Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 2


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„Gut kombiniert, Mike. So ist es. Aber wir wollen die Auftraggeber ab jetzt nie wieder einfach so aussprechen, Ihr müßt nämlich wissen, daß in öffentlichen, unabgeschirmten Räumen niemand etwas verborgen bleibt, sie können einfach alles abhören. Unser Gespräch hier ist schon ausreichend genug, dient ja nur der unverbindlichen Kontaktaufnahme. Daß die Gegenseite Euch jetzt schon bereits kennt, insofern Ihr sie ständig am Bein haben werdet, soll egal sein. Wir wissen sie bestimmt in die Irre leiten zu können“, erwiderte sie und lächelte ihnen zu.

Im Gegensatz zu Mike war Freddy Journalist, arbeitete beim Tagesspiegel, hatte somit Zugang zu etlichen Infos, die meistens nur dem systemtreuen O-Ton einer US-amerikanischen Linie dienten. Die wenigen Ungereimtheiten behielt er viel lieber für sich, auch, daß er inzwischen längst mit manch wirklich freien Medien liebäugelte. Es war nicht leicht in diesen Zeiten eines neu aufgeflammten kalten Krieges, zwischen den USA und Russland den Überblick zu behalten, besonders wenn man einseitig eingespannt war. Und jetzt dieses zweideutige Angebot! Irgendwie stieß ihm das sehr unwohl auf.

„Du kannst dir natürlich vorstellen, daß wir Euer Angebot erst mal verdauen müssen, ein wenig Bedenkzeit benötigen, oder?“, ließ Freddy folglich verlauten und schaute seinem Freund fest in die Augen. Mike hatte den Blick sofortigst begriffen und reagierte sehr diplo-matisch.

„Was Freddy damit sagen möchte, wir fühlen uns natürlich geehrt, Euch helfen zu dürfen. Aber es kommt halt sehr überraschend. Ich selbst habe Familie, Frau und zwei Kinder, Freddy hat sich ganz neu verliebt, da bedarf es gründlicher Vorbereitung etc.“, betonte Mike.

Chantal schaute von einem zum anderen, band ihre braunen, langen Haare hinten zu einem Pferdeschwanz zusammen und stülpte ein Gummi über. Das stand ihr ganz gut, ließ sie ein wenig frischer aussehen, ihr Gesicht kam viel besser zur Geltung.

„Klar doch, keine Sorge, das gehört dazu, die Überlegung. Dafür haben wir natürlich größtes Verständnis. Wir geben Euch 24 Stunden Bedenkzeit, das muß reichen. Schließlich sind wir ohnehin sicher, daß Ihr zustimmen werdet“, betonte sie und erhob sich, steckte der vorbeigehenden Kellnerin einen Geldschein zu, der vollkommen ausreichte für alle Getränke und war ziemlich schnell verschwunden. Mike und Freddy schauten ihr mit offenem Mund hinterher.

Im Auftrag einer unberechenbaren Macht

Erst jetzt bemerkten die beiden, daß einige Gäste des Cafés wohl auf sie aufmerksam geworden waren, zumindest entstand das typische Getuschel, teilweise hinter vorgehaltener Hand oder gesenktem, weggedrehten Kopf. Doch besonders Freddy ließ sich nichts anmerken, grinste erst recht provozierend in die Runde, nickte Mike auffordernd zu, ihm einfach zu folgen, was dieser mit einer kleinen Tanzeinlage gerne tat.

Ein 11-jähriges Mädchen am Nebentisch kicherte daraufhin, während ihre Mutter sie abstrafend scharf zischelnd zurechtwies. Das bekamen sie allerdings nicht mehr mit, da sie längst die Lietzenburger Straße aufgeregt entlangschlenderten. So bemerkten sie nicht, daß ihnen ein unauffälliger, dunkelblauer Golf folgte.

„Sag mal, Mike, du weißt schon, was diese Chantal da mit uns vorhat, oder?“, bemerkte Freddy und schaute kurz auf seine Armbanduhr. Mike widerfuhr es zugleich, daß er nicht so blauäugig sei und erst recht als Familienvater erheblich jetzt zögere. Andererseits könne er sich gut vorstellen, inwieweit seine Informatikkenntnisse gefragt seien.

„Und wie lange sollen wir abwarten, bis gegen Ende der Bedenkzeit?“, hakte Freddy daraufhin nach. Mike war zunächst mal in Gedanken vertieft, überlegte das Für und Wider, hatte dabei kein gutes Gefühl.

„Jetzt obliegt es gerade dir, deine Kontakte vorsichtig anzuzapfen, wer wohl dahinter stecken möge, oder? Ich weiß, daß ihr Journalisten etliche Quellen habt!“, betonte Mike eindringlich, was Freddy per Kopfnicken bestätigte.

Im selben Moment vernahmen die beiden Freunde heftiges Reifenquitschen bei gleichzeitigem Hupen, ein dunkelblauer Golf fuhr laut aufheulend weiter, während das andere Fahrzeug um ein Haar die parkenden Autos gerammt hätte und vorsichtig wieder seine Fahrt fortsetzte. Freddy schaute dem Golf hinterher, notierte sich auf seinem Handy das Kfz-Kennzeichen.

„Okay, an Zufall will ich so gar nicht glauben“, sagte er zu Mike, „mal schauen, was die Jungs vom Revier mir mitteilen, dürfte nur wenige Augenblicke dauern, dann wissen wir, was es mit diesem Golf auf sich hat.“ Mikes Stirnrunzeln verriet ihm, daß dieser in Sorge sich befand. ‚Schön und gut, sie hat uns gezielt angesprochen, kennt uns daher ohnehin bestimmt relativ gut‘, überlegte der Informatiker. Seine Unsicherheit ließ sich nicht mehr verbergen, zumal Angstschweißperlen auf seiner Stirn langsam nach unten an den Wangen herabliefen. Freddy registrierte dies, ignorierte zugleich die Bedenken seines Freundes.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 1

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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