Hochleistungssport: Sieger und Opfer folgen auf dem Fuß


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Die Schattenseiten will kaum jemand wahrhaben

Werfen Sie mal kurz einen Blick in die Tierwelt, bevor hier dem Hochleistungssport kräftig auf den Zahn gefühlt wird. Unsere Mitgeschöpfe kämen niemals auf die Idee, einen Marathon zu laufen oder in einem Zehnkampf sich gegenseitig übertrumpfen zu wollen, sondern ihr Fokus bei kurzen Höchstleistungen richtet sich lediglich auf potentielle Nahrungsopfer, die es zu jagen gilt, denken wir nur an den Gepard, der mit bis zu 120 km/h mit etwas Glück bei kurzem Sprint eine Gazelle erwischt.

Doch der Homo sapiens meint, sich gegenseitig messen zu müssen und dies schon lange vor dem Wettbewerb der Olympischen Spiele. Im Laufe seiner sportlichen Entwicklungsgeschichte hat er sich enorm steigern können, was die Rekorde anbelangt. Stets orientiert sich also der Hochleistungssport in eine bestimmte Richtung: Sein Ziel ist der Erfolg, wobei seine Opfer auch die Sieger sein können. Wieso stehen die Erfolgsgekrönten plötzlich als Loser da, wo doch alle Welt sie feiert? Vergessen wir nicht die dramatischen Folgen, die der Hochleistungssport mit sich bringt, auch wenn genau dies gern kleingeredet wird!

Eine Gesellschaft der Superlative fordert ihren Tribut

Kein Wunder, daß auch die sportliche Aktivität sich dem Trugbild einer Gesellschaft der Superlative angleicht. Jeder möchte mitspielen im Run des „höher, weiter, schneller“, der Beste sein, stets fit und ewig jungausschauend, durchtrainiert in sämtlichen Lebenslagen. In dem Interview, welches die Deutsche Welle mit Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln führte, zitiert er eingangs das geflügelte Wort: „Sport ist Mord und Breitensport ist Massenmord„, um dann aber ebenso näher zu erläutern, wie maßlos übertrieben sportliche Aktivität viel eher uns schadet als guttut. Während Froböse noch völlig fachgerecht anspricht, inwieweit uns „normale“ Gymnastik und körperliche Aktivität tatsächlich fit hält, sei in diesem Zusammenhang an die Notwendigkeit eines stabilen Muskelaufbaus erinnert, der durchaus uns nicht nur kräftigt, sondern unseren Geist und Körper in Balance hält.

Doch hinter dem Bild des Hochleistungssports, seinen Möglichkeiten, diesen per Medienrummel ins Gehirn potentieller Kunden zu transportieren, verbirgt sich schlicht und ergreifend eine riesengroße Gewinnmaximierung, deren Lobby weitverzweigt ihre Interessen eisern vertritt. Die Schattenseiten, der Preis des Hochleistungssports, der wird möglichst verdrängt, mittels geschickt platzierten Argumenten kleingeredet, auch was den plötzlichen Herztod anbelangt.

Es macht nicht viel Sinn, die Ursachen zu ignorieren, alldieweil ganz besonders die Sportlobby immer wieder die Gefahren des Hochleistungssports nicht wahrhaben möchte. Der Mensch ist schlicht und ergreifend nicht dafür geschaffen, sich für einen solchen Weg zu entscheiden. Da aber viele Ex-Sportler ohne Schaden überlebten und sich selbst im hohen Alter bester Gesundheit erfreuen, geraten gerade all jene in Vergessenheit, die auf der Strecke bleiben, entweder krank mit den Folgen ihrer sportlichen Karriere weiterleben müssen oder aber auf Friedhöfen ihre letzte Ruhe finden.

Wenn ein Sportmediziner und Orthopäde wie H. Krahl sagt: „In den meisten sportlichen Disziplinen sind Höchstleistungen nur noch nach Trainingsschwerstarbeit über Monate und Jahre zu erbringen; in bestimmten Fällen fühlt man sich unwillkürlich an Materialverschleißprüfungen in der Industrie erinnert.“, dann sollte uns dies zu denken geben, oder? Dabei muß die Frage gestellt werden, was denn wichtiger zu werten ist: der Mensch oder der Erfolg?

Hochleistungssportler Diener der Gaffermentalität?

Wenn Menschen dabei zu Schaden kommen, auch wenn sie sich freiwillig dem Hochleistungssport hingeben, muß stets über den Sinn nachgedacht werden, ob nicht die Opferzahl zu hoch. Solche Erwägungen finden natürlich kaum Anklang in einer Welt des Glamours, wo gleichzeitig eine zunehmende Gaffermentalität zu beobachten ist. Man orientiert sich am Sieg oder der Niederlage, der Sportler steht stellvertretend für all das, was wir nicht erreicht haben. Daher schauen wir auf, wenn Spitzensportler Höchstleistungen erbringen, vergessen sie aber ebenso schnell, wenn neue sie ablösen oder übertrumpfen, es gibt ja stets genug Nachwuchs in unserer schnellebigen Zeit.

„Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein.“ (Bertolt Brecht)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Sport

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