Erdoğans Einfluss zensiert Kunst in Deutschland


„Türkischer Diktator“ von Thomas Baumgärtel in Cubus-Kunsthalle Duisburg

Darf man der Republik Türkei bescheinigen, sie sei einerseits ein Nato-Verbündeter, während anderseits in Deutschland ein siebzehntes Bundesland sich befinde, ein Erdoganien, eine despotische Enklave unter der Fuchtel ihres Alleinherrschers, der jede Gelegenheit nutzt, potentielle Feinde als Terroristen abzustempeln?

Man sollte sogar, zumal jüngst der „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel schon einmal barsch zensiert wurde im Februar dieses Jahres während der Art Karlsruhe, mit dem Ergebnis, daß sein Werk „Türkischer Diktator“ abgehängt wurde. Dies sorgt nunmehr für etliche Beschwerden und Bedrohungen in der Duisburger Cubus-Kunsthalle, die Ausstellung steht unter Polizeischutz.

Kritik unerwünscht – Erdoğan pöbelt weiter nach Deutschlandbesuch

So kennt man ihn halt. Das Fatale daran, jene selbstverursachte internationale Abhängigkeit, nicht nur wegen der Nato-Mitgliedschaft, wirtschaftliche Verbindungen dürften den Hauptanteil haben. Nach dessen erneutem Wahlbetrug nimmt das türkische Sultanat konkrete Formen an, die keineswegs politische Beobachter überraschen.

Entsprechender Unmut verbreitete sich rasch mit dem letztmaligen Besuch des Despoten hierzulande, Erdogan fühlt sich von Steinmeier ungastlich behandelt, tönte es direkt nach dem Deutschlandbesuch. Eine Bestätigung erdoganischer Politik, die das installierte Sultanat explizit unterstreicht, trotz anhaltender Zunahme wirtschaftlicher Not im Lande wegen extremer Preissteigerungen, spricht der „türkische Pascha“ davon, daß die Talsohle bereits durchschritten sei beim starkem Wertverlust der Lira.

Wer die Kunst zensiert, verlangt morgen ganz andere Prioritäten?

Wenn schon in Erdoganien, bzw. in Berlin plötzlich „Özel Harekat“-Polizeiautos gesichtet werden, die natürlich Erdogan-Kritikern Angst einjagen, sollte die Bundespolitik längst selbstkritisch sich die Frage eingestehen, ob sie nicht die Zügel in der Türkei-Politik viel zu locker hat schweifen lassen!

Der „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel läßt sich keineswegs beeindrucken, übt seit Jahren Kritik mit seiner Kunst und den Serien Holocaust, Menschenmassen, Städtebilder und Supermarkt in Acryl-Malerei, hinterläßt das ein oder andere Bananen-Werk, wie das gesprayte Bild unter der Überschrift „Freiheit!“ an einer Neuwieder Hauswand als Reaktion zum Charlie-Hebdo-Attentat.

Terror beschäftigt natürlich gleichwohl Kunstschaffende. Richtig dramatisch wird es, wenn Despoten sich erlauben, nicht nur im eigenen Land Künstler zu zensieren, sie dort einzuschüchtern oder wegzusperren, sondern auch hierzulande sich vehement einmischen. Das sollte erst recht Anlaß genug sein, ihn in die Schranken zu weisen, die letztmalige Hofierung zum Deutschlandbesuch was alles andere als notwendig.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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