Kaffee: Sein täglicher Konsum auf dem Prüfstand


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Sucht- oder Genußmittel, gesund oder eher schädlich?

Alles was wir zu uns nehmen oder konsumieren, Lebensmittel, Medikamente, optische und akustische Reize, beeinflußt unsere Gesundheit und den Verlauf der eigenen Vita. Und während schon Aristoteles selbst es war, der die Mesotes (griech. für „Mitte“) als wichtigen Bestandteil in der Ethik einführte, in dieser Bezeichnung eine Tugend vorgab, die mit den beiden Gegensätzen des Übermaßes und des Mangels eben die Mitte suchte, das Gleichgewicht zwischen zwei Extremen, bestätigte dies Hildegard von Bingen mit dem „rechten Maß“, welches sie als „Mutter aller Tugenden“ betrachtete.

Dürfen wir dann einfach dazu übergehen, zu behaupten, mit ein wenig Maßhalten können wir uns alles gönnen oder leisten, selbst wenn es nachweislich unsere Gesundheit sogar angreifen kann? Kaffee als Sucht- oder Genußmittel nunmehr gesund oder doch eher schädlich?

Eine Bohne erobert die Welt

Im 9. Jahrhundert wurde der Kaffeebaum- oder Strauch (Coffea arabica) erstmals erwähnt, im ursprünglichen Gebiet Kaffa, im Südwesten Äthiopiens, gelangte aber erst rund fünfhundert Jahre später durch Sklavenhändler nach Arabien, um von dort aus infolge weltweiter Handelswege schließlich die Welt zu erobern.

Und doch dauerte es noch eine Weile, bis schließlich zunächst im Osmanischen Reich sogar gegen Ende des 16. Jahrhunderts Kaffeetrinken strafrechtlich verfolgt wurde, Kaffee im Laufe der Jahrzehnte sich in Europa etablierte und 1685 das erste Wiener Kaffeehaus öffnete. Aber auch die Skepsis gegenüber diesem neuen Getränk zeigte die Anekdote mit dem Kaffee-Experiment, welches der schwedische König Gustav III. angeordnet haben soll. Waren die Besorgnis und Kritik etwa übertrieben?

Wenn die Gewohnheit zur Sucht wird – hysterisches Gerede oder doch berechtigt?

Nein, nicht Bier wird hierzulande am meisten konsumiert, sondern viel eher das schwarzbraune „Gute-Laune-Getränk“, der Bohnenkaffee. 162 Liter trinkt der Deutsche alljährlich im Durchschnitt. Aber darum geht es gar nicht, Superlative haben nur statistische Bedeutung. Viel interessanter scheint da die Frage, inwieweit das Nicht-Maßhalten unsere Gesundheit schädigen kann, ob die alltägliche Gewohnheit sogar ähnlich wie beim Rauchen zur Sucht sich entwickelt?

Probieren Sie es einfach mal aus, ob beim Weglassen der morgendlichen Tasse Kaffee Ihnen etwas fehlt, fühlen Sie sich dann eher ängstlich, müde, resigniert, niedergeschlagen und klagen gar über eine verminderte Arbeitslust oder Leistungsfähigkeit? Nach einer Wiederholung dieses Versuches dürfen Sie bei Reaktionen ähnlicher Symptome davon ausgehen, daß der Verlust der Kaffeedosis genau diese Wirkung erzielt haben muß, es sich um eine Form von Entzugserscheinung handelt. Richtig dramatisch wird es bei denjenigen, die Kaffee im Übermaß konsumiert hatten. Übrigens brauchen Raucher aus gesundheitlichen Gründen allemal den Kaffee. Warum? Weil beim Rauchen die Blutgefäße verengt werden, beim Kaffeetrinken sie sich erweitern, daher ein Ausgleich geschaffen wird.

Kaffeegenuß: Herz- und Krebsrisiko oder gar doch Gesundheitsprophylaxe?

Die wissenschaftlichen Untersuchungen laufen seit geraumer Zeit schon auf Hochtouren, so wie dies für alle Stoffe gilt, die Mensch zu sich nimmt. Man weiß schon im Eigeninteresse selbst, was schadet und was nicht. Starbucks muß beim Kaffee vor möglicher Krebsgefahr warnen, hingegen aber mehr als vier Tassen Kaffee die Leber schützen soll, daß Kaffeegenuß sogar bei Leberkrebs eine Schutzfunktion ausübe.

Eine völlig neue Studie kommt sogar zu dem Ergebnis, daß Koffein alte Muskeln verjüngt. Bekanntlich hat Kaffee selbst den höchsten Koffein-Gehalt, bei gebrühtem 600 ml/l im Gegensatz zu Schwarztee mit 250 ml/l oder gar Cola-Getränke mit lediglich nur 140 ml/l. Und wie schaut es aus mit bisheriger Meinung, Kaffee erhöhe das Risiko des Herzinfarktes, welches die ATTICA-Studie zu beweisen versuchte? Oder soll man sich darauf verlassen, daß eher das Gegenteil der Fall sein solle, da Mediziner immer mehr an das Gute in der Bohne glauben?

Sind wir jetzt wirklich schlauer mit all diesem Wissen? Mensch wird immer seine Laster ausleben und irgendwann einmal „geliebte Gewohnheiten“ vielleicht sogar ändern oder zumindest einsichtig Maß halten, ganz so wie Hildegard von Bingen es stets empfahl. Dabei sollte niemals vergessen und unterschätzt werden, daß wir alle unterschiedliche Organismen haben, sodaß allgemeingültige Gesundheitsprognosen stets zu ungenau sind, gleichzeitig dennoch Ärzte und all jene, die tagtäglich mit Patienten in Berührung kommen, schon Erfahrungswerte empfehlen bezüglich unserer Gewohnheiten und den Folgen, den Krankheitsbildern, die sie miterleben dürfen beim Versuch, uns helfen zu wollen. Von exzessiver Maßlosigkeit muß unbedingt abgeraten werden, das gilt somit ebenso fürs Kaffeetrinken.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Eine Antwort zu Kaffee: Sein täglicher Konsum auf dem Prüfstand

  1. cource schreibt:

    was nützt uns das maßhalten, wenn selbst die kleine dosis krank macht, weil zu viel schadstoffe/pestizide/glyphosat enthalten sind, wenn glyphosat verhindert, dass fettzellen gespeichertes fett zur energieumwandlung wieder an das blut abgeben und deshalb die menschheit ewig hungrig und immer fetter wird, dann ist das maßhalten/und von jedem etwas ein tötlicher rat

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