Warum friedlich wenn Gewalt stets das letzte Wort hat?


https://pixabay.com/de/figur-mann-fernglas-zaun-gag-2687801/

pixabay.com

Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Na, wenn der Paule im Sandkasten die Burgen, Kuchen und andere Kunstwerke mit einem hämischen Grinsen im feisten Gesicht platt macht, dann fühlt er sich so richtig stark. Ist er obendrein, weil neulich der Felix versuchte, ihn daran zu hindern, welches zur Folge hatte, daß Felix mit einem blauen Auge nach hause kam.

Was früh schon von Kindesbeinen an erlernt, mag sich beim ein oder anderen genauso fortsetzen wie beim Paule, muß es aber nicht zwangsläufig. Bei manchen erfolgt eine Rückbesinnung zu anderen Verhaltensmustern, um solche Konflikte im Keim zu ersticken. Dennoch kann niemand umhin, festzustellen, daß Gewalt stetig zunimmt allüberall, ein dramatisches Bild in der Gesellschaft, das ziemlich viel aussagt über sie. Warum nur, mag als Frage im Raum stehen.

Etwa kein Friedenswillen mehr in Aussicht? Dieser zeigt sich allenthalben äußerst selten. Werfen Sie mal einen Blick zu den Ostermärschen, zur Friedensbewegung an sich. Außer jenen Mahnwachen, die gleichzeitig gezielt sogar von der Neuen Rechten unterwandert wurden, bleibt da nicht viel übrig, die letzten, wirklich großen Demos fanden hierzulande beim Nein zum bevorstehenden Irak-Krieg statt.

Was hat sich seitdem verändert? Ausgerechnet jener Bundeskanzler, der den Irak-Krieg noch brüsk ablehnte, erschuf die Agenda 2010, ein Willkommensgeschenk für ausbeuterische Arbeitgeber, um den Niedriglohnsektor anzupreisen, das menschenverachtende Hartz-IV-Gesetzesregelwerk, die legitimierte Handhabe zur Zwangsarbeit. Beste Voraussetzung, Menschen mundtot zu machen, es demonstriert sich schwerer, wenn die Not größer.

Aber ausgerechnet ein Teil jener Hintergangenen fühlte sich in einer Protestbewegung der Neuen Rechten über Pegida und AfD gut aufgehoben, nicht wissend, daß jene Schergen gar noch neoliberaler unterwegs, unter ihrer Fuchtel Sozialrassismus erst recht stattfinden wird!

Schwamm drüber, es fruchten gar sehr die simplen Hetzparolen gegen Merkel, Ausländer und Multikulti, eine Lügenpresse bei gleichzeitiger Verbreitung von eigenen Fakenews via Internet, es tobt sich so trollartig anonym gedeckelt hervorragend, um eigene Minderwertigkeitskomplexe zu kaschieren, real jede Schandtat mit anzuzetteln oder in Gewaltexzessen mitzumischen. Lieber zerstören, was einen „stark“ macht im Rausch der Verachtungswelle, anstatt zu lieben, zu respektieren, sich zu bemühen, mit Menschen zu kommunizieren. Weil das hat ja der ein oder andere Paule im Sandkasten nimmermehr gelernt. So schließt sich der Kreis.

Manchmal bedarf es weitreichende Reisen, um zu erkennen, inwiefern Fanatismus erheblichen Schaden anrichtet. Das Tragische daran: Fanatische Menschen sind dermaßen verblendet, daß sie voller Überzeugung Humanismus einfordern, in dem sie einer Gewaltzunahme freien Lauf lassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Meinung abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.