Der Brief


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Sehr geehrte Damen und Herren, nein, da war doch ein Name, wie hieß der gleich nochmal, Herr Rechtsanwalt Bernhard Meyerfurth-Stürzenhofecker, also Herr Bernhard Meyerfurth-Stürzenhofecker, sollte ich nicht lieber Herr Rechtsanwalt Bernhard Meyerfurth-Stürzenhofecker schreiben? Das paßt nicht in eine Zeile, kleiner schreiben, quatsch, so schreib ich doch nicht. Ich brauche meine Handschrift doch nicht verändern, wer soll denn wissen, wer ich bin, falsche Unterschrift, falsche Adresse, so geht das.

Dann halt, Sehr geehrter Herr Meyerfurth-Stürzenhofecker, jetzt habe ich den Rechtsanwalt vergessen, ach scheiß drauf, und den Vornamen, der wird schon wissen, wer gemeint ist.

Sie, Herr Rechtsanwalt vertreten, wie heißt der andere nochmal, Herr Schmitz, Schmietz, wie kann man nur Schmietz mit ie heißen. Also, Sie vertreten den Schmietz, da vertreten sie sich mal nicht die Füße, wird eine langwierige Angelegenheit, so wie ich das sehe. Herr Rechtsanwalt, Sie vertreten Herr Schmietz, Herrn Schmietz, soll ich jetzt das Aktenzeichen dazu schreiben, Sie vertreten Herrn Schmitz, Schmietz, ohne Aktenzeichen, wegen dem, wie steht das da, ach, das klingt zu geschwollen, schreib ich einfach, wegen den Büschen und dem Lärm.

Sagen Sie dem Schmietz, der soll vor der eigenen Türe kehren, anstatt friedliebende Nachbarn zu belästigen. Schließlich habe ich anderes zu tun, als mich darum zu kümmern, wie es dem Schmitz, Schmietz geht. Wer ja noch schöner. Ha, das ist gut, ich komme jetzt langsam in Fahrt, soll er doch seine Auffahrt nicht immer ganz mit seinen vielen Autos und Krempel vollstellen, da kann sein Autolack auch nicht zerkratzt werden. Sowieso tät es dem Fettwanst gut, sich zu bewegen, das war jetzt zu dicke, sowieso ist es dem körperlichen Befinden ihres Mandanten nicht abkömmlich, gut, gut bin ich, abkömmlich, den beiden ist immer alles bekömmlich, die können den Hals nicht voll kriegen, fressen sich durch alles durch, in dem sie unbescholtenen Mitmenschen das Leben schwer machen.

Also, ich werd meine Büsche weder schneiden, noch die Musik leiser drehen, obwohl ich könnte dem Jens den Hals umdrehen, wenn er wieder stundenlang seine Musik, Techno, haha, Techno, von Technik und Mechanik keine Ahnung aber diese Kreissägenmusik, bei der der Motor verreckt ist, auf volle Lautstärke durchs Haus jagen, daß sogar im Keller die Scheiben klirren, darf er, denn von dem Schmietz mit ie hat sich mein Sohn nichts zu sagen lassen, überhaupt nicht die, sie haben doch kein bißchen Musikgefühl.

Das Fräulein Tochter des Herrn Schmitz, ich weiß mit ie, Schmietz veranlaßt uns immer alle Fenster und Türen geschlossen zu haben, da sie auf der Fiedel, schreibt man heute noch Fiedel, Geige, Geige, Fiedel klingt zu fröhlich, also die fiedelt so fürchterlich laut und erbärmlich falsch, daß meine Frau, die an Luftnot leidet, Luftnot, das ist gut, die Luft bleibt ihr höchstens weg, wenn sie eine halbe Stunde am Stück vor sich hinmault, weil ihr etwas nicht in den Kram paßt, das hör ich gar nicht mehr, sodaß wir ärztlich verschrieben in allen Räumen ein Notfallset bereit stehen haben, wie heißen die Dinger denn noch mal, ach was, wenn der nachfragt, kann ich mich immer noch kundig machen und so ne Dinger kaufen.

Und überhaupt wegen dem Dämlack, der soll seine alten Keppel, an denen er ständig rumbastelt, halt in seinen Garten stellen, anstatt auf die Auffahrt, das Bequemchen ist zu faul zu laufen, ach wie anstrengend ist es, vom Garten aus vor das Haus zu laufen, wenn man einen Schraubenzieher braucht, vergeßlich ist der auch noch, ständig fremdes Volk auf dem Hof, denen er eine Karre aufdrängen will, leben wir ständig in Angst und Schrecken, man kann ja nie sicher sein, daß da einer dabei ist, der die Nachbarschaft, also meine Familie ausspioniert.

Die Büsche bleiben da, wo sie sind, und so wie sie sind, und in meinem Haus bestimme ich, was Lärm ist und was nicht.

Hochachtungsvoll

Anselm Stadler

Dem hab ich es gegeben, ja, ich komm jetzt zum Essen, bin nicht taub, Jens, Jens, stell das verdammte, mach den Ton leiser, man versteht das eigene Wort nicht mehr, Jens, Emma, ich komm doch schon, mußt nicht gleich wieder zur Furie werden.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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