Birgitta Wolf von Rosen – Verbesserung des Strafvollzugs


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Die Würde des Menschen wird zu oft angetastet

Birgitta von Rosen wurde am 04. Februar 1913 in Helgesta in einem schwedischen Schloß geboren. Ihr Vater war Eric Graf von Rosen, ein Ethnologe und Expeditionsleiter, auch Verfasser vieler wissenschaftlicher Werke. Im Alter von 15 Jahren gründete sie einen Klub zur Freizeitgestaltung für die Arbeiterjugend, weil deren Probleme sie dazu veranlaßten, aktiv zu werden.

Mit 20 Jahren heiratete sie den Fabrikanten Albert Nestler, der vor dem Zweiten Weltkrieg immerhin der weltgrößte Hersteller von Rechenmaschinen war. Als Nichte der verstorbenen ersten Ehefrau von Hermann Göring lernte sie einflußreiche Männer des Nationalsozialismus kennen. Trotz strenger Weisung, sich nicht einzumischen, setzte sich drei Jahre später die junge, rebellische Mutter dreier Kinder wiederholt für Verfolgte ein.

Diese Erlebnisse brannten sich in ihrer Erinnerung ein, öffneten ihr die Augen für die Hilflosigkeit der Machtlosen, lehrten sie, wie gefährlich es sei, wenn man selbstzufrieden sich in einen egozentrischen Kreis zurückzieht, sich nicht kümmert, was hinter verschlossenen Türen und Gerichtsgebäuden vor sich gehen kann.

Als der Krieg ausbrach, zog sie mit ihren Kindern nach Grainau ins bayrische Voralpenland. Nach dem Krieg erlaubten die einmarschierenden US-Amerikaner ihr, bayrische Internierungslager aufzusuchen, weil sie ihrer politischen Einstellung Glauben schenkten. Die Medien bezeichneten sie mit der Zeit als „Engel der Gefangenen“, und somit gründete sie zusammen mit Erika Sprenger Steinmüller den Verein „Nothilfe Birgitta Wolf e.V.“

Woher kam eigentlich ihre Einstellung zum Strafvollzug?

Dies ist schnell und einfach beantwortet. Es war in erster Linie der bedeutende schwedische Jurist Karl Johan Schlyter, der die Öffentlichkeit mit dem Ruf weckte: „Entvölkert die Gefängnisse!“ Seine Überzeugung war es, daß geschlossene Anstalten persönlichkeitszerstörend wirken, ein Mensch, der verbittert und voller Haß sei, erfahrungsgemäß nicht besser wird, wenn man ihn in eine häßliche Umgebung einsperrt.

Birgitta Wolf nahm sich aber auch publizistisch der Sache der Inhaftierten an, schrieb Aufsätze und Bücher, hielt Vorträge und wies vor allem in Radio- und Fernsehsendungen auf die Mißstände hin, die sie natürlich wahrnahm.

Sie werden es nicht glauben, aber selbst im Jahre 1970 gehörte es zu selbstverständlichen Disziplinierungsmaßnahmen des deutschen Strafvollzuges, den „verschärften Arrest“ anzuwenden (ohne Matratze, bei Wasser und Brot etc.).

Anlaß genug für sie, eine entsprechende Kampagne startete und daher durchsetzte, daß im Strafvollzug der „verschärfte Arrest“ nicht mehr angewandt wurde. Im Herbst 1974 beantwortete sie die anfängliche Isolationshaft gegenüber den RAF-Mitgliedern mit einem 27-tägigen Hungerstreik.

Am 25. April 2009 starb Birgitta Wolf in Murnau am Staffelsee. Selbstverständlich setzt ihr gegründeter Verein „Nothilfe Birgitta Wolf e.V.“ ihr Werk fort. Es befindet sich ein Archiv ihrer Korrespondenz der Jahre 1954-2002 im Hamburger Institut für Sozialforschung.

Warum haben die Menschen überhaupt soviel Angst vor dem Leben? Unsere Verantwortung als Mitmensch und Staatsbürger ist größer, als wir wahrhaben wollen.“ (Birgitta Wolf von Rosen)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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