Schalten und Walten einfach nach Gutdünken


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Ein besonderer Trugschluß wenn Politik im Spiel

Das Gefühl und nicht minder die tatsächliche Handlung, „schalten und walten zu können, wie es gefällt“, hat etwas Absolutes. Absolutes für sich selbst und für sonst niemanden. Keinem verpflichtet, nur sich selbst gegenüber. Sprichwörtlich heißt es: Schalten und Walten können wie es einem gefällt. Bedeutet, tun und lassen können, ohne Rücksicht auf andere oder anderes.

Kinder und Jugendliche, die zum ersten Mal ein Wochenende ohne Eltern zu Hause sein dürfen, manchmal „freie Bude“ genannt, genießen dieses Gefühl des Schalten und Walten, wenn es danach auch zu Unstimmigkeiten mit den Eltern kommt, sprich Strafen und Moralpredigen folgen, so hat man doch für kurze Zeit tun können, was man wollte. Möglicherweise führen diese Unstimmigkeiten dazu, bei späteren Gelegenheiten des „Schalten und Walten“- Dürfens, auf gewisse „Freiheiten“ zu verzichten, weil sie Strafen, Abmahnungen nach sich ziehen können, und niemand sonst dafür zur Verantwortlichkeit gezogen werden kann als man selbst. Man hat begriffen, daß absolutes Handeln, schalten und walten, nur solange funktioniert, bis andere oder anderes in seiner „Freiheit“ begrenzt, gestört, unterdrückt werden und handelt dementsprechend „pflichtbewußter“.

schalten, mittelhochdeutsch schalten, althochdeutsch scaltan, stoßen, schieben, wahrscheinlich eigentlich, spalten; hauen. (Duden) Andere Begriffe sind, drehen, verfahren, auffassen, einfügen, eingliedern, erkennen.

walten, mittelhochdeutsch walten, althochdeutsch waltan, eigentlich, stark sein, beherrschen. (Duden) Synonyme sind führen. leiten, lenken, gebieten, herrschen.

Auch wenn das Wort „schalten“ seit etwa dem 9. Jahrhundert belegt, als Bedeutung für stoßen, schieben, in die Sprache übergegangen ist, ab dem 10. Jahrhundert, scalta, schalte, die Stange zum Fortstoßen des Schiffes, mit dem Ruder in Bewegung setzen, in die Sprache übernommen und seit dem 16. Jahrhundert dem bis heute geltenden Sinn, lenken, leiten, (Wikipedia) entspricht, so ist die ursprüngliche Wortherkunft dennoch zu erkennen, nämlich, spalten, hauen.

Wer schon einmal einen Baum gefällt oder ein Brett gesägt, wird in dieser Tätigkeit das Werkzeug gestoßen, geschoben haben, um den Baum, das Brett zu spalten, zu hauen. Je stumpfer das Werkzeug oder je verästelter das Material, desto schwieriger das Spalten. Diesem Umstand sind auch die Vorfahren ausgesetzt gewesen, deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn „spalten“ gleichgesetzt wurde mit „stoßen“

Da die Redewendung mit dem Wort „schalten“ beginnt, kann man davon ausgehen, daß man bevor man „waltet“ (stark sein, beherrschen), zuerst spalten und hauen muß. Ansonsten ist der Sinn dieses Sprichwortes verfehlt.

Wenn man bei dem Beispiel des Holzhauens bleibt, ist dies logisch, denn wer Bäume fällt, bekommt Muskeln, oder? Im übertragenen Sinn bedeutet dies, wer Regeln bricht, die vorhandene Ordnung stört, der kann über das „neu Geschaffene“ herrschen. Dies vermittelt das Gefühl der absoluten Stellung.

Es ist sicher nicht erforderlich, an dieser Stelle daran zu erinnern, welche Personen, die in politischen oder wirtschaftlichen Positionen tätig sind, sich dieses Sprichwortes bedienen, gerade wieder in jüngster Zeit.

Wer schaltet und waltet wie es einem gefällt, der handelt rücksichtslos. Wer solchen Personen den Rücken stärkt, der erteilt diesen Menschen zu ihrem absoluten Gefühl, die Absolution. Sozusagen einen Freibrief, um schalten und walten zu dürfen, ohne für die Konsequenzen haftbar gemacht werden zu können.

Nur in ganz seltenen Fällen kann schalten und walten, spalten und beherrschen, erst zerstören, dann aufbauen, eine richtige Entscheidung sein. Niemals aber im politischen Konsens.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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