Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 3


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Ein kurzes Piepen signalisierte ihm, daß eine SMS auf seinem Handy eingetroffen war. Zugleich las er vor.

„Halter konnte nicht ermittelt werden, es handelt sich um keinen Diebstahl, das Kennzeichen gibt es gar nicht, muß insofern eine Fälschung sein. Die Fahndung nach dem dunkelblauen Golf läuft“, las er vor. Jetzt wußten die beiden, daß etwas äußerst schräges im Spiel war. Nur was? Wieso ließ Chantal solches geschehen, wobei gleichzeitig Mißtrauen aufkommen würde? Freddy und Mike gingen schweigsam nebeneinander her, waren total verunsichert.

Die Auflösung

Gelassen und äußerst entspannt lag Chantal, alle Viere von sich gestreckt auf ihrem großen Bett, genoß es, mit geschlossenen Augen ihre Genugtuung in vollen Zügen auszukosten. Wieder einmal hatte sie ihr besonderers Potential bewiesen, inwieweit ihre schauspielerische Fähigkeiten ankamen, das Gegenüber ihr jede Rolle abnahm.

Natürlich verhalfen gewisse Ablenkungen wie der dunkelblaue Golf, das Bild vom verruchten Geheimdienst zu bestätigen, jeder Unwissende hatte halt seine ganz eigenen Film- oder Romansequenzen im Kopf, was bei derartigen Treffen ausschlaggebend sein möge, um die Ernsthaftigkeit zu unterstreichen. Obendrein hatte es Chantal sehr gut verstanden, die beiden Ahnungslosen um den Finger zu wickeln.

Unverkennbar hatte sie es geschafft, erst recht Freddy und Mike mit ihrem Wissen über sie zu beeindrucken. Zusammen mit ihrer äußeren, seriösen Erscheinung, ihrem Auftreten, verflog im Nu jedwede Skepsis, bevor sie Fuß fassen konnte. Ganz vertieft in dem Wissen, daß ihre jeweilige berufliche Fähigkeiten gefragt sein sollen, meinte ein jeder, er sei der prädestiniertere, begann zugleich ein kleiner Konkurrenzkampf zwischen den beiden Freunden.

„Weißt du, Mike, wer mit der CIA zusammenarbeiten darf, der muß im Vorfeld schon so einiges geleistet haben, damit die auf einen aufmerksam werden, oder? Und bevor du mir zugleich ins Wort fällst“, betonte er auffordernd, „ich als Journalist bin stets mit der ganzen Welt verbunden, während du selbst nur dein begrenztes, berufliches Umfeld kennst.“ Freddy wußte natürlich, daß Mike dies niemals auf sich beruhen lassen würde, dieser somit schnell antwortete.

„Ach, Freddy, das mag schon sein, dennoch, unterschätze niemals die Errungenschaften einer rasant technischen Entwicklung, die gerade die Welt revolutioniert, sehr viele Berufe, nahezu die gesamte Wirtschaft in Abhängigkeit zum Computerwesen steht!“, erwiderte er und grinste dabei, sich ein stilles Wasser einschenkend.

Plötzlich klingelte es an der Wohnungstür, lang und anhaltend, die beiden schauten sich ein wenig ratlos an, bevor Freddy die Initiative ergriff und vorsichtig die Tür öffnete. Im selben Moment kam ihnen Chantal entgegen, begleitet von einem Fernsehteam, lautes Gelächter verdeutlichte, daß gleich mehrere im Flur standen, die allesamt Mikes Wohnung betraten.

„Hallo ihr beiden, schön euch hier anzutreffen, obwohl wir das ebenso wußten“, begann Chantal, wobei der Kameramann gelassen die Begrüßungsszene aufnahm, das Mikrophon über den Dreien in korrektem Abstand schwebte. Mike grinste unsicher in die Linse, während Freddy es sich nicht nehmen ließ, Chantal übertrieben herzlich zu umarmen. Etwas verlegen schaute ein Mittsechziger in die Runde, wies das Team an, einfach alle Geräte abzuschalten.

„Meine Herren, hiermit endet das Experiment, wie sie wohl selbst vielleicht jetzt erkannt haben. Ihre schnelle Bereitschaft mit der vermeintlichen CIA zu kooperieren, zeigt nur zu deutlich, wie blauäugig selbst Menschen in Ihren Berufen über diesen US-Dienst denken, ohne im geringsten zu erahnen, auf was Sie sich dabei eigentlich einlassen. Geheimdienste schnüffeln nicht nur einfach so für ihren Staat herum, wie das gerade in der Welt der Bücher oder des Fernsehens vermittelt wird, sondern leisten ein bösartig zielgerichtetes Vorhaben, bei dem stets der Auftraggeber niemals sämtliche Karten auf den Tisch legt. Der Dienst selbst wird ganz bewußt im Unklaren gelassen, wobei gleichzeitig eine sehr harte Hierarchie herrscht und jedwede Fehlleistung unter Umständen zum Tode führen kann, nicht zufällig, sondern per Befehl und ziemlich sauber. Hinterher halten selbst offizielle Polizeibehörden die Füße still“, schilderte ihnen der Regisseur.

Chantal pflichtete ihm bei, empfahl sich den beiden erstaunten Freunden noch, reichte ihnen dennoch ihre Visitenkarte, als Sekunden später das Team auch schon wieder die Wohnung verließ.

Lotar Martin Kamm

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 1

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 2

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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