Theater: Bretter, die die Welt bedeuten


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Tagtägliches Live-Spektakel

Letztlich gibt es einen Ort, an dem alle Künste zusammenkommen, um sich dem Publikum zu offenbaren: das Theater. Hier trifft Literatur Musik, aber auch bildende Kunst die Darsteller. Somit paßt der sinnige Spruch über diese Bretter, der im übrigen von Friedrich Schiller geprägt wurde in seinem Gedicht „An die Freunde“. Was für einen Wandel hat das Theater vollzogen?

Von der anfänglichen Wiege des abendländischen Schauspiels, dem Theater der griechischen Antike, bis hin zum Theater der heutigen Neuzeit, wo inzwischen technische Möglichkeiten sogar Bühnenbilder perfekt projizieren, dem Zuschauer wird die Illusion vermittelt, die Darsteller spielen ausschließlich in herkömmlichen Kulissen. Dem ist aber nicht mehr so, da die Lichttechnik im Computerzeitalter natürlich schrittgehalten hat.

Authentische Nähe reizt nach wie vor

Dabei zeigt sich sehr deutlich, wie umfangreich technischer Aufwand sein kann, der fast grenzenlos Illusionen herbeizaubert, so daß das Publikum an die Belastungsgrenzen der Reizüberflutung herangeführt wird. Dadurch hat das Theater an Vielfalt noch mehr zu bieten, als dies früher der Fall war. Und selbstverständlich hat diese aufwendige Technik ihren Preis, der ganz besonders in Zeiten wirtschaftlicher Krisen Federn lassen muß, d.h. es wird eingespart.

Trotz dieses technischen Wandels hat sich gleichzeitig die Tradition kleiner Bühnen halten können, und das ist gerade bei schrumpfenden Kulturtöpfen wichtiger denn je. Und wer geglaubt hat, die Zuschauerzahlen würden angesichts von TV und PCs rückläufig sein, der wird eines Besseren belehrt. Vielleicht hat es auch mit einer tiefen Sehnsucht nach authentischer Geborgenheit zu tun, die immer noch den Zuschauer viel intensiver „berührt“, als dies Plasmabildschirme vermögen können.

Politik mischt sich gar ein

Bis der Vorhang sich lüftet, bleibt weiterhin die schweißtreibende, aufregende Probenarbeit in den Hallen der Theaterhäuser, in den Werkstätten, wo Bühnenmaler, Requisiteure, Tischler, Schlosser, Schneider, Maskenbildner Hand in Hand im Team arbeiten. Somit gilt es, auf die Premiere hinzuarbeiten, von der dramaturgischen Arbeit, der Textumsetzung, der Regie in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner, den technischen Vorständen bis hin zum Herzstück, den Akteuren auf der Bühne.

Alle Theaterhäuser haben etwas gemeinsames: Sie leben und arbeiten für das Publikum. Dabei werden der künstlerischen Freiheit fast keine Grenzen mehr gesetzt, was natürlich eine funktionierende Demokratie auszeichnet, auch wenn es früher schon mal zum Eklat kam, wie z.B. bei Dario Fos „Mistero Buffo“, inszeniert von Arturo Corso, im Nationaltheater Mannheim. Das Schillertheater erhielt eine Anzeige wegen kommunistischer Propaganda und Verunglimpfung christlicher Werte. Hier zeigte sich sehr deutlich, wie Politik, insbesondere Parteipolitik, sich einmischte in künstlerische Freiheiten, was einer Zensur gleichkam.

Nachdem das Nachkriegstheater vom Modernen Theater ersetzt wurde und nunmehr immer noch das postdramatische Theater wirkt, erleben wir ebenso Tendenzen, die sich sowohl auf die Textualität als auch auf die Performativität von Theater beziehen.Warum dieser kleine Exkurs in die Theaterwelt? Na, das ist doch einfach und schnell gesagt. Gönnen Sie sich einen Abend im Theater, Angebote gibt es sehr viele, und für jeden ist auch was dabei. Denn eines sollten wir dabei nicht vergessen, Theater muß sein, wie der Deutsche Bühnenverein als Werbeslogan so sinnig prägte, weil die Lebendigkeit auf der Bühne durch keine Leinwand, kein Plasmabildschirm je ersetzt werden kann.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kulturelles

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