Gleich nicht unbedingt egal


https://pixabay.com/de/stillleben-waage-kerzen-kerzenlicht-659653/

pixabay.com

Leben oder Tod – das Zünglein an der Waage

In diesen Tagen scheint es ziemlich gleich zu sein, was mit Mitmenschen passiert. Egal wohin man blickt, was man liest, hört, man vergleicht, man begleicht, man gleicht an, man gleicht ab, nur um Ungleichheiten zu diagnostizieren, zu erhalten, zu bestimmen. Dabei scheint es egal zu sein, ob wir sozusagen Menschenvergleiche, Menschenwerte gleichsetzen mit Preisvergleichen, Warenwerten.

Es ist kein Neuland dieses Vergleichen, es taucht aber immer verstärkt auf, wenn etwas sich als ungleich anfühlt, einem Ungleichheit eingeredet wird, wenn etwas aus den Fugen zu brechen scheint, wenn die Waage zwischen Verstand und Gefühl sich nicht einpendeln lassen will, wenn Gleiches nicht Gleiches sein soll, dann ist es auch egal, wer oder was wem oder was gleicht.

gleich, mittelhochdeutsch gelīch, althochdeutsch galīh, Zusammensetzung mit dem Leiche zugrunde liegenden Wort und ursprünglich, denselben Körper, dieselbe Gestalt habend. (Duden) Synonyme sind, konform, sehr ähnlich, analog, deckungsgleich, identisch, beständig, belanglos, einerlei.

Leiche, mittelhochdeutsch līch, althochdeutsch līh(h), Körper, Leib(esgestalt); toter Körper. (Duden) Andere Wörter sind, Leichnam, Toter, Tote.

egal, französisch égal, lateinisch aequalis, gleich. (Duden) Andere Begriffe sind, ebenso, vergleichbar, genauso, gleich beschaffen, homogen, uniform, unerheblich, piepe, schnurz, scheißegal, einerlei.

aequalis, gleich nach äußerer und innerer Beschaffenheit, gleich, eben, gleichmäßig, entsprechend, konform. aequo, ebnen, gerade stellen, gleichmachen.

Wenn man beide Wörter ihrem Ursprung nach vergleicht, kann es nicht egal sein, ob und wie einem etwas gleich, egal ist, oder?

Nach der Schöpfungsgeschichte wurden Mann und Frau nach dem Ebenbild Gottes erschaffen. Also, gleich nach äußerer und innerer Beschaffenheit. Leiche als Begriff für denselben Körper, dieselbe Gestalt haben, entspricht in weitestem Sinne diesem Kontext. (Das Wort „Leib“ ist abgeleitet von „leben“, nicht von „Leiche“, eigentlich, übrig bleiben „im Sinne von, überleben nach dem Kampf“ (Duden), nur so zum Vergleich.)

Mit „gleich“ bezieht man sich auf eine tote, mit „egal“ auf eine lebende Beschaffenheit, Körper, Gestalt.

Es ist nicht egal, ob man über Leichen oder über äußere und innere Beschaffenheit Vergleiche anstellt, und es ist nicht egal, wenn einem das gleich ist. Schlimmer ist aber, wenn sich Gleichgesinnte anmaßen, mehr Wert für sich einzufordern, und dies kann weder gleich, noch egal sein.

Anders ausgedrückt, wem selbst „Tote“ egal sind, weil er sie nicht als Gleiche anerkennt, wie soll man dann demjenigen vertrauen können, dem „Lebende“ nicht gleich sind?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.