Frankreich nur ein Exempel für Randale und Revolte?


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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Heute die Gelbwesten, morgen die Rot- und im Anschluß die Braunwesten? Das Ganze im äußersten Westen des europäischen Westens, in dem Land, wo der Sturm auf die Bastille 1789 der Welt verdeutlichte, wie weit Revolution gehen kann? Nachdem der Adel von dannen gejagt, setzte sich Napoleon Bonaparte an die Spitze, um schließlich als erster Konsul gut zehn Jahre später zu regieren.

Ein Verrat ursprünglicher Ideen, weil er schon fünf weitere Jahre später sich selbst zum Kaiser krönte! Eine Verhöhnung sondergleichen. Die Franzosen täten gut daran, dies niemals zu vergessen, sich zu erinnern, besonders in den zurückliegenden vier Wochen, wo doch die Mouvement des Gilets jaunes durch die großen Städte der Grande Nation stolzieren, um Emmanuel Macron herauszufordern, der mit seiner Bewegung En Marche! meinte, er könne die Menschen im Lande beeindrucken. Da verpaßte er eher etwas, nämlich soziale Not zu berücksichtigen.

Kleine Eingeständnisse vermögen einmal losgetretene Randale und Revolte besänftigen? Wer kurz vor Weihnachten an den Weihnachtsmann glaubt, dem kann man auch nicht mehr helfen, gilt somit gleichwohl für jene Protestwelle. Chancen vorhanden, das Dilemma für alle zu beenden? Naturellement. Warum nicht den Reichen nehmen, was diese sich ohnehin selbstverständlich gönnen?!

Der brave Bürger zahlt Steuern, und die nicht zu knapp, aber eine Vermögenssteuer wurde abgeschafft. Welch Unsinn und gen himmelschreiende Ungerechtigkeit. Im Übrigen hierzulande die Birne ebenso veranlaßte. Eine Signalwirkung, sollte der bisher jüngste Staatspräsident dies tatsächlich erwägen. Der Konjunktiv verrät den hoffenden Strohhalm. Mit Blick zu Macrons Vita wohl eher unwahrscheinlich, wer wagt sich schon an diejenigen, die ihn zu dem schufen, was er darstellt? Einem aus der Eliteschule, einem Finanzinspektor und Investmentbanker?

Kurze Einsichten aus der Not erschaffen, mögen wohl eher verpuffen, wenn die Wogen sich glätten. Der Alltag darf dann wieder die Menschen vereinnahmen, sich durchzuschlagen, zu überleben, während es weiter gärt. Ob nun russische Einflüsse Gelbwesten unterstützen, Rechtspopulisten die Proteste gutheißen, nüchtern betrachtet waren es keine Millionen auf den Straßen Frankreichs, ein paar Hunderttausend. Dennoch sollte niemand deren Sympathiewerte innerhalb der Bevölkerung unterschätzen, zwischen 65 und 85 Prozent haben Meinungsforscher ermittelt.

Politik verkommt zusehends mehr, da trotz ihres freiheitlich demokratischen Anspruchs insbesondere Konzerne ihren Kurs diktieren, während die Bürger das Nachsehen haben, rücksichtslos eine latente Armut in Kauf genommen wird bei gleichzeitiger Zerstörung unserer Erde.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Eine Antwort zu Frankreich nur ein Exempel für Randale und Revolte?

  1. Anarchrist schreibt:

    Macron spielt auf Zeit und hat gewählt, ob er eher vom ‚Pöbel‘ oder vom ‚Adel‘ aus dem Amt getrieben wird. Von der Volksverarschung, verspricht er sich offenbar mehr.

    Und während das passiert, wird hier in der BRD fleissig Desinformation betrieben. Mir ist bisher weder in den ÖR-Medien, noch in der Konzernpresse die Bedeutung der Zugeständnisse nähergebracht worden. Die Forderung, Macron solle zurücktreten und die Forderung nach der Wiedereinführung der Vermögenssteuer, darf nicht in die hiesigen Köpfe vordringen.

    100€ höherer Mindestlohn? Dass sich der Betrag auf die in Frankreich als Standard etablierte 35-Stunden Woche – die uns geflissentlich verheimlicht wird – bezieht und so der Stundenlohn von 9,88€ auf 10,54€ klettert, mag man uns auch nicht gerne sagen, ob unseres eigenen unterdurchschnittlichen Mindeststundenlohns.

    Viel wichtiger ist den insbesondere öffentlich-rechtlichen Medien zu verkünden, dass der Haushalt mit etwa 10 Mrd. € belastet wird und – oh Schreckgespenst – so Stabilitätsmechanismen der EU unterlaufen werden. Dass Deutschland seit fast 20 Jahren selber massiv solche Vereinbarungen verletzt, darf natürlich niemals in den Kontext gesetzt oder gar besprochen werden.

    Deutschland hat nämlich die Löhne nicht entsprechend der Produktivitätssteigerung erhöht und konnte so die europäischen und auch andere Partner preislich sehr einfach unterbieten. Ein neuer Exportweltmeister war geboren. Im gleichen Zuge wurden die Forderungen ans Ausland gross, in eine Phase der Austerität überzugehen. ‚Sparen‘ – so nannten es die Monster – sollten sie gefälligst, und zwar im Sozialwesen. Und Gemeineigentum sollten sie privatisieren, als Dankeschön dafür, dass wir die Ökonomien der Eurozone in den Abgrund gerissen haben. Und auf keinen Fall dürften sie ihre Rüstungsgeschäfte mit Deutschland reduzieren, denn ohne deutsche Panzer und deutsche Waffen, soll nie wieder ein Krieg stattfinden.

    Hoffentlich lassen sich die Gelben Westen nicht unterkriegen. Blockiert die Strassen! Zerschlagt den Kapitalismus! Legt das ganze Land lahm, wenn es sein muss. Eine andere Sprache versteht die Elite nicht. Mit ihr kann man nicht vernünftig reden.

    Liberté, Égalité, Fraternité!

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