In Erinnerung an Otto Piene, Wegbereiter der Feuer- und Lichtkunst


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Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Natur und Technik vereint in seinen Werken

Otto Piene, der Mitbegründer der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO, verstarb am 17. Juli 2014 während einer Taxifahrt in Berlin an einem Herzinfarkt, da er sich in der Hauptstadt aufhielt, um zwecks der Eröffnung einer Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie zu seinem Werk präsent zu sein.

Die Welt hatte einen ihren großen Wegbereiter der Nachkriegskunst verloren, dem nichts wichtiger erschien als mit seinem Drei-Wort-Satz, „Licht ist Leben“, den Menschen da draußen zu vermitteln, daß die Reinheit des Lichts der Empathie äußerst förderlich sei.

ZERO, Medienkunst und Performances – Pienes Feuer, Licht und Luft

Zusammen mit Otto Heinz Mack gründete er am 11. April 1957 die Künstlergruppe ZERO, vier Jahre später kam der Maler und Objektkünstler Günther Uecker hinzu, in einem Krefelder Kaffeehaus entwarfen sie das Manifest Zero – der neue Idealismus:

„Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero dreht sich. Zero ist der Mond. Die Sonne ist Zero. Zero ist weiss. Die Wüste Zero. Der Himmel über Zero. Die Nacht –, Zero fließt. Das Auge Zero. Nabel. Mund. Kuß. Die Milch ist rund. Die Blume Zero der Vogel. Schweigend. Schwebend. Ich esse Zero, ich trinke Zero, ich schlafe Zero, ich wache Zero, ich liebe Zero. Zero ist schön, dynamo, dynamo, dynamo. Die Bäume im Frühling, der Schnee, Feuer, Wasser, Meer. Rot orange gelb grün indigo blau violett Zero Zero Regenbogen. 4 3 2 1 Zero. Gold und Silber, Schall und Rauch. Wanderzirkus Zero. Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero ist Zero.“ (ZERO: Katalog Mack-Piene-Uecker. Kestner Gesellschaft, Hannover 1965)

Wer sich mit Kunst ernsthaft auseinandersetzt, weiß nur zu gut, welch wichtige Einflüsse vorhanden sein müssen, um das Wirken maßgeblich entstehen lassen zu können, der Satz, „Wenn dich die Muse küßt“, hat durchaus seine tiefere Bedeutung. Man kann sich daher gut vorstellen, welch innere Beweggründe die drei Künstler veranlaßten, diese Zeilen zu verfassen.

Otto Piene, dessen kriegstraumatischen Erlebnisse als 15-jähriger Soldat ihn von da ab einprägsam begleitet haben, widmete sich vielleicht auch gerade deshalb dem Feuer, dem Licht und der Luft – das Feuer, eine häßliche Begleiterscheinung des Zweiten Weltkriegs, Licht symbolisch als rettender Wegweiser aus dessen aussichtlosen Kämpfen und Luft wiederum in Kombination zum Licht selbst die Befreiung wohl darstellte, das Aufatmen in neuen Friedenszeiten.

Verständlich, daß der junge Piene neue Wege suchte in der Medienkunst, aber auch in Performances. Anstatt das Angebot für einen Lehrstuhl an der Staatlichen Akademie für Bildene Künstler Stuttgart anzunehmen, begab es sich ans Massachusetts Institute of Technology, um dortigst als Professor für Umweltkunst zu wirken. Zwei Jahre später wurde er als Direktor beim Center for Advanced Visual Studies (CAVS) berufen, blieb dies zwanzig Jahre lang.

Ebenso die Stiftung-Ethik & Ökonomie trauerte um ihren langjährigen Mäzen Otto Piene, der sich zutiefst verbunden fühlte, die Stiftung unterstützte. Dadurch unterstrich Piene sein sozialkritisches Engagement erst recht, welches sich in dem ein oder anderen Werk durchaus widerspiegelt.

„Ja, ich träume von einer besseren Welt. Sollte ich von einer schlechteren träumen? Ja, ich wünsche mir eine weitere Welt. Sollte ich mir eine engere wünschen?“ (Otto Piene)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kulturelles

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