Tablettenabhängigkeit Indiz unserer hektischen Welt


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Eine gerechtere Gesellschaft der Schlüssel zur Besserung

An Symptomen herumdoktern, bringt überhaupt nichts, wie eigentlich bekannt sein sollte. Andererseits neigt Mensch leider schnell dazu, sich in vielerlei Hinsicht blenden zu lassen. Der Glamour einer heilen Welt, die ohnehin nur für die wenigsten Wirklichkeit wird, sorgt für die nötige Ablenkung vom wesentlichen.

Kein Wunder, daß auch die Tablettenabhängigkeit sich dermaßen still und leise durchsetzt, obwohl sie im Grunde genommen nur ein Indiz unserer hektischen Welt. Insofern stellt sich die Frage, welche Ursachen zu einer solchen Sucht führen, die nicht unerheblich den Alltag belastet. Darf man gar unterstellen, daß eine gerechtere Gesellschaft förderlich in jeder Hinsicht? Man darf nicht nur, man muß sogar möglichst scharf beobachtend mögliche Mißstände benennen!

Alltagsstreß keineswegs zufällig – bunte Pillen locken zunächst

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum unser Alltag trotz erheblicher Erleichterung mittels etlicher Haushaltshilfen wie Geschirrspülmaschine, Waschmaschine, Wäschetrockner etc. dennoch eher streßig abläuft im Gegensatz zu alten Zeiten, wo es einen derartig technischen Fortschritt eben nicht gab? Hatten die Menschen generell früher mehr Muße und Gelassenheit?

Sie hatten es trotz einer 46-Stunden-Arbeitswoche, unter anderem das Gehalt eines Alleinverdieners oftmals ausgereicht hat zum Leben. Heutzutage müssen beide Elternteile ran, es reicht dann vielleicht halbwegs, aber der Preis dafür bedeutet sehr viel Streß, wenig Zeit und eine permanente Anforderung, mit der eben nicht jeder ohne weiteres klarkommt.

Genau das hat sich die Pharmaindustrie zunutze gemacht, verlockende bunte Pillen versprechen hilfreiche Linderung. Beruhigungs- und Schlafmittel sollen zunächst den geplagt überforderten „Arbeitssklaven“ ins rechte Lot rücken, damit dieser reibungslos funktionieren möge im Hamsterrad des Alltagstrotts zwischen Haushalt, Job und Freizeit. Wer diesen trügerischen Kreislauf durchbrechen will, muß sich zu einer Suchtberatung bemühen, bevor die eigene Gesundheit gänzlich ruiniert. Immerhin sollte die Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln auch hierzulande nicht unterschätzt werden.

Das System muß von Grund auf geändert werden

Was natürlich keineswegs in einem gewaltigen großen Schritt vollzogen werden kann. Dazu bedarf es zunächst einer deutlichen Feststellung, wo die Ursachen für jede Form des Streßes im Alltag liegen. Solange Menschen gehetzt, äußerst schlecht entlohnt, obendrein vielfach chancenlos einem Arbeitsleben entgegenblicken, wo der Stärkere sich immer durchsetzt, während vermeintlich Schwächere schnell an den Rand der Gesellschaft bis hin zur Armuntsgrenze gedrängt werden, muß unsere Gesellschaft genau dort ansetzen.

Die Wirtschaft ist in erster Linie gefordert in Zusammenarbeit mit der Politik, andere Modelle zu entwickeln, wo das gerechte Wohlergehen des Menschen im Vordergrund steht und nicht die sich seit Jahrhunderten entwickelt etablierte Ausbeutung, bei der stets der Profit einer gewissen kleinen Elite verhalf, ihren Überreichtum ins Unermeßliche zu steigern. Gerechte Verteilung auf alle Schultern muß oberste Priorität bedeuten.

Erst dann, wenn derartige Mißstände behoben, kann und wird die verlockende „bunte Welt“ der Pillen ganz von selbst sich erübrigen. Unser Glück beginnt eben im Alltagsleben, gestaltet sich dies wesentlich sorgenloser, ohne Reibungspunkte des Mobbings, Bossings, einem ellenbogenartigen Konkurrenzgehabe, dann verschwinden Suchtmittel viel eher vom Markt, erreichen nicht mehr viele Menschen. Somit warten noch dringliche Aufgaben auf uns, die es anzupacken gilt, wollen wir nicht den Fortgang einer depressiv kränkelnden Gesellschaft voll zunehmender Gewaltexzesse und Süchtigen tatenlos zuschauen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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