Schäubles kleine Rache aus dem Hinterhalt


Bringt im Herbst den März sehr bald

Muß latürnich Merz lauten, aber das wissen Sie bereits, oder? Drehen wir doch mal das Rad der Zeit ein wenig zurück, als die Bayern- und Hessenwahl noch in weiter Ferne waren, etwa zwei Jahre nach Angela Merkels Entscheidung, Flüchtlinge ins Land zu lassen, eine humanitäre Geste, die manch CDU-Politiker ihr eben nicht verzeihen konnte, so auch Wolfgang Schäuble.

Kurz vor der Bundestagswahl in einem kleinen südbadischen Ort fuhr eine schwarze Limousine vor, drei Herren mit Stöpseln in den Ohren stiegen aus, musterten intensiv die Straße, ein vierter eilte aus dem feudalsten Restaurant, riß die hintere Wagentür auf, nachdem zuvor einer der Dreien den Rollstuhl fachgerecht abgestellt hatte. Wer ihn erkannte, wußte, daß der Wolfgang Schäuble Platz nahm, ins Restaurant gerollt wurde.

Ein Raunen ging durch die neugierige Menschenschar, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingefunden hatte, Pressevertreter waren weit und breit nicht zugegen, zwei Polizisten positionierten sich in Lauerstellung vor die Dörfler, die keinen Mucks von sich gaben, kurz darauf ging jeder seine Wege, weil es nichts mehr zu sehen gab.

„Jetzt lasset doch die Leut abziehe, was könnet die dafür, sind doch auch nur Menschen, oder?“, bemerkte Wolfgang mit hochgezogenen Augenbrauen, als er seinen Platz einnahm am Tisch. Getränke wurden zielsicher gereicht, am anderen Ende saß ein Altbekannter, kein geringerer als Friedrich Merz, der doch eigentlich damit beschäftigt war, sich auf seinen neuen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender des Köln/Bonner Flughafens vorzubereiten, den er im Dezember antreten sollte.

„Besten Dank, Wolfgang, für die innige Einladung. Meinst du nicht, es ist etwas verfrüht, über die Nachfolge von der Angela zu sinieren?“

„Aber nein doch, damit können wir nicht früh genug beginnen, gerade weil sie voraussichtlich kurz vorm vierten Kabinett steht, ich geh mal davon aus, daß wir die Bundestagswahl gewinnen, wenn auch mit ein paar Stimmenverlusten. Aber es langet noch“, erwiderte Wolfgang mit einem schelmischen Grinsen, was stets den Eindruck hinterließ, zu gekünstelt rüberzukommen.

„Nun gut, vielleicht hast du ja Recht, immerhin bist du ja ein paar Jahre länger in der Politik wie ich“, gab Friedrich zum Besten.

„Richtig. Ich denke spätestens nach der Hessenwahl, so gegen Ende Oktober sollten wir die Katze aus dem Säckle lassen, gelle? Dann wäre das medienwirksam zu forcieren. Eventuell früher, falls in Bayern das Desaster einer geschwächten CSU noch größer. Wir werden sehen.“

Wolfgang nahm einen kräftigen Zug vom Weizenbier, während Friedrich eher etwas unsicher am Weißwein nippte. Immerhin war er bekanntlich einige Jahre von der politischen Bühne verschwunden, keiner hatte ihn mehr auf dem Zeiger. ‚Genau das könnte gerade deshalb meine Chance sein‘, überlegte der noch 61-Jährige.

Die Überraschung war gelungen, wie inzwischen die Medien überall sich überschlagend kommentierten. Die Einen freuen sich auf eine Erneuerung, die weit entfernt davon sein wird, aber das interessiert niemand wirklich, Hauptsache neue Gesichter, auf Inhalte kommt es nur zweitrangig an. Wenn die schlafende Wählerschaft es merkt, ist die Kuh vom Eis, sprich der Merz am Drücker. Vielleicht noch ein Spahn, ein Lindner, weil man mit den Grünen doch nicht kann, die Liberalen viel eher den neoliberalen Kurs mittragen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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