Nichtraucherschutz und Raucherinteressen im täglichen Konflikt


https://pixabay.com/de/fantasy-m%C3%A4dchen-skelett-zigarette-3554342/

pixabay.com

Rück- oder Einsicht läßt zu wünschen übrig

Was nutzt schon ein Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, welches gegen Ende Februar 2005 in Kraft trat, gleichwohl Deutschland unterzeichnete, wenn bereits sechs Jahre später das Aktionsbündnis Nichtrauchen zusammen mit der Deutschen Krebshilfe feststellen muß, daß ein entschiedener Nichtraucherschutz und Maßnahmen gegen das Passivrauchen kaum greifen? Obendrein zeigen sich in der Praxis mal wieder die Nachteile unserer föderalen Republik, weil eben unterschiedliche Regelungen greifen.

Insofern flammen immer wieder Diskussionen auf, in der sich insbesondere Raucher gegängelt und somit diskriminiert fühlen, während Nichtraucher im täglichen Konflikt einer unverhohlenen Rücksichtslosigkeit ausgesetzt sind. Ein stolz verkündeter Nichtrauchertag wirkt daher leider nicht entschieden genug.

Eine Sucht, die es in sich hat

Zunächst einmal schauen wir uns doch mal an, was jeder Raucher sich mit dieser Sucht da zumutet. Die Schlüsselsubstanz in Tabakwaren ist das Alkaloid Nikotin, welches für den menschlichen Organismus hochgiftig ist, 60 Milligramm reines Nikotin können bereits für Erwachsene tödlich sein. Während das im Tabakrauch enthaltene Nikotin durch die Lunge in den Körper gelangt, löst es im Gehirn zunächst ein Gefühl angenehmer Stimulation aus, es zeigt sich sogar bei höheren Konzentrationen ein entspannender Effekt aus, wirkt somit auch wie ein Antidepressivum.

Und genau dieser Effekt macht süchtig – Raucher benötigen diesen Nikotin-Kick immer wieder. In Zigaretten sind aber mehr als 4.000 meist giftige Verbindungen enthalten. Die Inhaltsstoffe u.a. sind Akrolein, Ammoniak, Benzol, Formaldehyd, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Phenole, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine, Stickoxide, Schwefeldioxid sowie Spurenelemente wie Cadmium und Nickel. Sie sind für die langfristigen Gesundheitsschädigungen verantwortlich.

Die häufigste Todesursache bei Rauchern sind Herz- und Kreislauferkrankungen und nicht Krebs selbst. Das Rauchen löst aber viele verschiedene Krebserkrankungen aus. Bis zu 30 Prozent aller Krebs-Todesfälle sind direkt auf das Rauchen zurückzuführen. In den letzten 60 Jahren gab es eine Zunahme der Lungenkrebserkrankungen in Höhe von 250 Prozent.

Das Risiko steigt bei allen Krebsarten mit der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten, der Anzahl der Raucherjahre und dem Typ der gerauchten Zigaretten, aber auch Zigarren und Pfeifen. Sobald der Raucher sich entschließt, diese Sucht zu beenden, sinkt sofort das Risiko. Schon nach zehn Jahren Nichtrauchen ist es nur noch unwesentlich höher als bei Menschen, die nie geraucht haben.

Nichtraucherschutz ein Menschenrecht

Entgegen vielfach verbreiteten Unmut in einigen Kreisen, die Politik würde die Freiheit der Raucher einschränken, ja sogar von Menschenrechtsverletzungen ist da die Rede, muß auch mal betont werden, daß es die Deutsche Krebsgesellschaft war, die jahrelang die Politiker aufgefordert hatte, den Nichtraucherschutz voranzutreiben. Es fand daher keine Gängelung statt, sondern die berechtigte Forderung, die nichtrauchende Bevölkerung zu schützen.

In Deutschland war der Nichtraucherschutz im internationalen Vergleich für lange Zeit wenig entwickelt. Im Jahre 2007 erfolgte das Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutz des Passivrauchens und die Gesetze zum Nichtraucherschutz. Demnach sind alle Einrichtungen des Bundes sowie der Verfassungsorgane des Bundes, die Verkehrsmittel des öffentlichen Personenverkehrs und Personenbahnhöfe der öffentlichen Eisenbahnen rauchfrei. In Universitäten, Schulen, Krankenhäusern und Behörden wurden Rauchverbote erlassen.

Inzwischen rudert die Politik in Nordrhein-Westfalen wieder zurück, CDU und FDP wollen das Rauchverbot in Kneipen lockern, angeblich um dem Kneipensterben entgegenzuwirken. Faktisch falsch, weil dies bereits weit vor dem Gesetz zum Nichtraucherschutz sich abzeichnete.

Erneut ein Beispiel dafür, daß die Politik eher einer Tabaklobby hinterherhechelt, anstatt die Gesundheit der Bevölkerung abzuwägen und somit zu schützen. Mal Hand aufs Herz: Es gibt nicht einen Grund fürs Rauchen, aber Hunderte, diese Sucht hinter sich zu lassen oder erst gar nicht das Rauchen zu beginnen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesundheit abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Nichtraucherschutz und Raucherinteressen im täglichen Konflikt

  1. Anarchrist schreibt:

    Es gibt diverse Gruende zu rauchen. Es gibt z.B. einen bequemen ersten Impuls fuer Gruppenbildung bzw. Kennenlernen. Fuer total Schuechterne, auch wenn sie eigentlich ‚Lebenshilfe‘ bzw. Selbstbewusstsein braeuchten, ist es fuers Sozialleben hilfreich. Ganz frueher gab es in vielen Kulturkreisen Rituale, die einen zu einem Erwachsenen machten. Rauchen hat eine aehnlich abnabelnde Wirkung, obschon sich diese nur im eigenen Kopf abspielt.

    Ich bin Nichtraucher, kann aber durchaus Verstaendnis aufbringen. Inzwischen gibt es zum Glueck genug andere und weniger schaedliche ‚Kulturmerkmale fuer Jedermann‘, die eine aehnliche Wirkung haben. Nach und nach wird das Rauchen aussterben, denke ich.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.