Integration zwischen Forderung und Verachtung


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/77/Mesut_%C3%96zil_2015.jpg/399px-Mesut_%C3%96zil_2015.jpg

Wikimedia Commons CC BY 2.0

Özils Verstrickungen ohne Hand und Fuß

Wie soll man aus dieser Nummer herauskommen? Hierzulande sorgt ein ehemaliger Fußballnationalspieler für entsprechenden Wirbel und Schlagzeilen. Tatsächlich? Da paßt so einiges überhaupt nicht zusammen, d.h. etliche brisant ungelöste Probleme werden einfach in Diskussionen einbezogen, es tummeln sich extreme Standpunkte mit vorsichtgen Versuchen der Klärung, ausgerechnet ein Uli Hoeneß stellt im Nachhinein fest, „Özil habe seit Jahren einen Dreck gespielt“.

Einerseits sterben Menschen im Mittelmeer, – in den Social Media behaupten gar welche perfide, flüchtende Eltern seien selbst Schuld, wenn ihre mitgebrachten Kinder ersaufen -, während ausgerechnet jenes Fußballspektakel plötzlich eine nicht stattgefundene Integration in Deutschland attestiert, weil Mesut Özil dem DFB den Rücken kehrt. Wochen zuvor läßt dieser sich aber mit einem Despoten Recep Tayyip Erdoğan ablichten.

Da läuft was mächtig aus dem Ruder

Eine AfD und die gesamte Neue Rechte werden händereibend im Hintergrund lauern, frohlockend feststellen, wie simpel ihre Rechnung mit dem gestreuten Haß aufgeht, weil angeblich Horden von Migranten Europa erobern wollen. Obwohl letztlich jedem politisch denkenden Zeitgenossen das Ende des glorreichen Neoliberalismus in Sicht, hadern noch genügend ewig Gestrige, halten nicht nur an diesem selbst fest, sondern stülpen ihre nationalistische Gesinnung drüber, in der Hoffnung, man könne das faschistoide Erbe des letzten Jahrhunderts wiederholen.

Fehlanzeige. Noch gibt es genügend wache Geister, die genau das thematisieren, in den Medien als Lügenpresse diffamiert werden, ein bewährtes Vokabular aus alten Nazizeiten! Allerdings kommt die diesjährig stattfindende Fußball-WM ins Spiel. Während Erdoğan mit dem Photo punkten kann, schaut es für den Nationlspieler Özil nicht gut aus, gerät er natürlich in Erklärungsnot, Werbung für einen Despoten gemacht zu haben, ist Opfer und Täter zugleich, wie Migrationsforscher Özkan Ezli ausführt.

Die Neue Rechte hat ihr Ziel erreicht, Medien reagieren erwartungsgemäß, die schwache Leistung des amtierenden Weltmeisters während der Fußball-WM sorgt obendrein für Unmut bei den Fans, ein Sündenbock muß her. Der türkischstämmige Özil paßt als Opfer. Dessen DFB-Austritt und Stellungnahmen runden das Bild von angeblich nicht stattgefundener Integration ab.

Wenn Integration mit Assimilation verwechselt wird

Dann frohlocken all jene, die ohnehin einen unübersehbaren Ausländerhaß pflegen, ständig vom Ende des Multikulturalismus schwafeln. Jede Gesellschaft muß sich aber arrangieren, es sei denn, man verstoßt Migranten von Beginn an, zeigt keine Bereitschaft, sie integrieren zu wollen. Genau das findet zunehmend statt, während die jahrelangen erfolgreichen Bemühungen ignoriert werden, all die Beispiele, wo dies tatsächlich gelungen ist.

Gleichzeitig mischen Strömungen wie die des Despoten Erdoğan, darunter auch die Grauen Wölfe, hierzulande die türkischen Mitbewohner auf, Angst und daraus resultierende Zustimmung sorgen für Spannungen, bestätigen die Neue Rechte, die letztlich denselben Weg verfolgt. Wer eigentlich Assimilation fordert, also die völlige Anpassung, scheint dabei etwas zu verwechseln. Integration ist ohnehin schon schwer genug angesichts etlicher Vorurteile auf beiden Seiten, doch jene Haßwellen sind äußerst destruktiv, sorgen für dauerhafte Eskalationen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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