Urapfel aus Kasachstan blieb lange im Verborgenen


https://pixabay.com/de/wildapfel-apfelbaum-%C3%A4pfel-1348116/

pixabay.com

Vom Malus sieversii zu immer weniger Apfelsorten?

Obst und Gemüse innerhalb der Ernährung sind ganz wichtig für unsere Gesundheit. Das weiß inzwischen wohl jeder, auch wenn viele sich nicht dran halten, wir uns die Beschwerden und Folgekrankheiten betrachten aufgrund falschen Eßverhaltens. Gravierend kommt die toxische Belastung hinzu, die durch Pestizide, Kunstdünger und andere Stoffe unseren Speiseplan nicht gerade bereichern.

Das gleiche Schicksal der unbedachten Veränderung hat auch der Malus, wie der Apfel im Lateinischen lautet, erreicht. Der Mensch achtet viel mehr auf Wirtschaftlichkeit und vor allem auf die weitverbreiteten Werbeslogans einer nimmersatten Lebensmittelindustrie, deren einzigstes Ziel nicht etwa das Wohlergehen des Homo sapiens zu sein scheint, sondern lediglich eine schier unendliche Gewinnmaximierung. Ein Apfel hat heutzutage knackig, wässrig und knallfarbig zu sein. Wehe eine Delle, ein brauner Fleck oder einige Runzeln zeigen dem Kunden Kriterien von gewisser Unappetitlichkeit, die diesem in den letzten Jahrzehnten eingeredet wurde! Ein solcher Apfel landet im günstigsten Fall in der Saftpresse, ansonsten auf dem Müll.

In Zentralasien bei Almaty am Fuße des Tian-Shan-Massivs – Wiege des Urapfels

Eine zeitlang lautete die größte Stadt Kasachstans Alma-Ata (von 1921-1993), ehe sie dann wieder Almaty genannt wurde, obwohl davor noch Almati hieß. Im Kasachischen bedeutet alma nun mal Apfel. Das ist natürlich kein Zufall. In der Region um Almaty, welches 80 Kilometer nördlich der kirgisistanischen Grenze liegt, die Volksrepublik China befindet sich 300 Kilometer entfernt im Osten, herrscht ein ausgeprägtes Kontinentalklima, wobei die Winter relativ mild sind, wozu die warmen Luftströme der Wüsten Zentralasiens sicherlich wesentlich beitragen.

Der schon vor Millionen Jahren dort wachsende Urapfel, Malus sieversii, hat sich nicht etwa über die sonst üblichen Wege der Samen ausgebreitet, da die Kerne in einer Hülle eingeschlossen waren, ging das nicht, sondern Bären trugen dazu bei. Diese suchten die besten und süßesten aus, verspeisten sie und erst durch die Auflösung in deren Gedärme konnten die Samen mit der Ausscheidung ihres Kotes den Weg zur Verbreitung finden.

Es war der russische Botaniker und Genetiker Nikolai Iwanowitsch Wawilow, der 1929 diesen Apfel neu entdeckte für die Wissenschaft. Doch durch eine üble Intrige kam er ins Gefängnis und verstarb dort wahrscheinlich sogar an Hunger. 1945 widmete sich der kasachische Diplom-Landwirt, Aimak Dschangaljew Wawilows Entdeckung und entwickelte die Erbforschung weiter. Jedoch sollten nochmals 65 Jahre vergehen, bis schließlich 2010 ein Jahr nach dem Tod Dschangaljews die Entschlüsselung des Erbgutes einwandfrei feststand: Malus sieversii darf als Urapfel bezeichnet werden.

Abholzung gefährdet den Malus sieversii – Polyphenole machen Äpfel wertvoll

In der Region um Almaty herrscht aber kein Umweltbewußtsein, sodaß bereits 70 Prozent der Apfelbäume für immer verschwunden sind. Erst wenn eine höhere Dringlichkeit der Weltöffentlichkeit den vor Ort Verantwortlichen vielleicht entscheidenden Einfluß ausübt und ihnen somit aufzeigt, welch große Chance mit dem Malus sieversii vor der eigenen Haustüre sich bietet, könnten sie wohl einlenken. Daß die sogenannten Polyphenole besonders in getrockneten Äpfeln vorhanden sind, macht sie so wertvoll für unsere Gesundheit, während Pestizide wiederum uns gefährden. Selbst Bioäpfel können nicht mithalten an den Vorteilen des Urapfels, weil dieser einfach eine vielfach höhere Resistenz aufweist, was den Krankheitsbefall anbelangt.

Was wäre da naheliegender, als ihn unbedingt für die Nachwelt zu schützen? Die Bäume des Urapfels sind im Gegensatz zu unseren wahre Baumriesen mit einem Durchmesser von 2 Metern und einer Höhe von 20 bis 30 Metern. Übrigens tragen Polyphenole erheblich dazu bei, das Krebsrisiko zu senken, sowie den Cholesterinspiegel. Nicht zufällig lautet es im Englischen: „An apple a day keeps the doctor away“, was frei übersetzt „ein Apfel am Tag hält den Doktor fern“ bedeutet.

Auch wenn der Malus sieversii bei Paris im Wald von Vincennes gepflanzt wurde, auch eine Ausstellung über den „Ursprung des Apfels“ bis zum 05. März 2012 im Rathaus von Paris zu sehen war, bleibt die Haltung der EU fraglich. Diese hat sich ohnehin festgelegt in ihren Bestimmungen, wie ein Apfel auszuschauen hat, der den europäischen Verbraucher beglücken darf. Was nutzen also sämtliche tollen Erkenntnisse über den neuentdeckten Urapfel, wenn Mensch weiterhin völlig sorglos seine Umwelt zerstört? Nicht viel, und dennoch dürfen wir nicht ruhen, die Verursacher dieser Politik anzumahnen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesundheit abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.