Friedensnobelpreis 2018 kein Indiz für weltpolitische Entspannung


Nadia Murad und Denis Mukwege engagieren sich gegen sexuelle Gewalt

Generell belastet Gewalt weltweit jede Gesellschaft mit all ihren brutalen und häßlichen Auswüchsen, was sich ganz besonders in kriegerischen Auseinandersetzungen widerspiegelt, sexueller Mißbrauch dort erst recht völlig selbstverständlich bis heute stattfindet, da dieser ohnehin oftmals als Bagatelle hingestellt wird.

Der irakischen Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad, einer Überlebenden des Genozids an den Jesiden vor vier Jahren, und dem kongolesischen Gynäkologen und Menschenrechtsaktivisten Denis Mukwege wurde der diesjährige Friedensnobelpreis verliehen, dieser ehrt damit ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt. Die Publizistin Düzen Tekkal beschreibt im Inteview das nahezu aussichtslose Schicksal der bedrohten Jesiden unter der Herrschaft des IS.

Religionen im Fokus als Opium fürs Volk – Stütze oder Zwietracht?

Religionskriege und Schreckensherrschaften im Namen Gottes, Allahs oder sonstiger Anzubetende, bis hin zu Götzen durchziehen die Menschheitsgeschichte seit und eh je, belasten daher gleichwohl das friedliche Miteinander, obwohl es genügend Beispiele gibt, daß trotz allem eine gegenseitige Akzeptanz und Toleranz funktionieren kann.

Die Jesiden als religiöse Minderheit, die ursprünglich im Norden Syriens und des Iraks als auch in der südlichen Türkei hauptsächlich sich ansiedelten, wurden von anderen Religionen wie dem Christen- und dem Judentum, erst recht vom Islam nicht anerkannt, eher verpönt oder gar verfolgt. Es ist die Terrormiliz Islamischer Staat, die am 03. August 2014 das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden in Sindschar gezielt überfiel, der Beginn eines weiteren Völkermords, wobei auch Nadia Murad in Gefangenschaft geriet, 18 Familienmitglieder ermordet wurden. Dennoch gelang ihr die Flucht, verfolgte sie ihren konsequenten Weg nach psychotherapeutischer Betreuung in Deutschland als Menschenrechtsaktivistin.

Ohne jene brutalen Auseinandersetzungen religiöser Verfeindungen wäre Mensch anders gepolt? Eine gewagte These, einerseits vom Opium des Volkes zu reden, die Karl Marx so gern vertrat, deren Ursprung eher auf Heinrich Heine zurückzuführen ist. Dem muß man nicht zustimmen, kann sie für all die Millionen Gläubigen zugleich Stütze sein im Alltag, wäre da nicht der fatale Machtmißbrauch, eine häßliche Eigenschaft des Menschen.

Denis Mukwege spezialisiert auf die Folgen sexualisierter Kriegsgewalt

Trotzdem er gar vor sechs Jahren beinahe im eigenen Hause ermordet wurde, nur überlebte, weil sein langjähriger Mitarbeiter, Joseph Bizimana, die Eindringlinge ablenkte, dadurch selbst erschossen wurde, setzt Denis Mukwege unbeirrt seinen Weg fort, auf die Folgen sexualisierter Kriegsgewalt aufmerksam zu machen, behandelt nach wie vor im Panzi-Hospital vergewaltigte Frauen.

Dabei appelliert er mit Nachdruck an die Weltgemeischaft, daß der Krieg in der DR Kongo kein Ende finden wird angesichts der dortigst vorhandenen Bodenschätze, hauptsächlich sexualisierte Gewalt als Mittel der Kriegsführung an der Tagesordnung ist, während die UNO weiterhin eben dies nicht einhellig verurteilt.

Ein dramatisches Fazit trotz manch Hoffnungsschimmer

Was nützen all die Ehrungen oder ein Friedensnobelpreis, wenn Menschen dermaßen brutal aufeinander losgehen, vergewaltigend, mordend, im Namen Gottes oder aus purer Lust, die Schöpfung mißachtend?

Solange eine Nadia Murad und ein Denis Mukwege wenigstens mit Respekt behandelt und deren Engagement entsprechend gewürdigt werden, statt ein Donald Trump oder ein Kim Jong-un, die schließlich auch zur Debatte standen, diesen Friedensnobelpreis erhalten zu können, besteht noch ein Restfunken Hoffnung, hat das Nobelpreiskomitee zumindest weise gehandelt und entschieden.

Da Gewalt untereinander unsere Spezies beherrscht, werden auch Kriege auf Mutter Erde wüten. Erst wenn im kollektiven Gedächtnis haften geblieben, daß spirituelle Wege Verbindungen mit dem Kosmos ermöglichen, beginnt eine gänzlich andere Dimension, die man zurecht als Frieden bezeichnen darf.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.