Not der Leute interessiert doch keinen mehr heute


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Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert

Erst meckern sie allesamt, daß gegen Ende Mai ein paar mal angeheizt werden mußte, manche Hausbesitzer zunächst uneinsichtig die Heizung nicht anschmissen, sich allerdings der empörten Mieterproteste beugen mußten, und dann erreichte Deutschland diese Trockenheit, die schweißtreibend für Unmut sorgte.

Nie kann einem das Wetter es recht machen, stets finden sich Gründe, um zu meckern. Bolle schlurfte bereits am frühen Morgen um Fünfe durch die Wohnung, fluchte wie ein Rohrspatz über die eigene Unordnung, die entstanden, weil er in den letzten Tagen so gar keine Lust hatte, aufzuräumen. Das Geschirr stapelte sich in der Küche, es roch nicht gerade appetitlich angesichts mancher Essensreste auf den Tellern, einige Fliegen feierten ein Festmahl. Das Telephon rappelte.

„Mönsch Ludger, mußte mir so erschrecken. Ick weeß, du kannst nüscht dafür, bin jerade über meene eigenen Latschen jestolpert. Wat? Ach so, der Terror, wo wir doch neulich drüber jeschwafelt hatten, können wir doch sowieso nicht ändern. Ja, so is et, meen Kumpel! Überhaupt, die Not der Leute interessiert doch keenen mehr heute. Konntest du wunderbar anschaulich bei den Griechen sehen. Wat ham sie alle jetönt, diese EU-Krake, allen voran die Schnepfe vom IWF, diese Christine Lagarde, die den Griechen so richtich Druck machte, sie sollten alle noch mehr sparen. Na, wat globt die denn, wat die Leute im Lande der Pallas Athene noch alles entbehren sollten? Da jeht nüscht mehr, aber immer ruff uff die Menschen! Ick weeß, ick soll mir nich zuviel Sorgen machen, wir Kleenen können eh nix dran ändern“, ereiferte sich Bolle.

Kurzerhand stand er auf, begab sich in die Küche und holte sich eine Tasse Kaffee.

„Da bin ick wieder, Ludger, mußte mir mal ne Tasse Kaffe holen. Ach, das Referendum! Meenste das änderte irgendwas? Wir wissen doch, wie dat ausging, gewisse Kreise waren einfach dabei, den Ausverkauf dieses kleinen Landes voranzutreiben. Ja, war so, haste nich jelesen, Moody’s hatte die griechische Bonität nochmals herabjestuft. Na, siehste, so einfach war dat. Und selbst mit diesem Tsipras ging die janze Chose von vorne wieder los.

Das Modell der EU-Kommission, des IWF und der EZB hat sich so gar nich jerechnet, im Gegenteil, die Karre is so richtich festjefahren im Dreck der versickerten Gelder. Andererseits, das Festhalten am Euro seitens dieser linken Regierung? Ick weeß nich, Ludgar, was dabei so sinnvoll sein soll. Da könnte ick mir janz andere Möglichkeiten vorstellen mit einem Blick gen andere Länder. Ick weeß, die belauschen uns am Telephon. Na, und? Sollen se doch, ick hab nüscht zu verbergen.

Ne, laß man, mein Kumpel, ick glob, ick muß hier mal wieder die Bude uff Vordermann bringen, is ja nich zum Aushalten, ein heilloses Durcheinander. Also, bis demnächst mal wieder, in diesem Sinne: Na Sdarówje!“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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