Gipartexx – Begegnung mit einer unbekannten Spezies


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Unendlich riesig erstreckt sich der Kosmos, in dem Milliarden von Sonnensystemen ihn zu füllen scheinen, obwohl in den Weiten des unbegrenzten Raumes ein luftleeres Nichts kaum endenwollend einem begegnet, wer denn sich auf Reisen durch ihn begibt.

Schon lang waren sie unterwegs, Zeit spielte nicht die geringste Rolle in ihrem Bewußtsein, weil diese lediglich die Menschen beschäftigte. Noch betrug die Distanz zu diesem herrlich blau anzuschauenden Planeten an die 180 Millionen Kilometer, ein wenig weiter als des Fixsterns Licht diesen erhellte, für die Gipartexx ein Katzensprung, zumal sie just einen Kurztrip von rund 6 Millionen Parsecs hinter sich hatten. In der begrenzt geistigen Welt des Homo sapiens würden solche Flüge in keiner Weise zu realisieren sein, wie die herannahenden Außerirdischen nur zu genau wußten, was jene aber nicht weiter beschäftigte.

Karin schloß für einen herrlich anmutigen Moment ihre grünen Augen, nachdem sie die von Ost nach West ziehenden Wolkenpakete beobachtet hatte, während das duftend kühle Naß der Wiese ihr ein Gefühl von irdischer Geborgenheit gab, lang ausgestreckt liegend und voller Zuversicht, ohne jedwede Vorahnung, was da noch geschehen könnte. Markus hatte sie nach schon viel zu langer, beschwerlicher Beziehung endlich verlassen, befand sich längst auf dem Weg nach Norden, sie selbst lag hier mitten in der Schwäbischen Alb unweit der Burgruine Hohenlupfen und starrte in den unruhigen Wolkenhimmel.

Plötzlich beschlich Karin urplötzlich ein merkwürdiges Gefühl, welches sie zunächst nicht einzuordnen vermochte. Trotz geschlossener Augen offenbarte sich ein grelles Licht, was die eigentlich intensiven Strahlen der Sonne um ein vielfaches an Intensität übertraf, zugleich schien die gesamte Umgebung in eine Schockstarre zu verharren, sie selbst eingeschlossen. Trotz heftigsten Versuchen ihre Augen zu öffnen, schienen die Lider diese zunächst wie eine verriegelte Falltür in Bann zu halten.

Doch schon im nächsten Moment obsiegte ihr eiserner Wille und setzte sich durch. Was sie dann sah, ließ sie kurz erschrocken einer Ohnmacht nahe aufschreien. Aus dem Licht tauchte just ein extrem violett-schwarz schimmerndes Oval auf, ganz ähnlich wie eine Frisbee-Scheibe, aber dafür um ein vielfaches größer und vor allem sich stetig langsam um die eigene Achse drehend, stoppte auf einmal und eine blitzartige Flamme schoß aus der Unterseite, dermaßen laut und vor allem heiß, daß ähnlich wie schwere Hagelkörner einige Vögel tot vom Himmel fielen, direkt neben ihr ein junger Habicht, dessen Gefieder den typischen Geruch von verbranntem Horn ausdünstete.

Irgendwie hatte Random-1349, so wurde der Gipartexxer genannt, es bereits vorausgeahnt, daß die enorm hohe Hitze zu unvermeidbaren Opfern führen würde, was er dennoch zutiefst bedauerte, als die Vögel zunächst verendeten. Aber das kurze Leiden hatte ein schnelles Ende, und Augenblicke später flogen alle wieder von dannen, so als ob nichts vorgefallen wäre. Der Trick bestand darin, die Zeitspanne zwischen Eintritt in die Erdatmosphäre und Landung selbst „auszublenden“, sie quasi ungeschehen zu machen, um sie mit genau den Geschehnissen zu füllen, was passiert wäre ohne die Präsenz der Außerirdischen.

Das weibliche Erdenwesen wirkte ein wenig anders auf ihn, denn nach kurzer, vorbereitender Studie mittels geistig immaterieller Annäherung meinte er noch, ihre Aura begriffen zu haben. Nunmehr stellte sich doch ein Unterscheid ein zwischen geistigen Erfahrungswerten und physisch real wirkenden. Allein schon die enorm heftigen Gerüche machten ihn zu schaffen, bedenkt man, daß seine Spezies mit knapp einer halben Milliarde Geruchszellen gleich über doppelt so viele verfügte wie irdische Hunde. Aber auch alle anderen Sinne übervorteilten ihn, von seinen geistigen Fähigkeiten mal ganz abgesehen. Im Gegensatz zur vielfach völlig überzogen ängstlich-aggressiven Einstellung vieler Menschen allem Unbekannten gegenüber, verhielten sich die Gipartexxer gelassener, jedoch aus dem einfachen Grund, nichts dem Zufall zu überlassen. Eine exakte Analyse wurde stets vor sämtlichen kosmischen Reisen vorgenommen.

Als Karin sich langsam ein wenig irritiert erhob, kam schon Random-1349 auf sie zugeschwebt, ohne den Boden zu berühren. Allerdings verspürte sie nicht im geringsten Berührungsängste, sondern ganz im Gegenteil durchfuhr sie eine gewisse Sympathie, fast schon euphorisch lief sie auf ihn zu. Aber anstatt eines Gesprächbeginns, empfing sie im Innern selbst eine Stimme, die ohne Umschweife sie ansprach.

„Wir haben dich bereits erwartet, Karin. Bei uns spielt Zeit nicht die geringste Rolle. Man nennt mich Random-1349, wir kommen von sehr weit her, um uns ein wenig auf eurem schönen blauen Planeten umzuschauen, aber auch, euch anzuraten, alles menschenmögliche zu tun, den Weg der Zerstörung zu beenden, bevor ihr selbst an den Folgen des unbedachten Handelns zugrunde geht.“

Sie wußte, daß die Erscheinung die Wahrheit verkündete und bestätigte die gedanklich übertragene Botschaft mit sichtbaren Kopfnicken, verneigte sich sogar vor ihm und setzte sich ins Gras. Keine dreihundert Meter weiter liefen zwei Jugendliche im Dauerlauf ihrem Rottweiler hinterher, schauten sogar in die Richtung des Raumschiffs, welches sie allerdings nicht erfassen konnten, weil die Begegnung zwischen Karin und Random-1349 mittels „zeitlicher Verschiebung“ längst Vergangenheit war, obwohl zugleich stattfand. Wie praktisch doch der Faktor Zeit gezielt ein- und ausgeblendet unnötige Spannungen erst gar nicht aufkommen ließ. Eine ganze Weile lang tauschten die beiden sich noch aus, ohne daß ein Wort hörbar gewechselt wurde, rein auf gedanklicher Ebene.

Anschließend entfernte sich das Oval in rasender Geschwindigkeit, und Karin begab sich zurück nach Hohenlupfen, wo auch die beiden Jungs mit dem Rottweiler ihren Weg kurz kreuzten. Ganz tief in ihrem Herzen trug sie die Botschaft der Gipartexxer in sich, wissend, daß sie nicht allein ihnen begegnet war, die Menschheit beobachtet wurde, im Kosmos wesentlich mehr Spezies vorhanden waren, die untereinander meist friedlich begegneten. Erst wenn Mensch seine uralten Wurzeln wiederfinden würde, die mal vor langer Zeit ihn begleiteten, sollte endlich der Weg frei sein für Reisen ins All, ohne Haß, in tiefer Verbundenheit der Schöpfung und allem Sein gegenüber.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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