Ehe-Aus, Tochter und Wohnung weg


https://pixabay.com/de/frau-verzweifelt-traurig-tr%C3%A4nen-1006102/

pixabay.com

Trotz langen Kampfes schon am Ende?

Dies ist ein Teil ihrer authentischen Lebensgeschichte, die uns Eva nach langem Zögern mitteilte. Sowohl ihr Namen als auch der ihrer Tochter Lisa sind hierbei zum eigenen Schutz ein Pseudonym, versteht sich. Manchmal bleibt einem nichts anderes übrig, als sich hoffnungsvoll jemand anzuvertrauen, das eigene Leid in Worte zu fassen, so wie Eva es nach den zurückliegenden Jahrzehnten hier auch tat.

Schaffen wir ihr einen Raum der Mitteilung, in dem sicherlich noch genügend Fragen verbleiben, zumal nicht das Leben sich mal eben in ein paar Seiten schildern läßt. Auf der anderen Seite kommt es viel eher darauf an, das Wesentliche zu artikulieren.

Die „heile Welt“ mit Mann und Kind – ein Trugbild

Eva wurde in den USA geboren, wuchs aber schon sehr bald in der Kindheit im baskischen Spanien auf, ging dort zur Schule und absolvierte eine Ausbildung zur Altenpflegerin. In jener Zeit verliebte sie sich in ihren ersten Freund, doch die Beziehung scheiterte nach etlichen Differenzen. Sie lernte bald einen Deutschen kennen, ihren zukünftigen Mann, der ziemlich gut Spanisch sprechen konnte, was sie wiederum fuchste und beflügelte, sich schnell Deutschkenntnisse anzueignen. Die zügige Heirat „war wohl das Schlimmste, was mir hätte passieren können“, versicherte sie.

Kurz nach der Wende zog sie zunächst nach Hamburg, wobei die Auflage darin bestand, nur dort arbeiten zu können. In Köln jedoch traf sie bei der dortigen Ausländerbehörde einen kompetenten, hilfsbereiten Sachbearbeiter, der sie gut beriet, so daß sie „Fuß fassen konnte“, wie sie ausführte. Noch in ihrer Hochzeitsnacht zeugten sie wohl ihre Tochter Lisa, wie sich dann herausstellte. Aber die Familie ihres Mannes machte ihr das Leben schwer, hatte einen regelrechten Haß auf Eva. Hinzu kam, daß Lisa von Beginn an ein sogenanntes „Schreikind“ war, erste Probleme im Kindergarten auftauchten, die sich niemand zunächst erklären vermochte.

Der Leidensweg mit der Schule, den Ämtern, den Gerichten und die Folgen

Kaum in der Grundschule, begann Lisa frechweg mit ihren Lehrern auf Diskussionen sich einzulassen, statt schön brav dem Unterricht zu folgen. Schnell waren die Pädagogen genervt, hatten wenig Verständnis für Evas Tochter. Mit zunehmenden Alter schaltete sich das Schulamt ein, selbst ihr Ehemann hielt nicht zu Eva, folglich wurde Lisa ziemlich giftig von den Lehrern behandelt, auch etliche Mitschüler kamen somit nicht mit ihr zurecht.

Als schließlich gar die Lehrer in der Realschule den Schulleiter veranlaßten, daß dieser das Schulamt informieren möge, jener Behörde nichts besseres einfiel, den Weg in eine Sonderschule zu beantragen, zog Eva gerade noch rechtzeitig die Notbremse. Es folgte der Besuch bei einer Psychologin, die Lisa ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) bescheinigte und gar einen IQ von 134 beim Intelligenz-Test ermittelte, was Eva insgesamt immerhin 500 € kostete.

Im Zuge eines solchen Ergebnisses hatte sie das große Glück, daß eine Privatschule sich bereit erklärte, Lisa aufzunehmen. Zugleich beschied das zuständige, längst eingeschaltete Jugendamt, daß monatlich Berichte eingehen mögen, besonders auf Druck seitens des Schulamtes, welches zähneknirschend nicht intervenieren konnte, weil dessen Zuständigkeit beim Besuch einer Privatschule nicht gegeben war.

Eine glückliche Fügung war der Kontakt zu einer Journalistin, die sich auch für Eva und Lisa einsetzte, es folgte ein Artikel in der Regionalzeitung, sodaß entsprechendes Feedback entstand, andere Betroffene mit ähnlichen Schicksalen sich meldeten.

Rosenkrieg und Scheidung, Eigentumswohnung ein Flop, Tochter weg

Ende gut alles gut? Mitnichten. Inzwischen hatte sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, weil die vielen Behördengänge dadurch leichter verliefen. Die Ehe litt unter dem langen Kampf mit den Ämtern, der eigene Mann ohnehin ständig an Eva gezweifelt hatte, sie als „dummes Hausmütterchen“ betrachtete, Gewalt ins Spiel kam, er sie schlug. Nach dem zweiten Vorfall gab sie ihm unmißverständlich zu verstehen, ihn umzubringen, sollte er dies wiederholen.

Ein sich hinziehender Rosenkrieg war die Folge, am Ende kam es zur Scheidung. Danach lief es für Eva keineswegs besser. Ein jeder kennt den Begriff von Schrott-Immobilien. Und auch Eva ging einem solchen Angebot auf den Leim. Mithilfe ihrer Mutter erwarb sie eine Eigentumswohnung, sehr günstig gelegen in ihrer Kleinstadt, fünf Minuten vom Zentrum und zehn Minuten bis hin zu den Lebensmittelgeschäften. Im übrigen versuchte auch ihr Ex-Mann der Eigentumswohnung habhaft zu werden.

Die Wohnung in einem 3-Familienhaus wurde von einer Hausverwalterin grobfahrläßig verwaltet, das sanierungsbedürftige Dach wurde nicht reparariert trotz etlicher Bitten Evas, deren Wohnung sich unter dem Dach befand, sie daher Hauptbetroffene war. Trotz Gerichtsverhandlungen geschah nichts zur Behebung, die zuständige Polizei glänzte durch Untätigkeit, ihr neuer Partner und die Tochter wurden gar vom Umfeld der Hausverwaltung bedroht. Ein hinzugezogener Architekt konnte Eva ebenso nicht helfen. Der schlechte Ruf der Hausverwalterin wurde ihr nach längerer Nachforschung zur Gewißheit. Das alles führte direkt bei Eva zur Erkrankung, sie konnte ihren Beruf nicht mehr ausüben. Schließlich fruchteten die Hetztiraden ihres Ex-Mannes bei Lisa, zugleich er auch finanziell wesentlich besser dastand, so daß Lisa Eva verließ und beim Vater einzog.

Nach Selbstmordversuch keinerlei Besserung

Ungefähr ein halbes Jahr später versuchte Eva sich das Leben zu nehmen, was aber mißlang. Als Lisa von ihrem Vater erfuhr, was geschehen war, reagierte sie ziemlich kaltherzig mit der Bemerkung: „Bring doch die Alte in die Klapse!“ Eine hinzugezogene Frau vom Opferschutz der Kripo versicherte Eva, daß sie ihr nicht helfen könne, gar selber an den bestehenden Gesetzen zweifle.

Seitdem lebte Eva in einer Wohngemeinschaft, in einer Mietwohnung, ihre bewohnte Eigentumswohnung, um nicht noch größere Verluste zu haben, wurde seitens der dortigen Mieterin kaum bis gar nicht beheizt, aus undurchsichtigen Gründen, der eingeschaltete Makler versuchte, bestmöglich Evas Eigentumswohnung zu verkaufen, was auf alle Fälle einen großen Verlust für sie bedeutet hätte, angesichts der dortigen Zu- und Umstände.

Lisa habe wenigstens ihr Abitur absolviert, studiere in Süddeutschland, wobei ihr Ex-Mann sie finanziell unterstütze, versicherte Eva, sie habe keinerlei Kontakt mehr zur Tochter, zumindest hätte das Jugendamt damals einen großen Teil der Kosten für die Privatschule übernommen. Der Jugendamtschef hätte noch betont, er wäre froh, wenn alle Mütter sich dermaßen für ihre Kinder einsetzen würden wie Eva. Selbst die Polizei habe wohl im Nachhinein zugegeben, daß sie oftmals falsch reagiert hätte und untätig gewesen sei.

Ganz wichtig, betonte Eva, daß die Gesellschaft bemerken sollte, was hier so alles schief lief, wie schnell man in derartige Widrigkeiten geraten könne. Einige Telephonate mit Eva führten wir vor über drei Jahren für diese Zeilen, inzwischen ist sie verstorben. Möge sie in Frieden ruhen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.