Nahrungsergänzungsmittel kritisch betrachtet


Schummeln im großen Stil

Man findet sie in Reformhäusern, Bioläden und beim Discounter, in Apotheken. Doch braucht man die denn überhaupt? Wer sich wirklich ausgewogen ernährt, kann sie getrost in den Regalen stehen lassen, die oftmals verlockende Werbung mal besser ignorieren, weil deren Heilsversprechen keiner ernsthaften wissenschaftlichen Studie standhalten würden.

Davon wollen Firmen, die ihre so tollen Nahrungsergänzungsmittel an die Frau, den Mann oder gar ans Kind bringen wollen, nichts hören, reagieren gar entrüstet, wenn man sie krititsiert und genauer unter die Lupe nimmt. Zieht man den Hochleistungssport hinzu, wird es erst recht ziemlich kriminell, weil die Grauzone der Dopingkontamination mitschwingt, Anabolika und Prohormone entsprechend für Probleme sorgen.

Studien relativ simpel unters Volk bringen

Viel Schmu und somit betrügerische Hochstapler unterwegs? Das muß man leider unbedingt feststellen. In der WDR-Sendereihe Planet Wissen beschäftigte sich der Beitrag „Wenn Wissenschaftler schummeln“ kürzlich mit dem Thema. Dort berichtet der investigative Journalist Peter Onneken, wie simpel er es schaffte, beim 7. Weltkongress zum Thema Brustkrebs auftrat, um als angeblicher Wissenschaftler und Onkologe zu referieren. Kein Widerspruch folgte.

Erinnerungen mögen bei dem ein oder anderen wach werden, denken wir an die heutige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, deren Doktortitel mal vom Plagiatsjäger von VroniPlag Wiki in Frage gestellt wurde, weil es schwere Regelverstöße fand. Selbst wenn die Medizinische Hochschule Hannover später entschied, sie könne ihren Doktortitel behalten, verbleiben berechtigte Zweifel. Zieht man die Hannover-Connection hinzu wohl erst recht! Dabei denkt der geneigte Kritiker schnell an Namen wie Carsten Maschmeyer, Christian Wulff, Gerhard Schröder oder eben die Abrecht-Tochter.

Riesige Märkte folgen profitablen Machenschaften

Ganze Industriezweige finden sich dabei ein, allen voran die chemische Industrie, die mit der Agrarwirtschaft längst eng verflochten Abhängigkeiten erschafft hat, Mensch nur noch zweitrangig sich unterordnen muß.

Demnach unser täglich Gift bis hinein in Lebensmitteln eben nicht verbannt wird, dann lieber nachhelfen mit gesundheitsversprechenden Nahrungsergänzungsmitteln. Eine nicht ungefährliche Entwicklung. Umso wichtiger, sie äußerst kritisch zu betrachten, Verbraucher besser von ihnen abzuraten. Kein leichtes Unterfangen in einer Welt voller Versuchungen und Blender.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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6 Antworten zu Nahrungsergänzungsmittel kritisch betrachtet

  1. aquasdemarco schreibt:

    Die Überschrift versprach etwas über Nahrungsergänzungsmittel, aber für mein Empfinden wurde es als Thema nur kurz angeschnitten.
    Die Überschrift versprach mehr.

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  2. sunnymoeller schreibt:

    Das mit den Nahrungergänzungsmitteln ist ja schon eine Gesinnung. Neulich hat mich eine Freundin zu einem LifePlus Vortag mitgeschleppt, da denkst du, du bist bei Scientology gelandet. Nur halt mit Vitaminpillen…gruselig…und teuer!

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  3. Lebensfreude schreibt:

    Gebe Ihnen zum Großteil recht, gehe aber mit der NICHT Differenzierung bzw. dem Gießkannenprinzip der Verteufelung nicht konform. Da ich durch schwere Operationen im Darmberech ein Betroffener bin, nehme ich Nahrungsergänzungsmittel bereits seit Jahrzehnten ein. Ich würde ohne diese (sehr teure selbst zu zahlende) Zusatzeinnahme wahrscheinlich nicht mehr, oder nur mit sehr eingeschränkter Lebensqualität leben. Die Auswahl ist sehr schwierig und erfordert viel Zeit, da wir in einer Zeit leben, in der das Geld und nicht das Wohl des Menschen im Vordergrund steht. Es ist halt wie mit Allem und liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Menschen für sich.
    Leider ist diese Verantwortung für sich und für die Gesellschaft im totalen Sinkflug und somit findet weder ein Differenzierung von gut und schlecht, sinnvoll oder nicht, aufmucken oder nicht etc. statt. Der Einheitsbrei von schwarz und weiß, über den man je nach Lust und Laune, einmal über das Eine oder Andere kräftig gießt, ist entstanden. Somit wird eine Unterscheidung für die Meisten sehr schwer und deshalb auch aufgegeben. Man läßt sich belernen, statt selbst zu lernen, man läßt denken, statt selber zu denken, man läßt sich informmieren, statt sich selbst zu informieren. usw.
    Das Spiegelbild unserer Gesellschaft zeigt täglich, dass jeder für sich es zuläßt, von Umständen, Hypes, Werbung etc. gelebt zu werden, statt selbst zu leben, da es für die Meisten wichtiger ist, „dabei“ zu sein, „dazu“ zu gehören, statt herauszufinden, was man selber wirklich will. Eine Wehrhaftigkeit gibt es speziell in D nicht. Moderne Sklaven des Kapitals – es will sich nur keiner eingestehen, bis zum bitteren Ende. Der Mensch ist halt nur entwicklungs- aber nicht wirklich lernfähig.

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    • Anarchrist schreibt:

      Nahrungsergänzungsmittel im allgemeinen Sprachgebrauch sind nicht als medizinisches Mittel zu verstehen. Es gibt dabei auch keine Diagnosen.

      Der Mensch ist sehr lernfähig. Und zwar ganz wirklich. Ich weiss, es schmeckt ihnen wahrscheinlich nicht, aber die Leute müssen gar nicht so sein, wie Sie es gerne hätten, um wirklich zu leben. Mit dabei zu sein, ist der Schlüssel des Erfolgs der Spezies Mensch und daher so wertvoll. Nur in der Gruppe konnten wir unsere grosse Stärke entwickeln.

      Und mal im Ernst, wann war der Mensch schon jemals unabhängig – also unbeeinflusst – von seiner Umgebung? Wir sind alle das Produkt unzähliger Ereignisse, und zwar in jedem einzelnen Moment unseres Lebens. Und Wehrhaftigkeit der deutschen Nation vollkommen abzusprechen, erinnert mich stark an Hitlers ‚Deutsche emanzipiert Euch!‘ Propagandafeldzug, der uns bekanntlich in den 2. Weltkrieg befördert hat. Opferrolle ich hör dir trapsen.

      Solange nicht eine signifikante Anzahl von Menschen dazu übergeht, sich mit den neuesten Nahrungsergänzungsmitteln zu brüsten, haben wir in dieser Angelegenheit mit Sicherheit kein kulturelles Problem. Ein neidvolles „Schatz, unser Nachbar glaubt wohl, er sei in die Oberliga aufgestiegen. Er hat sich die neuesten Merz Spezialdragees gekauft“, ist mir noch nicht untergekommen.

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  4. Chris Gold schreibt:

    Nun, ob jemand Nahrungsmittelergänzungen einnimmt oder nicht, dass bleibt jedem selbst überlassen. Zudem gibt es Hersteller, die sehr hochwertige Produkte anbieten und auch einen Erfolg erzielen. Nichtsdestotrotz gibt es u. a. in hiesigen Wäldern in der Sommer- und Winterzeit genügend Kräuter und Blattwerk, die zur Supplementierung von Nährstoffen ausreichen. Grundnahrungsmittel, insbesondere Obst und Gemüse, welche in Lebensmittelgeschäften und Biomärkten angeboten werden, enthalten entgegen damaliger Zeit, nur noch einen Bruchteil an Nährstoffen. Z. B. die Erdbeere hat vom Vitamin-C-Gehalt bis zu 80 % „eingebüsst“. Daher sind für den Eigenbedarf und bei ausreichend Anbaufläche, die „älteren Arten“ bzgl. des Saatgutes vorzuziehen. Hinsichtlich Studien, welche unters Volk gebracht werden, ist Vorsicht geboten, da diese aus Erfahrung mehr Gefälligkeitsgutachten darstellen. Bezahlstudien, meist in englischer Sprache verfasst, diese aber unabhängige Wissenschaftler erstellten, haben inhaltlich ein vielfaches mehr zu bieten und halten so manche Überraschungen parat.

    Etwas Satire: Politiker-Bla-Bla als Supplement hingegen hat eher eine toxische Wirkung auf den Frontallappen. Z. B. das Klatschen von Infizierten.

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  5. Anarchrist schreibt:

    Danke sehr. Man kann es gar nicht oft genug sagen.

    Das allermeiste, was da verkauft wird ist im weitesten Sinne ‚Schlangenöl‘. Aber Kultur ist das zum Glück noch nicht. Und dominant schon gar nicht. Das Gemüseangebot in Marktständen, Supermärkten und Läden ist sehr vielfältig und wird gerne angenommen.

    Was allerdings Kultur geworden ist, ist der in meinen Augen unlautere Wettbewerb und Hyper-Kommerz. Ich würde mir deutlich mehr Wettbewerbskontrolle hinsichtlich der Werbeversprechen wünschen. Wenn Lügen Marktanteile produzieren, liegt eine Wettbewerbsverzerrung vor, die auch unterbunden werden sollte. Der angeblich omnipotente Markt wird’s schon regeln, sagen die Lobbyverbände der Industrie. Jaja, wer’s glaubt wird selig.

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