Die Rolle der Vorbildfunktion gerät ins Wanken


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Jugend hinterfragt letztlich alles

Im Zeitalter der Globalisierung und des daraus resultierenden Internets wird es ganz besonders für die Jugend sehr schwer, sich an Vorbildern zu orientieren. Während es früher vergleichsweise wenig Auswahl an Personen gab, die man verehren und vergöttern konnte, herrscht heute ein Überangebot.

Die Medien haben hierbei ihren unbedingten Anteil, weil sie Stars, Sportler, Musiker und andere schillernde Persönlichkeiten in Zeitschriften, auf der Mattscheibe, im Internet präsentieren können, wobei die Vielfalt nahezu grenzenlos zu sein scheint. Doch was beflügelt eigentlich insbesondere junge Menschen, sich an Vorbildern zu orientieren?

Von der primären Bezugsperson bis hin zu Vorbildern

Außer Frage, zunächst benötigt der geborene Mensch die Hilfe seiner primären Bezugsperson, das sind in der Regel die Eltern, durch das unreflektierte Nachahmen werden erste wichtige Voraussetzungen geschaffen, um überhaupt das physische Leben selbst zu begreifen. Doch im Laufe des Heranwachsens suchen wir unsere Vorbilder selbst aus, verlassen das wohlbehütete Nest des Elternhauses, wobei bei entsprechendem Gegendruck der Eltern oder der Schule an die Jugend, in dem man ihnen vorschreiben möchte, mit wem sie sich zu identifizieren haben, oftmals das Gegenteil erreicht wird.

Jugend muß sich die Freiheit der Auswahl selbst gönnen dürfen. Gleichzeitig sollten sich Eltern und Lehrer von der manchmal einfachen Vorstellung, daß die Eigenschaften bestimmter Vorbilder eins zu eins auf die Jugendlichen übergehen können, ganz schnell verabschieden. Die menschliche Psyche darf man eben nicht so einfach „gestrickt“ sich vorstellen, es spielen hierbei ganz viele Faktoren eine große Rolle, vor allem in einem komplizierten Prozeß der Selbstfindung, in dem sich alle Heranwachsenden befinden.

Einerseits müssen wir unterscheiden zwischen den idealisierten Wunschvorstellungen der Eltern und Lehrer, ihre Schutzbefohlenen in eine Welt entlassen zu wollen, in der sie zurechtkommen sollen ohne Drogenprobleme, mit Ehrlichkeit und Einsatzbereitschaft, einer gewissen Ordnung, hervorgerufen durch Normverhalten und den rebellischen Gedanken, die Jugendliche nun mal hegen. Geschieht diese Phase in einem gesunden Verhältnis, wobei neben der nicht gestörten Kommunikation als wichtigste Voraussetzung selbstverständlich auch entsprechende Zeit und Bereitschaft von allen Beteiligten vorhanden sein sollte, mag das funktionieren. Doch die Wirklichkeit manch zerrütteter Umstände bestimmt viel eher den Alltag.

Müssen wir uns von Vorbildern verabschieden?

Das kann niemals geschehen, weil Jugend sich eben keine Vorschriften machen läßt. Früher zierten Che-Guevara-Poster die Jugendzimmer oder eben Poster von Rockbands wie CCR, The Rolling Stones oder auch Sportlern wie Michael Schumacher. Die unmittelbaren Bezugspersonen können eben nicht als Vorbild herhalten, weil deren „Macken“ und Schwächen durchschaut werden, dann müssen es halt „unerreichbare“ Stars sein.

Vergessen wir hierbei nicht den Einfluß von negativen Vorbildern, ob es sich um den Bandenchef einer Gang handelt, wo völlig normal extreme Gewalt ausgelebt, in der Gruppe gern über die Stränge geschlagen wird bis hin zu extrem politischen Gruppierungen der rechten und linken Szene. Wer sich an Vorbildern klammert, und das machen nicht automatisch alle Jugendlichen, der stellt zunächst sich selbst und sein eigenes Verhalten in Frage. Genau dann wird hilfesuchend nach Vorbildern Ausschau gehalten, was somit ganz wichtig und hilfreich sein kann in der persönlichen Entwicklung.

In einer Gesellschaft, in der die Familien damit beschäftigt sind, halbwegs unbeschadet zu überleben, wenn wir an die stetig steigende Armut hierzulande denken, das gilt somit ebenso für die vielen Niedriglohnempfänger, die unteren Einkommen, müssen wir uns nicht wundern, wenn das Elternhaus seinen Kindern bereits keine Vorbildfunktion vorleben kann, zu wenig Werte vermittelt werden, sie sich oftmals selbst überlassen sind. Schlüsselkinder nennt man sie. Und was unternehmen desorientierte Kinder und Jugendliche? Sie suchen sich Vorbilder, bei denen sie Halt bekommen, wo sie aufschauen können. Ob es ihnen tatsächlich weiterhilft, bleibt mal dahingestellt. Betrachten wir uns eine latent vorhandene Zunahme der Gewaltbereitschaft quer durch sämtliche Bevölkerungsschichten, muß man das leider bezweifeln.

Als Fazit kann man nur bemerken, daß Vorbildfunktion als erzieherische Methode nicht greifen wird, sondern viel eher ein behutsames Ausloten zwischen der Jugend und den Eltern und Lehrern in der Alltagspraxis Anwendung finden sollte, wobei sich die gesamte Gesellschaft schon fragen muß, was sie selbst dazu beitragen kann, um das Leben wieder sorgenfreier und lebenswerter zu gestalten. Denn eine humanere Gesellschaft bringt natürlich mehr positive Vorbildpersönlichkeiten hervor, so daß negative Einflüsse kaum eine Chance erhalten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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