Idole und Personenkult im gesellschaftlichen Grenzbereich


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Im Einfluß einer polarisierenden Gratwanderung

Vom besten Freund, eher selten kurzfristig bei manchen die Eltern, bis hin zu Stars und charismatisch berühmten Persönlichkeiten begleiten die allermeisten von uns als Vorbilder, durchaus nicht konstant und somit austauschbar wechselnd.

Dennoch scheinen Idole und darüber hinaus entstandener Personenkult eine polarisierende Gratwanderung innerhalb der Gesellschaft zu offenbaren, an deren Grenzbereichen eben die Gemüter sich erhitzen können bis hin zum Fanatismus, denken wir nur an den kleinen Österreicher mit dem schwarz-gestutzten Bärtchen und seinem zackig-abgehackten Sprachgebrauch. Aber inwieweit spielen Idole noch eine Rolle, beeinflussen sie unseren Alltag, obwohl sie schon immer ganz besonders die Jugend, heranwachsende Menschen faszinierten und das gerade in heutigen Zeiten expandierender Technik im Kontext zu den Medien?

Zwischen Kunst und Politik – revolutionär anarchistisches Handeln

Zunächst wird es stets weiterhin die Jugend sein, die die Realität hinterfragt und auf den Kopf stellt – das muß sie auch, denn wie sonst könnte der Mensch den „Samen der Veränderung pflanzen“, ein Nachäffen bestehend festgemachter Normen vermeiden? Ein Klassenprimus ist in sofern fast schon das Gegenteil, weil er sich einfach gehorsamst anpaßt, um den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, außer sich das eingeforderte Wissen einzuverleiben.

Ob dies früher ein William Shakespeare, Rainer-Maria Rilke, Hermann Hesse oder Wolfgang von Goethe war bei den großen Autoren, ein Albrecht Dürer, Vincent van Gogh, Pablo Picasso oder Salvador Dali bei den bildenden Künstlern, eine Marlene Dietrich, Audrey Hepburn, Marilyn Monroe oder ein Charly Chaplin bei den Schauspielern, ein Max Reinhardt, Louis Armstrong, eine Édith Piaf oder ein Elvis Presley bei den Musikern, sie alle haben einiges gemeinsam: Sie beeinflußten ganze Generationen, waren äußerst nachhaltige Vorbilder und sind es bis heute noch.

Was für die Kunstschaffenden gilt, hat ebenso quer durch die politische Landschaft zumeist zu sehr tragischen Folgen geführt, denken wir nur an Julius Cäsar, Napoleon Bonaparte, Che Guevara oder Muammar al-Gaddafi. Sämtliche hier genannten historischen Persönlichkeiten stellen lediglich nur Beispiele dar und sind rein zufällig zitiert worden, die Liste wäre beliebig lang fortzusetzen.

Denn neben den Künsten und der Politik sollte ebenso eine äußerst wichtige, gedankliche „Brücke“ erwähnt werden, die ganz besonders eindrucksvoll eben Kunst und Politik selbst verbinden kann: die Philosophie. Und auch diese hat durchaus Vorbildfunktion im menschlichen Dasein. Es seien hier mal Platon, Immanuel Kant, Friedrich Nietzsche und Erich Fromm genannt, um die Logik der mathematischen Reihe zu vervollständigen. Wieso ein revolutionär anarchisches Handeln? Ganz einfach, um bestehende Normen zu verlassen, kann dies nur notwendig sein, wobei nicht gleich ein Automatismus von Gewaltausübung sich entwickeln darf – selbst freie Gedanken können und sollten ungehindert sich Wege bahnen, die wenigstens in den Künsten und der Philosophie tragische Revolten nicht tatsächlich ausleben mit den Folgen von Mord und Totschlag. Das bleibt der Politik vorbehalten, wie wir nur zu schmerzhaft alle wissen.

Stets dann, wenn Personenkult „benutzt“ wird, um politische Ziele umzusetzen, wird es gefährlich. Sicherlich haben Menschen wie Mahatma Gandhi sowie Martin-Luther King oder Nelson Mandela aufgezeigt, daß Kult um ihre Person eine äußerst positive Botschaft der Nachwelt hinterläßt. Solch großartige Ausnahmen entsprechen allerdings nicht der Regel, wenn das Zerstörerische sich viel leichter Wege suchen möchte, seine Ziele zu verwirklichen. Ob Josef Stalin, Mao Zedong oder jetzt hochaktuell der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un, ihr Personenkult sind Negativbeispiele einer fehlgeleiteten Vorbildfunktion, die letztlich nur der Propaganda dient, die Macht aufrecht zu erhalten.

Medien erschaffen Idole am laufenden Band

Daher muß die Frage im Raum stehen, ob dahinter in etwa eine gewisse Strategie steckt. Eigentlich schon, wenn man ganz lange darüber nachdenkt. Sollen wir das? Ablenkung verhindert lästiges Sinnieren über Zusammenhänge, der Homo sapiens möge doch am besten einfach vor sich hin leben, beschäftigt sein mit seiner unmittelbaren Umgebung, wobei diese viel eher global „gestaltet“ wird infolge der TV-Revolution.

Hunderte von Fernsehkanälen vernetzen die Erde. Die Musikindustrie zusammen mit Portalen wie YouTube, Twitter, Facebook und Tausenden von Blogs im Internet erschafft nahezu unendliche Möglichkeiten, Idole näherzubringen. An sich nichts verwerfliches, gerade Musik verbindet Emotionen und somit die Herzen ganzer Generationen wie kaum eine Kunstrichtung es derart wirkungsvoll vermag, zumal diese sich fast jeder leisten kann in einer Welt des Konsums. Andererseits dient sie auch der Beeinflussung im negativen Sinn, wenn wir uns das Spektrum besonders der rechten Extreme vergegenwärtigen. Bisher ungenannt im Kontext zur Vorbildfunktion: die Religion. Auch diese spielt eine erhebliche Rolle, weltweit quer durch sämtliche Gesellschaftsschichten. Erschreckend dabei die weiterhin real stattfindende Instrumentalisierung, sodaß eben nicht Staat und Religion voneinander getrennt wird.

Dürfen wir das Thema als beantwortet betrachten? Nur teilweise. Vorbilder und Personenkult sind stets Begleiterscheinungen menschlichen Daseins, in der jungen Entwicklung zum Erwachsenendasein durchaus hilfreich und notwendig, aber leider auch eine Möglichkeit der Manipulation bestimmter Zwecke. Befreien wir uns von Mauern und fragwürdigen Grenzen, sondern bewahren uns stets die kritische Hinterfragung und vor allem die Freiheit selbst, dies tun zu dürfen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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