Kunstaktion „Soko Chemnitz“ hält Gesellschaft Spiegel vors Gesicht


ZPS beweist erneut großartigen Ideenreichtum

Erst wenn etliche mit der Nase drauf gestoßen werden, begreifen manche, hoffentlich immer mehr von ihnen, welchen Zweck gezielte Aktionen verfolgen. Jedes Schauspiel lebt davon, sein Publikum in den Bann zu ziehen, Applaus eine direkte Anerkennung bedeutet, was aber in den Köpfen nachhaltig hängen bleibt, unterstreicht erst recht den Erfolg. Das gilt insofern auch für Kunstaktionen des Zentrums für politische Schönheit (ZPS).

Philipp Ruch und seine Mitstreiter haben erneut ganze Arbeit geleistet, das ZPS bedankt sich für Haß und Gewaltaufrufe gegen Soko Chemnitz, die Aktion sei ein Trick gewesen, nämlich um Namen von Beteiligten der Demos in Chemnitz zu ergattern, ganz im Sinne der Website, die sich als honeypot entpuppt.

Mit Online-Pranger Grenzen des Erträglichen überschritten?

Prinzipiell kann man dem nur zustimmen, alldieweil gerade innerhalb der Szene Rechtsradikaler genau das praktiziert wird, jede Gelegenheit, die sich bietet, für ihre eigenen Haßtiraden einzusetzen. Selbst wenn noch keine Beweise für Verbrechen seitens Migranten vorliegen, tönt ein Mob unüberseh- und hörbar, in Social Media sich vernetzt, bis hin zu Gewaltaktionen, Flüchtlingsheime werden angezündet, Ausländer zusammengeschlagen.

Unter anderem kursieren jede Menge bösartige Video-Clips auf YouTube, wo sich ungeniert ausgetobt, neben Haßbotschaften obendrein Geschichtsklitterung betrieben wird, Hauptsache möglichst viele Verunsicherte erreichen, so das Ziel jener Rechtsextremen. Dieses Muster eines Online-Prangers nutzte jetzt das ZPS, auch wenn die Springerpresse eher empört berichtet, sollte niemand verkennen, wie im Alltag rechtes Gedankengut sich verankern will, inzwischen gar im Deutschen Bundstag mittels jener AfD.

Von „Lethe-Bomben“ bis zur „Soko Chemnitz“ – Aktionen des ZPS

Erstmalig trat das ZPS mit der Aktion der „Lethe-Bomben“ vor neun Jahren in Erscheinung, Bomben-Attrappen vorm Reichstag sollten daran erinnern, daß Krematorien in Auschwitz seitens der Alliierten nicht angegriffen wurden, gleichwohl die UN-Schutzzone bei Sebrenica im Bosnienkrieg hinterfragt wurde. Im November letztes Jahr war die Aktion von Ablegern des Berliner Holocaust-Mahnmals in Bornhagen, womit Björn Höcke anschaulich vorgeführt wurde, ein voller Erfolg.

Dazwischen unterstrich die Gruppe um Philipp Ruch in zehn anderen Aktionen ihren Ideenreichtum, machte auf desaströse Versäumnisse besonders der verantwortlichen Politik aufmerksam. Solche Kunstaktionen sind kreative Proteste, die natürlich an Schmerzgrenzen des Erträglichen gehen müssen. Bedenken wir, daß das verursachte Leid jener rechtsextremen Klientel als zunehmendes Problem immer mehr Menschen trifft. Umso wichtiger, anzumahnen, einer verunsicherten Gesellschaft den Spiegel vors Gesicht zu halten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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