Versicherungen: Zahlungsmoral läßt im Schadensfall zu wünschen übrig


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Trotz Vertrauensverlust noch zu rechtfertigen?

Das Versicherungswesen dürfen wir unbedingt als eine wichtige und tragende Säule im gesellschaftlichen Miteinander bezeichnen. Dabei soll sie all jenen zugute kommen, die im Versicherungsfall Schaden erleiden. Sind Versicherungen ein hilfreicher Schutz oder aber bestätigen viele Fälle bei fragwürdiger Zahlungsmoral der Versicherer selbst deren eigentliche Absicht, nämlich möglichst den eigenen Profit zu steigern, während der Versicherungsnehmer dabei das Nachsehen hat?

Es schaut so wunderbar seriös und akkurat aus, wenn Versicherungsvertreter vollmundig die ahnungslosen Kunden beraten, diese sich rundum in Sicherheit wähnen, derweil der lachende Gewinner, die Versicherung selbst, die erhofften Gelder einstreicht. Solange reibungslos kein Schadensfall eintritt, erhöht sich der Kapitalfluß ganz im Sinn der Unternehmen, kleine Bagatellen meist zügig erstattet werden. Aber sobald eine gewisse Höhe erreicht wird, die geltend gemacht, greift das Ringen und Winden der Auszahlungsverzögerung, das Kleinreden und Herunterrechnen bis hin zur schlichten Zahlungsverweigerung. Und der verdutzte, empörte Versicherungsnehmer hat das Nachsehen!

Versicherungsbetrug rechtfertigt keine Kollektivsanktionierung

Manche von Ihnen kennen sicherlich noch diese hilflose Geste im Schulunterricht, wenn die überforderte Lehrkraft meinte, sie müsse ihre Autorität unter Beweis stellen, in dem sie gleich die ganze Klasse im Kollektiv bestrafte, nur weil ein Schüler oder eine kleine Gruppe nicht zugab, mal über die Stränge geschlagen zu haben. Ganz ähnlich verhält es sich in der Vorgehensweise der Versicherer, die mit maßlos übertriebenem Eifer den schadenmeldenden Kunden überprüfen, alles in Frage stellen bis hin zum Verdacht des Betruges.

Sicher doch kann man einerseits nachvollziehen, daß angesichts des tatsächlich stattfindenden Versicherungsbetruges die „geprellten“ Unternehmen auf Nummer sicher gehen wollen, andererseits steht inzwischen jede Meldung bei kostenträchtigem Versicherungsfall unter Generalverdacht einer möglichen Betrugsabsicht. Die Folge: ein sich lang hinziehender Klageweg durch gerichtliche Instanzen, Ausgang nicht nur ungewiß, sondern oftmals zu ungunsten der Kunden. Und dies auch nur, wer sich traut, bzw. das nötige Kapital hat, hingegen die Rechtsabteilungen der Versicherer gut gewappnet möglichen Verfahren lässig entgegenblicken.

Unnötige Überversicherung ohne nennenswerten Nutzen

„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“ Wer möchte schon gern freiwillig sich einer gewissen Häme ausgesetzt fühlen im Schadensfall? Wohl kaum jemand und erst recht nicht, wenn zu wenig Selbstbewußtsein vorhanden in einem neugierigen Umfeld. Um solch möglichen Erfahrungen vorzubeugen und sich in Sicherheit zu fühlen, schließt man halt alle möglichen und unmöglichen Versicherungen ab.

Daß dabei eine gewisse Überversicherung schnell entstehen kann, darüber machen sich wohl viele kaum Gedanken. Einmal abgeschlossen und per Lastschriftverfahren vom Konto ohne großes Aufsehen abgebucht, scheint alles reibungslos zu funktionieren. Der Schadensfall tritt ohnehin höchst selten ein. Und wenn dann doch, greift das Prozedere der Auszahlungsvermeidung. Dabei benötigen wir so manche Versicherung eigentlich gar nicht, sondern sie wurden nur aufgrund des raffiniert geschulten Versicherungsvertreters uns aufgeschwatzt, der fröhlich lächelnd seine Prämien kassiert, während schön brav das viele Geld die Versicherer beglückt.

Die schwarzen Schafe in der Branche – vom Nutzen der BaFin

In allen Bereichen des Lebens gibt es leider schwarze Schafe, die rücksichtslos mit einer gewissen kriminellen Energie auf die eigenen Vorteile bedacht agieren. Genauso verhält es sich im Versicherungswesen. Vor 16 Jahren wurde die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn und Frankfurt am Main gegründet, deren Zielsetzung eine einheitliche Aufsicht der nationalen und internationalen Kapitalmärkte beinhaltet, die damit verbundenen Risiken effektiver erfaßt und somit für eine sinnvolle Transparenz und Sicherheit sorgt.

Dies sind im Wesentlichen Finanzdienstleistungsinstitute, Kapitalgesellschaften, Kreditinstitute, Pensionsfonds und eben auch Versicherungen. Allerdings wurde bei der BaFin zunächst 2004 ein löchriges Kontrollsystem bescheinigt und in diesem Zusammenhang sogar 2006 einem leitenden Regierungsdirektor eine Veruntreuung von über 4 Millionen Euro nachgewiesen. Auch wegen der Pleite der Investgruppe P&R steht die BaFin am Pranger, ihr wird vorgeworfen, nicht hart genug durchgegriffen zu haben.

Es mag sicherlich für alles und jeden die passende Versicherung geben, aber dennoch wünscht niemand den Ernstfall, schon gleich gar nicht, wenn es sich um richtig viel Schadensregulierung handelt, weil nach wie vor Versicherer alles unternehmen, um bei solchen Beispielen möglichst wenig bezahlen zu müssen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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