Wer schön will sein, muss leiden Pein


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Haare färben – Wettbewerb der Eitelkeiten

„Sind sie nicht pfuiteuflisch anzuschauen? Plötzlich färben sich die Klassefrauen, weil es Mode ist, die Nägel rot!“ So die ersten Zeilen von Erich Kästners Gedicht „Sogenannte Klassefrauen“, und Mensch funktioniert vorbildlich im gegenseitigen Vergleichen, wer denn der Bessere, die Schönere sei. Das gilt seit längerem auch für Haare färben, einem Wettbewerb der Eitelkeiten.

Kein Gedanke an die Folgen unserer Umwelt, die permanent belastet wird, von den eigenen Gefahren mal ganz zu schweigen. Wer schön will sein, muß leiden Pein – eine wortwörtlich ernstzunehmend eintretende Wahrscheinlichkeit, die einigen noch bevorsteht nach Jahren der unbedachten Haarfärberei?

Wider der Natur trotz Krebsgefahr

„Wenn es Mode wird, sie abzukauen, oder mit dem Hammer blau zu hauen, tuns sie’s auch und freuen sich halbtot.“, setzt sich Kästners Gedicht fort. Und wenn man es vertiefter verinnerlicht, kann man sich nur noch wundern, mit welcher Ahnungslosigkeit immer mehr Frauen, obendrein selbst Männer, sich ihre Haare färben.

An und für sich zunächst eine uralte Methode, die Mensch schon vor drei bis vier Tausend Jahren praktizierte, ob mit Henna oder Indigo, welche auf pflanzlicher Basis weder den Haaren noch der Haut weitreichenden Schaden zufügten. Wer dies heute möchte, kann auf sie zurückgreifen, sollte dennoch darauf achten, daß die Pflanzen pestizidfrei sind.

Doch Mensch, in seiner neugierig fortschreitenden Entwicklung, nahm sich den chemischen Verbindungen im Laufe der folgenden Jahrhunderte an. Bestanden noch vor dem zwanzigsten Jahrhundert die Haarfärbemittel aus anorganischen Silbernitratlösungen oder anderen Metallsalzen, welche bereits mit einer hochgiftigen Pyrogallol-Lösung angereichert wurden, entstand 1895 das erste Haarfärbemittel unter dem Namen „Chenie’s Haarfarbe Fo“ mit dem dauerhaft haltbaren, synthetischen Azofarbstoff. Wider der Natur nimmt Mensch trotz Krebsgefahr das Haarefärben in Kauf?

Ahnungslosigkeit oder Verdrängung – Narzißmus hat die Oberhand

Mithalten, stets dabei sein, bloß nicht auffallen in der Masse gleichgültig sich gegenseitig posierender Zurschaustellung. Pure Ahnungslosigkeit oder Verdrängung? Am Ende hat der Narzißmus die Oberhand, da vielleicht manche keine Mittel mehr haben, sich auf andere Weise zu behaupten oder hervorzutun.

Dann lieber per Kopfschmuck, was selbst das Friseurhandwerk für sich beansprucht bei der Weltmeisterschaft der Friseure. Schaut ganz nett aus, dabei werden sogar richtig tolle, kreative Ideen entwickelt. Bloß im Alltag mag sie kaum jemand wirklich tragen.

Trotz etlicher Warnungen fleißiges Haarefärben

Andererseits muß man auch mal die Dinge beim Namen nennen. Während die USA bereits zurückrudern, was die sogenannten Bleiacetate bzw. Lead Acetate (Farbstoffe CI11680, CI1580, CI20470, und noch wesentlich mehr) anbelangt, die in Haarfärbemitteln vorhanden, dort somit einem Verbot unterliegen, meint die EU einfach, sie weiterhin zu erlauben, obwohl sie nachweisbar unter dem Verdacht stehen, Krebs zu verursachen Aber das verträgt sich halt nicht mit den hohen Gewinnen einer chemischen Industrie, bei der nicht der Mensch wichtig zu sein scheint, sondern unbedingt die eigenen Profite!

Inzwischen können wir beobachten, daß auch zunehmend Jugendliche längst im Fokus gewinnträchtiger Mode- und Chemieindustrie stehen, die alles mit entsprechender Werbung unternimmt, um ihre Kunden zu ködern. Dabei verhelfen selbst etliche TV-Formate, diesen Trend zu pushen. Es fragt niemand, wenn am Ende Folgeerkrankungen eintreten, die Umwelt ohnehin erheblich belastet wird, denken wir an das Grundwasser.

Die dritte Strophe von Kästners Gedicht lautet:

Wenn es Mode wird, die Brust zu färben
oder – falls man die nicht hat – den Bauch…
wenn es Mode wird, als Kind zu sterben
oder sich die Hände gelb zu gerben
bis sie Handschuh’n ähneln, tun sie’s auch.

Vielleicht kann die eine oder der andere Leser/in ein wenig mitnehmen an kritischen Gedanken zum unbedarften Haarefärben. Sie mögen ganz toll aussehen mittels raffinierter Chemie, eventuell „lästiges Grau“ überdecken, doch der Preis kann sehr hoch sein. Unsere Gesundheit sollten wir nicht einfach so riskieren, die Umweltbelastung keinesfalls fördern.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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