Putin-Trump-Gipfel: Techtelmechtel der Supermächte


Er liebt mich, er liebt mich nicht?

Chance oder Treffen fürs Poesiealbum? In jedem Fall sollte man eine generelle Kommunikation zwischen Staatschefs begrüßen, ob dabei etwas konstruktives herauskommt, bleibt mal dahingestellt, erst recht mit einem unberechenbaren Donald Trump. Allerdings wird er wohl kaum danach Twittergewitter entsenden angesichts der Brisanz, die dies auslösen kann.

But you never know how the show works! Immerhin stieß The Donald des öfteren die Weltöffentlichkeit vor dem Kopf, gewisse Parallelen cholerischer Entgleisungen zum kürzlich sich etablierenden Sultan und Diktator der Türkei flackern schon auf, wer sich erinnern mag. Andererseits wird Putin mit gewohnt lässiger Besonnenheit jedwede unüberlegte Regung des US-Präsidenten für seine Zwecke verwerten können. Noch im Juli soll das Techtelmechtel der Supermächte stattfinden, wie der Kreml ankündigt.

Trumps Europareise bietet sich an – reale Chancen oder nur nette Statements?

Wenn Trump ohnehin Europa bereist, würde ein Treffen zwischen Putin und ihm beiden gelegen sein, unabhängig, was beim Nato-Gipfel herauskommt, insofern wäre Mitte Juli möglich, wahrscheinlich direkt nach der Fußball-WM.

Doch sollte niemand zu hohe Erwartungen an den Tag legen, weil die weltpolitische Lage dies weder zuläßt, noch die Politik der US-amerikanischen Administration dafür Gelegenheiten anbieten will. Ganz im Gegenteil, das atomare Wettrüsten setzt sich fort, die „America-First-Doktrin“ Trumps nimmt konkrete Formen an, ein Handelskrieg zwischen den USA und den Chinesen sowie Europäern hat längst begonnen. Wer hierbei reale Chancen sieht, sollte sich eher auf nette Statements einstellen.

Gerät Europa etwa ins Hintertreffen?

Weil in Wirklichkeit die beiden Supermächte längst ihre anvisierten Pläne kontinuierlich umsetzen? Das verzerrte Bild vom guten Putin vs. bösem Westen nur Ablenkung? Betrachtet man den erneut eingeschlagenen Weg zurück zur Nationalstaaterei, mögen gewisse Kräfte händereibend ihre Kriegsphantasien ausleben, wenn Europa auseinanderdividiert wieder Feindschaften gedeihen läßt. Das bewährte Spiel vergangener Jahrhunderte könnte neu entflammen, die Supermächte den „Kuchen“ sich einfach teilen, eine Mauer hat wohl nicht gereicht.

Als perfides Vorspiel läßt man mal soeben den Iran über die Klinge springen, Trump sorgt für noch mehr Spannungen im Pulverfaß Naher Osten, von Friedensabsichten keine Spur, daran ändert gleichwohl auch kein Treffen mit Kim Jong-un etwas. Zu schnellebig fordern wirtschaftspolitische Entwicklungen entsprechende Reaktionen heraus, was heute noch zählt, muß morgen bereits nicht mehr gelten. Erst recht nicht bei soviel Unberechenbarkeit eines Donald Trump. Putins weise Zurückhaltung scheint seriöser, darauf verlassen sollte sich allerdings niemand, wenn man bedenkt, daß er gern nicht zufällig Rechtsradikale unterstützt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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