Proteste vs. Revolte – Spaltung der Gesellschaft nimmt zu


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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Welch Errungenschaft, das Demonstrationsrecht, das meist in Demokratien wahrgenommen werden darf, die freie Meinungsäußerung. Zuvor hatte das Volk den Mächtigen sich unterzuordnen, wie in heutigen despotisch geführten Ländern gab es keinen Platz der Widerrede, somit auch keine Pressefreiheit, jede Versammlung im Freien wurde als Aufstand oder gar Revolte interpretiert, im Keim erstickt.

Eine freie Gesellschaft sollte tunlichst darauf achten, jenes kostbare Gut nicht aufs Spiel zu setzen, ganz genau zu differenzieren zwischen friedlichen Demos und gezielt herbeigeführten Gewaltexzessen. Wird dies verpaßt und nicht beachtet, hat die Staatsmacht der Regierenden ihren Auftrag zu erfüllen, Chaos zu vermeiden und eine Grundordnung zu gewährleisten. Wer Ausschreitungen mit Pflastersteinwürfen, Autos anzünden, Schaufensterscheiben einschlagen und Geschäftsplünderungen duldet und gutheißt, darf sich nicht wundern, wenn Polizeikräfte genau das verhindern wollen.

Die Spaltung der Gesellschaft nimmt schon länger zu, eigentlich ein fortlaufender Prozeß, der ganz viel mit sozialen Spannungen einhergeht, die eine nimmersatte Klientel von gewissen Eliten bewußt nicht nur in Kauf nimmt, sondern obendrein gesetzlich sich gönnt. Das begünstigt sie in vielerlei Hinsicht, läßt ihr freien Lauf, ihren Weg der Ausbeutung ungeniert fortzusetzen. Was früher der Adel und die Königshäuser dem einfachen Volk abverlangten, nutzen heute die übriggebliebenen Oligarchen, Superreichen, Manager in den Konzernen und Banken, bis hin zur Politik selbst, die entsprechende Gebote und Gesetze erläßt.

Der Schritt von Protesten zur Revolte ist kein großer, es bedarf nur entsprechender Wut und Gewalteskalationen, die am Ende unkontrollierbar sich verselbständigen. Mit Blick gen Frankreich wird es erneut deutlich, die anfangs friedlich begonnene Mouvement des Gilets jaunes wurde sehr schnell von Rechts- und Linksextremen unterwandert, so daß Gewalt sich entlädt. Insofern kann man kein Verständnis aufbringen, wenn die Linke unter Sahra Wagenknecht die Gelbwestenproteste gutheißt. Seit wann kann und darf zunehmende Gewalt geduldet werden? Das ist und bleibt ein Widerspruch in sich.

Richtig häßlich und keineswegs simpel abzutun, sind die Versuche, die französischen Proteste für eigene Zwecke zu mißbrauchen. Das nutzen russische Medien genauso wie der „blonde Dolle“, der gar per Twitter meint, die Gelbwesten würden ihn feiern, unterstützen dessen Ablehnung des Pariser Abkommens. Von einer AfD und der Neuen Rechten ganz zu schweigen. Einerseits setzt Macron seine neoliberale Politik fort, andererseits formiert sich dagegen Widerstand. Ein politisches Desaster, was allerdings nicht Gewalt auf der Straße ändern kann und wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Eine Antwort zu Proteste vs. Revolte – Spaltung der Gesellschaft nimmt zu

  1. Mathes schreibt:

    Sorry, aber ich befürchte, wenn nur „friedlich“ demonstriert wird, gibt es keine Reaktion der Politik……… dafür gibt es zahlreiche Beispiele : Stuttgart 21 , Hambacher Wald, Stationierung der Atomwaffen in Deutschland ………. etc. etc.

    Grüße
    Jenny Mathes

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