Das freie Truckerleben alles andere als ein Honigschlecken


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Wirklichkeit zwischen Traum und Praxis

Selbstverständlich hat der Globalismus seinen Preis, das wissen alle nur zu genau, und doch werden die Schattenseiten inzwischen im Alltagsleben hingenommen bzw. fallen kaum noch auf, da wir ohnehin mit viel zu vielen Problemen beschäftigt sind. Wer nimmt sich schon die Zeit, Gedanken daran zu verschwenden, wie unendlich komplex insbesondere das westlich orientierte Leben bis ins kleinste Detail durchorganisiert sein muß, um alle Verbraucher zufriedenzustellen?

Der Kunde betritt das Geschäft, den Discounter und erwartet einfach genau die Ware, die er aus Gewohnheit seit eh und je konsumiert oder aber ihm in Werbeprospekten verheißungsvoll umgarnt angeboten wurde. Während das dortige Verkaufspersonal die Regale füllt, kassiert, gelangt die Ware stets durch LKWs zielgerichtet an Ort und Stelle. Doch was bleibt übrig von der einstigen LKW-Fahrer-Idylle, dem freien Truckerleben? Wie gestaltet sich die Wirklichkeit zwischen Traum und Praxis?

Brummifahrer – Könige der Straße oder „Deppen der Nation“?

Wer schon mal spät abends unterwegs sich befindet auf Deutschlands Autobahnen und die Rastplätze ansteuert, sollte bemerkt haben, wie überfüllt sich dort Parkplatzmöglichkeiten gestalten. Manchmal kann ein Sattelzug schnell mal erhebliche Probleme erhalten, ein dramatisches Rangieren folgenschwer auf den Fahrer zukommen, weil er sich zu weit hineinwagte auf der Suche nach der vorgeschriebenen Pausenzeit. Die früher oftmals als Könige der Straße bezeichneten Brummifahrer heute vielmehr „Deppen der Nation“?

Bedenken wir mal, daß früher vor einigen Jahrzehnten sowohl eine wesentlich geringere Verkehrsdichte herrschte als heute und vor allem generell das Lohnniveau noch halbwegs sozial verträglich sich mit den Lebenshaltenskosten arrangierte. Diese Zeiten begannen sich nach der Wende mit den ersten Nullrunden und spätestens zu Beginn der sozialrassistischen Hartz-IV-Gesetzgebung dramatisch zu ändern, auch LKW-Fahrer mußten sich dem Druck beugen. Enggesteckte Dispositionszeiten gab es freilich auch früher, Streß war an der Tagesordnung, ganz besonders im Inlandsgüterverkehr, wobei genau diese Fahrer wesentlich mieser bezahlt wurden als die Fernfahrer. Wurde früher nicht so genau hingeschaut auf die Lenkzeiten, es fehlten eben effektivere Kontrollmöglichkeiten, sind es heute die bekannten 4,5 Stunden, erfaßt per Fahrerkarte. Doch wie schaut die verordnet theoretische Gesetzesvorgabe im Vergleich zur praktischen Anwendung aus?

Vom Streß durch unlogische Disposition, Staus und Lohndumping

Ein Wunder, daß nicht viel mehr Unfälle geschehen auf den Landstraßen und Autobahnen im LKW-Güternah- und Fernverkehr, da scheinen bestimmt Schutzengel mitzuspielen, oder? Sicherlich gibt es neben den meist schlecht bezahlt und mies behandelten LKW-Fahrern durchaus auch korrekte Arbeitsverhältnisse, jedoch sollte man davon ausgehen, es handelt sich dabei um wenige Ausnahmen, wobei die bekannt gewordenen schwarzen Schafe in der Speditions- und Zulieferbranche nur die Spitze des Eisberges offenbaren, weil die meisten betroffenen Fahrer einfach stillhalten, aus Angst ihren Job zu verlieren.

Arbeitslose Kollegen suchen händeringend eine Anstellung, indirekte Erpressung somit vorprogrammiert, oder? Und wer aufmuckt, fliegt raus, spätestens mit der dritten, gesetzlich geregelten Abmahnung. Warum planen Disponenten wissentlich die Touren so ein, daß kein Stau berücksichtigt wird, obwohl diese auf alle Fälle tagtäglich stattfinden? Die Konkurrenz ist riesengroß in der Speditionsbranche: je straffer und billiger die Angebote, um so höher die Belastung für die LKW-Fahrer.

Nicht etwa für die Lageristen, die können ihr Arbeitstempo selbst bestimmen, während der gebeutelte Fahrer stets im schlimmsten Fall mit einem Bein im Knast ob der großen Verantwortung, jedoch stets zumindest mit Bußgeldern zu rechnen hat, ihn die kontrollierenden Leute vom BAG (Bundesamt für Güterverkehr) belangen, mitnichten ihre Arbeitgeber. Zäumt da etwa der Gesetzgeber das Pferd verkehrt rum auf, weil der Termindruck der Märkte die Chefs der Speditionen veranlaßt, diesen Druck nach unten abzugeben und als letztes Glied der Kette, der Brummi-Fahrer, mit den Konsequenzen sanktionierender Maßnahmen zu leben hat?

Was war zuerst da: die Märkte oder die Verbraucher?

Was für eine leidliche Frage, die ähnlich wie die mit dem Huhn und dem Ei nicht beantwortet werden kann, eine gewisse Pattsituation entsteht. Wer von Ihnen hat noch die lange Reise des Joghurtbechers in Erinnerung, wobei der ganze Wahnsinn eines selbstgefällig luxuriösen Lebens überdeutlich aufgezeigt wurde? Und wir bezeichnen uns als fortschrittlich zivilisiert, um naserümpfend z.B. dem Urwaldmenschen gegenüberzutreten?

Dieser schont seine Umwelt mit gebührendem Respekt, während wir selbst mit unserer Welt umgehen, als gäbe es ständig Ersatz! Es wäre zu vermessen und zu simpel, schlagartig die Entwicklung zur Industriegesellschaft zurückzuschrauben, alldieweil dies sich nicht einfach so umsetzen läßt, obwohl durchaus infolge von Naturkatastrophen und Weltkriegen Endzeitszenarien uns ein solch plötzlichen „Rückschritt“ diktieren werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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