Ewiger Run nach Erfolg und Wohlstand


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Aus Kindersicht: Warum habt ihr keine Zeit für uns?

„Hektik bestimmt den Alltag, wobei stets alles unter diesem ständigen Zeitdruck zu leiden hat. Abends wurde es mal wieder sehr spät, der Fernseher lief wie immer und aufräumen war einfach nicht mehr drin. Und wieso hat Lotte meinen PC einfach ausgeschaltet, da hatte sich überhaupt kein Gewitter angekündigt, um dies zu rechtfertigen. Mußte denn Mama ausgerechnet meine Comics entdecken, die ich so mühsam vor ihren prüfenden Augen versteckt?“, sinnierte Jonas, versuchte sich die ollen Turnschuhe zu binden, unterließ es aber schließlich und spurtete los, der Bus war bereits im Begriff, ohne ihn gen Schule zu fahren.

Die Welt gestaltet sich in ein unübersehbares Chaos voller Zukunftsängste, wobei selbst dafür nicht genug Spielraum vorhanden, darüber sich erschöpfend Gedanken zu machen. Und überhaupt, aus Kindersicht stellt sich immer öfter die Frage: Warum habt ihr keine Zeit für uns? Müssen alle sich dem ewigen Run nach Erfolg und Wohlstand recken, der eines der kostbarsten Schätze zerstört, das friedlich harmonische Zusammenleben?

Eine Welt des Business opfert ganze Kindheitsträume

Verbleiben wir für einen Augenblick bei Lotte und Jonas, zwei Kindern im Zentrum Europas, deren Eltern dermaßen beruflich eingespannt sind, daß ihr Tagesablauf minutengenau aufs Akribischste geplant über das Wohlergehen der Kinder bestimmt. Dabei dürfen keine unvorhergesehene Dinge geschehen, gefährden diese doch das Plangeschehen, um diesen sozialistischen Begriff einmal zu bemühen, obwohl schon Brecht eindringlich warnte, alle Pläne gingen nicht.

Gleichzeitig sorgt eine alles bestimmende Reizüberflutung nicht nur für zuviel Ablenkung, sie sorgt auch dafür, daß Kindheitsträume nach hinten rücken, sich ihrer nicht mehr angenommen wird, untergehen im Strudel hektischer Betriebsamkeit. Alles dreht und reckt sich nach den Vorgaben einer Wirtschaft, die uns einspannt, ihr zu Diensten zu sein, koste es, was es wolle, bis der Kollaps einer Gesellschaft mit viel zu hohen Erwartungen unvermeintlich eintritt.

Aber was nutzen da solche Feststellungen, können sie dennoch eine dermaßen festgefahrene Entwicklung nicht aufhalten, sie anmahnend zum Nachdenken anregen, damit wieder Zeit und wichtige Muße einkehrt, um ein harmonisches Miteinander zu ermöglichen? Wer den Kindern die Träume vorenthält, darf nicht erwarten, daß die sich zu Erwachsenen entwickeln, Menschen plötzlich im Laufe ihres Lebens dieses Manko einfach ausgleichen – ganz im Gegenteil: Therapienotstand, Single-Dasein bis hin zur Kriminalität vermitteln nur allzu deutlich die verpaßten Folgen.

Schöne heile Welt aalglatter, herzloser Politik verhindert gesundes Umfeld

Man muß einer Gesellschaft dennoch kritisch die Frage stellen, was denn notwendiger sei: das Bedienen wirtschaftlicher Vorgaben oder eine intakte Familienbeziehung? Solange das Einkommen in vielen Berufen ohnehin stetig real sinkt, gleichzeitig Lebenshaltungskosten fortlaufend steigen, braucht man sich nicht zu wundern, daß auch ganze Familien „notversorgt“ diesem Prozeß sich unterzuordnen haben. Selbst die oftmals herbeizitierte Bundesministerin Ursula von der Leyen, die locker flockig leicht ihr „gemeistertes“ Kinderversorgungsfamilienidyll hochhält, muß sich die Frage stellen lassen, was die eigenen Kinder denn von Mama letztlich gehabt haben sollen.

Außer einer soliden Betreuung und Polit-Promi-Bonus bleibt da nicht viel übrig. Was geschieht mit all denjenigen, die mal nicht nonchalant über solche Möglichkeiten verfügen und ständig in Existenzsorgen den Alltag mehr schlecht als recht bewältigen können? Außer sich anhören zu müssen, wie simpel Staat denn helfe, ein gaffendes Umfeld sie be- und verurteilt bei „Pleiten, Pech und Pannen“, verbleibt lediglich das besagte Chaos zerstörter Familienverhältnisse. Dann darf ja mit erhobenem Zeigefinger an das Vorzeige-Paradebeispiel von der Leyen verwiesen werden. Nein, so einfach darf sich Gesellschaft und vor allem Politik das eben nicht machen!

Schließen wir den Kreis und stellen fest: Kindheitsträume unerwünscht, was ist schon Zeit, die kann man schließlich nachholen, wenn man sich nur genug anstrengt und bemüht. Was ganze Generationen täglich unter Beweis stellen, wie gut doch alles funktioniert, darf nicht angezweifelt werden, Kritik unerwünscht. Und wenn schon, dann wird sie schnellstens kleingeredet, geht unter im Geschrei und Getöse lauter Argumente, die allesamt eines übersehen: die völlig normalen Bedürfnisse des Menschen. Doch die haben sich den Vorgaben einer Mehrheit unterzuordnen, die wiederum bedenkenlos die einmal geschickt installierten Systeme angenommen und für gut befunden haben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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