Umgeben von Falotten


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Falott, Fallobst. So hatte ich mir dieses Wort gemerkt. Es ist eines jener Wörter, die mehr sind als ein Begriff wie Haus oder Zucker, dieses Wort ist eher ein Ausspruch. Vor Jahren, nein, Jahrzehnten, gemerkt und immer wieder bei passender Gelegenheit benützt, fiel Falott dem Vergessen anheim wie das von mir gemerkte Fallobst, purzelte das Wort in den Untergrund zu all den dort lagernden Worten, Begriffen, Sprichwörtern, die dann und wann in meinen Sprachgebrauch zurückfinden, wenn ich, durch welchen Anreiz auch immer, darüber stolpere.

Und viele dieser Wörter verschwinden so schnell wieder, wie sie gefunden wurden. Falott, aber ist es wert, nicht wieder zu verlieren, weil es mehr ist, wie gesagt als ein Wort, weil es mehr ist, noch nicht gesagt als ein Gauner und Betrüger, und weil es von Falotten in unserer jetzigen Zeit nur so wimmelt.

Der Falott findet man eher im österreichischen, bayrischen Sprachgebrauch und das Wort für Bandit, Ganove, Schuft, Spitzbube, Halunke. Es entstammt dem französischen falot, das so viel bedeutet wie komischer, belustigender Mensch. Im Englischen finden wir es in fellow und besagt im heutigen Sprachgebrauch, ein Mitglied eines Colleges, Inhaber eines Stipendiums. Ursprünglich stand „fellow“ für Partner, Gefährte, Teilhaber und ist zurückzuführen auf das Wort fē, Vermögen und Besitz, und wen wundert es, sprachverwandt mit Vieh.

Er ist ein bigotter Falott, der Haderlump!“

So in etwa klingt die Beschreibung eines Menschen, der mit säuselnder Stimme Sie um ihre Ersparnisse gebracht hat oder sie mittels kreidefressenden Tonlagen verleitet, ihm Glauben zu schenken, daß etwas im Staate schief läuft oder moralisierend die Verwerflichkeit anderer vor Augen führt, wobei er tunlichst darauf achtet, selbst im besten Glanze dazustehen. Und das Ganze immer ausgeschmückt mit einer gewissen überheblichen Arroganz, dem gewissen Lächeln, das die Herzen der Schwiegermütter zum Schmelzen bringt. Hinterhältige Lügen bestickt mit ein wenig sarkastischem Humor und Witz, die darauf abzielen, vom eigentlichen Betrug der Unaufrichtigkeit abzulenken.

Einem komischem, belustigenden Menschen, keinem Kauz, jedenfalls nicht unbedingt einem Eigenbrötler und Sonderling, ist man gerne bereit zu verzeihen, weil er alles dafür unternimmt, Sympathieträger zu sein. Ärger, Frust und Wut werden sozusagen neutralisiert, der Ganove wird im Rückblick zum charmanten Heuchler, der durch seine verschmitzte Seriosität den Anschein erweckt, es ist alles gar nicht so gemeint. Ein kleiner Scherz am Rande, eine kleine Gaunerei, eine kleine Lüge, ein klein wenig Haß streuen, ein bißchen Zwietracht säen, alles nicht so schlimm, es gibt schlimmeres und ein winziges Körnchen Wahrheit hat noch keinem geschadet.

Dem Opfer wurde auf belustigende Art gezeigt, du bist zu leichtgläubig, das hat demnach was Gutes an sich, und dem „vermeintlichen“ Opfer, der, der sich nicht verstanden fühlt, aus welchem Interesse oder Hintergedanken er auch immer gehandelt haben mag, dem muß Abbitte geleistet werden, weil es ein Zeugnis von Vorurteilen darstellt, ihn als den Komischen zu diskreditieren, weil er auf Grund von persönlichen Erlebnissen gar nicht anders handeln konnte.

Falotten, überall Falotten. Nicht im Gewand des Kleinkriminellen, der versucht sich zu bereichern, in dem er Automaten aufbricht, nein, Strauchdiebe und Spitzbuben im Gewand der aufklärenden, fürsorglich Besorgten, die mittels angeblicher Satire, in Wahrheits-Artikeln, in Reden, Meinungsfreiheit einfordern, die inhaltlich mit Haß, Häme, Angst, Drohungen gespickt sind, um in den Menschen durch Verunsicherung den Wunsch keimen zu lassen, Recht und Ordnung können nur mittels starker Hand gewahrt werden.

Und schon ist es komisch und belustigend, daß Begriffe wie Nationalismus, Faschismus, und früher zu Herrschaftszeiten war alles so viel besser, da hatte man noch Respekt vor der Obrigkeit, kannte man Moral, war gesittet und fleißig, da zählte Treue noch, egal ob in der Ehe oder gegenüber Vorgesetzten, da schlug niemand über die Stränge, da wußte jeder, wo sein Platz war, und keiner riß den Mund weit auf, die Welt ist davon nicht untergegangen, der Herr wird es schon richten, daß dies Opfer es wert ist, sich aufzuopfern.

Lustig nicht? Komisch, ja! Falotten allenthalben. Erinnern Sie sich, „fellow“ stammt von dem Wort „fē“ ab, Vieh. Vieh, Zeichen des Reichtums und Sicherheit, und mit einem Partner „fellow“ läßt sich Reichtum und Sicherheit vermehren. Die Falotten vermehren ihre Anhängerschaft durch follower in den großen Weiten des Internets, ob gekaufte oder überzeugte follower, den Falotten kann man nichts verdenken, sie sind doch so lustig und urkomisch.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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