschaft, die ganz besonders Männern nachgesagt wird, die als der vermeintlich Stärkere sich beweisen müssen. Dies geschieht über alle möglichen Spielarten, von der Umwerbung weiblicher Gespielinnen, dem PS-starken Auto bis hin in Wettkämpfen aller Art. Allein schon die Bezeichnung Jagdsport zeigt nur zu deutlich, welche Verachtung dem Leben gegenüber dabei vorherrscht.

Wie kann man allen Ernstes es als sportlich empfinden, ein Tier hetzend zu jagen, bis es schließlich einfach erschossen wird? Verwundert mag man sich auch die Augen reiben, worin dabei der Unterschied liegt, ob wir beim Jagen uns ein wenig zurückhalten sollen, wie die Hubertuslegende erzählt, dabei der christliche Jäger in waidmännischer Losung wenigstens „den Schöpfer im Geschöpfe ehrt“?

Den Vogel schoß aber kein geringerer ab, – um diese vom Jagdinstinkt geleitete Redewendung zu betonen -, als ein hoher Beamter im thüringischen Umweltministerium, der neben einem toten Elephanten posierte. Kommt da der Minderwertigkeitskomplex des Kleinen Mannes gänzlich zum Vorschein? Ausgerechnet von jemand, dessen Aufgabe darin besteht, den Artenschutz zu bewahren? Was für ein Widerspruch in sich, obwohl laut „Thüringer Allgemeine“ das Ministerium sich keineswegs daran stört, welchem Freizeitvergnügen sein Mitarbeiter nachgeht. Genau, wir befinden uns doch in einem freiheitlichen Rechtsstaat, oder? Schon mal was von Vorbildfunktion gehört? Wahrscheinlich denken solche Wesen nicht so weit, sondern stellen einerseits Wilderern behördlich nach, während im Urlaub man sich vor Freunden brüstet, die heile Welt des Artenschutzabkommens somit mit Füßen getreten wird.

Hai-Alarm vor Australiens Küsten

Keimt da etwa Steven Spielbergs Tierhorror-Genre erneut auf? Wir erinnern uns noch an „Jaws“, wie er im Original heißt, den Film-Tierhorrer-Klassiker „Der weiße Hai“, der immerhin nahezu eine halbe Milliarde Dollar einspielte. Was hat dieser völlig überzogene Film noch jahrelang an Hai-Panik-Hysterie ausgelöst, obwohl nachgewiesenermaßen jährlich durchschnittlich zehn Menschen weltweit an einer Haiattacke zu Tode kommen.

Der umgekehrte Fall zeigt die eigentliche Dramatik: Bis zu 120 Millionen Haie werden jährlich vom Menschen gejagt und getötet, meist zum Verzehr, aber wohl auch aus reiner Jagdfreude. Inwieweit der unbedachte Bürger vorschnell einmal verabschiedete Gesetze des Abschußverbots wieder nonchalant aufhob, zeigte sich in Westaustralien. Dort kamen zwei Surfer in kurzen Abständen durch Haiattacken zu Tode, Grund genug für die Behörden, die Rechtslage neu zu bestimmen.

Man fragt sich völlig zu Recht, ob eine derartige Abschußgenehmigung zum Erfolg führen wird. Es ist in Wirklichkeit des Menschen sportlicher Zeitvertreib, der auf diese Weise hochgehalten werden soll, wohl wissend, daß es keine Garantie gibt an Küsten, wo Haie nun mal sich tummeln. Einige wenige erschossene Haie halten diese alte Meerespezies keineswegs davon ab, Surfer anzugreifen, wann immer sie sich gestört fühlen. Andererseits sehr erstaunlich, wieso diese Sportler sich bewußt einem solchen Risiko aussetzen müssen.

„Der Mensch ist im Grunde ein wildes, entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zustand der Bändigung und Zähmung.“ (Arthur Schopenhauer)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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Eine Antwort zu Bedrohte Tierarten im Konflikt: Wie Mensch die Jagd rechtfertigt

  1. Anarchrist schreibt:

    Aus dem verlinkten Artikel: „[Freigabe zur] Einrichtung von Abschusszonen gegeben, mit denen Badende und Surfer geschützt werden sollen. An besonders beliebten Küstenstreifen in Westaustralien wurden einen Kilometer vor der Küste Köder ausgeworfen. Beißen Haie an, dürfen sie bis Ende April von Fischern abgeschossen werden.“

    Also werden aus der hohen See Haie in Richtung der Badenden und Surfer gelockt, um sie dann abzuschlachten, da sie Badende und Surfer gefährden?

    Ein klitzekleines Problem ganz gross machen, um damit ultimative Gewalt legitim erscheinen zu lassen, erinnert mich an Mafiamethoden und die Interventionskriege der USA, Britannien und NATO.

    Gefällt 1 Person

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